«Wir kommen mit dem Aufstellen von Fallen gar nicht mehr nach»: Wühlmäuse sind in der Region Gossau auf dem Vormarsch

Innert drei Jahren hat sich die Mäusepopulation in einigen Gebieten in der Region Gossau mehr als verdoppelt.

Marion Loher
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Fredi Mosbergers Boden weist Mäuseschäden auf. (Bild: Ralph Ribi)

Fredi Mosbergers Boden weist Mäuseschäden auf. (Bild: Ralph Ribi)

Fredi Mosberger ist ratlos. «Wir haben so viele Mäuse auf unseren Wiesen und Feldern, dass wir mit dem Aufstellen von Mausefallen gar nicht mehr nachkommen», sagt der Gossauer Landwirt. Eine regelrechte Mäuseplage sei es, die derzeit auf dem Hof herrsche. Dabei sei er keineswegs der einzige Betroffene.

«Ich kenne einige Bauern in der Gegend, die sich über die riesige Mäusepopulation beklagen.»

Mosberger schätzt, dass es auf seinem Betrieb auf einigen Flächen etwa 700 Mäuse pro Hektar gibt.

Tausende Franken für Saatgut

Die Schäden, welche die Wühl- respektive Schermäuse anrichten, sind gross. «Sie knabbern die Wurzeln von Bäumen und Gräsern an, wobei sie vor allem die ertragsstarken Gräser lieben. Dadurch werden diese für uns unbrauchbar», sagt der Bauer. Zudem würden die Erdhaufen, welche die Mäuse auf der Wiese hinterlassen, den Boden uneben machen.

Das hat zur Folge, dass die Messer der Mähmaschinen öfters ausgewechselt werden müssen. Die Mäuseplage hat Mosberger bis jetzt schon einige tausend Franken für Saatgut und Wiesenerneuerung gekostet, wobei die 10 bis 15 Prozent Ertragseinbussen nicht mitgerechnet sind.

Auch Hitzesommer 2018 setzte den Mäusen nicht zu

Dass es immer wieder zu einer Mäuseplage kommen kann, ist für die Bauern nichts Ungewöhnliches. Allerdings, fügt Mosberger an, habe sich die Population bislang nach starken Wachstumsphasen so alle sieben bis acht Jahre selber reguliert, weil die Mäuse nicht mehr genügend Futter fanden oder an Krankheiten starben.

«In letzter Zeit beobachten wir aber, dass dieser Zyklus nicht mehr spielt. Es gibt immer mehