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St.Galler Stadträtin Maria Pappa zur Marktplatz-Neugestaltung: «Es gibt keine Variante ohne Nachteile»

Der Wettbewerb zur Neugestaltung von Marktplatz und Bohl ist angelaufen. Baudirektorin Maria Pappa erklärt, warum die Bushaltestellen nicht dort bleiben können, wo sie sind, und warum die Calatrava-Halle zur Disposition steht.
Interview: Roger Berhalter
Stadträtin Maria Pappa: «Ob die Calatrava-Halle künftig noch zweckmässig ist, soll der Wettbewerb zeigen.» (Bild: Urs Bucher)

Stadträtin Maria Pappa: «Ob die Calatrava-Halle künftig noch zweckmässig ist, soll der Wettbewerb zeigen.» (Bild: Urs Bucher)

Maria Pappa, verkaufen Sie auf dem Marktplatz alten Wein in neuen Schläuchen?

Nein, warum?

Weil der Stadtrat einerseits den Platz neu gestalten möchte, anderseits beim Standort der Bushaltestellen aber auf alte Ideen zurückgreift.

Der Stadtrat hat den Wunsch aus den beiden Marktplatz-Foren, die Haltestellen weiterhin am Bohl zu belassen, sehr ernst genommen. Deshalb haben wir erneut ein externes Verkehrsingenieurbüro beauftragt, um zu klären, wie der ÖV am Bohl auch in Zukunft leistungsfähig organisiert werden kann. Die Abklärung hat gezeigt, dass eine kompakte Haltestellenlösung am Bohl entscheidende Kriterien nicht erfüllen kann.

Warum können die Haltestellen nicht am Bohl bleiben?

Die Haltekanten am Bohl müssen so oder so verändert werden. Die aktuelle Situation erfüllt die Kriterien des Behindertengleichstellungsgesetzes nicht. Dieses schreibt vor, dass alle Haltestellen barrierefrei sein müssen. Dazu braucht es höhere und längere Haltekanten. Menschen mit Gehbehinderung sollen bei allen Türen selbstständig ein- und aussteigen können. Heute ist das am Bohl nicht möglich. Zusammen mit der prognostizierten ÖV-Zunahme ist eine bauliche Anpassung unumgänglich.

Ist das Marktplatz-Projekt wirklich eine Platzgestaltung? Handelt es sich nicht eher um eine ÖV-Vorlage?

Es ist beides. Wir haben grosse Flächen, die es zu gestalten gilt, und die wichtige Frage der Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr. Aktuell nimmt die Haltestellenfrage viel Platz ein. Der technische Bericht zeigt auf, welche Konsequenzen eine kompakte Haltestelle am Bohl hätte, nämlich Abbruch oder Verschiebung denkmalgeschützter Gebäude oder Rückstaus und Verlustzeiten beim ÖV. Wir zeigen nun transparent auf, weshalb der Stadtrat auf die zwei alten Varianten zurückgreift. Auch sie haben zwar Nachteile, aber weniger gewichtige als die anderen Varianten.

Die optimale Lösung am Bohl gibt es nicht?

Es gibt keine Variante ohne Nachteile. Deshalb war eine Abwägung nötig. Unser Ziel bleibt ein leistungsfähiger ÖV, auch in Zukunft. Dafür brauchen wir eine praktikable Lösung.

Gibt es wirklich keine bessere Variante? Bus und Bahn unterirdisch zu führen, zum Beispiel?

Auch das haben wir geprüft. Dazu wären 80 Meter lange und zum Teil zweispurige Rampen nötig. Städtebaulich wäre dieser Eingriff für dieses historische Gebiet eine Katastrophe.

Müssen denn alle Busse und Postautos über den Bohl fahren? Es gibt auch die Idee eines Hub-Systems: Zwei Verkehrsknoten im Osten und Westen und dazwischen eine schlanke Verbindung.

Unabhängig vom Hub-System, das noch in weiter Ferne liegt, ist das Zentrum auf einen hohen Bustakt angewiesen. Zudem bliebe ein wesentliches Problem damit ungelöst: Die Geometrie des Platzes sowie die Forderungen der Barrierefreiheit blieben bestehen.

Statt ein grosses Gestaltungsprojekt aufzugleisen, könnten Sie auch Schritt für Schritt vorgehen: Zunächst nur Sofortmassnahmen treffen und danach an einer Lösung des ÖV-Problems arbeiten.

Wir kennen schon jetzt alle Rahmenbedingungen, und wir wissen genau, wo die Schwierigkeiten liegen. Und Sofortmassnahmen wurden längst getroffen: In den vergangenen Jahren wurde auf dem Marktplatz und am Bohl immer nur das Nötigste gemacht. Es ist an der Zeit für eine vollständige Sanierung und Neugestaltung.

Bei der vergangenen Abstimmung fühlten sich die Marktfahrer übergangen. Inzwischen haben Sie sie ins Boot geholt. Welche Interessengruppe haben Sie diesmal vergessen?

Keine. Die Partizipation wurde sorgfältig aufgegleist. An den zwei Marktplatz-Foren konnten sich die unterschiedlichsten Gruppierungen einbringen. Auch wurde alles öffentlich gemacht. Hätte sich jemand übergangen gefühlt, hätte er sich bestimmt gemeldet. Es war wichtig, mit den Marktfahrern vertiefte Gespräche zu führen, denn für sie ist die Situation auf dem Marktplatz existenziell. Der Dialog läuft gut. Die Situation soll gesamthaft eingeschätzt werden, weshalb nicht alle Interessen und Ansprüche berücksichtigt werden können.

Das Waaghaus kommt im Gestaltungswettbewerb nicht vor. Warum klammern Sie dieses prominente Gebäude aus?

Dieser Entscheid fiel schon lange vor der aktuellen Neugestaltung. Es gibt für das Waaghaus schon ein Sanierungsprojekt, aber Stadtrat und Parlament beurteilen andere Investitionen als dringlicher. Deshalb wurde eine sanfte Renovation vorgenommen. Für eine Gesamtsanierung haben wir das Geld nicht.

Auch der Blumenmarkt ist ausgeklammert, der Kanton plant dort seine neue Bibliothek. Ist so überhaupt eine gesamthaft überzeugende Platzgestaltung möglich?

Ja. Wir wissen schon jetzt, dass das neue Bibliotheksgebäude mehr oder weniger den ganzen Blumenmarkt beanspruchen wird. Diese Tatsache können die Gestalter im Marktplatz-Projekt berücksichtigen, wir brauchen nicht auf das kantonale Projekt zu warten.

Wie kommen die zwei Grossprojekte aneinander vorbei?

Wenn es um die Bibliothek geht, hat der Kanton den Lead. Die Stadt ist aber in allen wichtigen Arbeitsgruppen vertreten und nimmt Einfluss. Seit bald zwei Jahren arbeiten wir eng zusammen.

Die Calatrava-Halle haben Sie zur Disposition gestellt: Man darf sie abbrechen. Warum gibt der Stadtrat dieses St. Galler Wahrzeichen preis?

Es ist kein denkmalgeschützter Bau. Im Gegensatz zum Waaghaus und zum Haus an der Museumstrasse 1, die wir bei der Neugestaltung nicht antasten oder verschieben wollen.

«Die Frage, ob die Calatrava-Halle künftig noch zweckmässig ist, wird bewusst offen gelassen. Das soll der Gestaltungswettbewerb zeigen.»

Sie sind die dritte Baudirektorin in Folge, die sich mit der Neugestaltung des Marktplatzes beschäftigen muss. Eine undankbare Aufgabe?

Keinesfalls. Ich liebe Herausforderungen. Da kommt mir mein alter Beruf zu Gute. Auch als Sozialpädagogin hatte ich oft mit schwierigen Rahmenbedingungen zu tun. Hier wie dort ist es wichtig, dass man jeden Schritt gut begründet und transparent aufzeigt.

Der Gestaltungswettbewerb läuft bis Ende Jahr. Angenommen, die Ideen überzeugen nicht: Könnte der Stadtrat die Notbremse ziehen?

Ja, das ist möglich. Aber es wird nicht nötig sein. Ich bin optimistisch und überzeugt, dass etwas Gutes herauskommt.

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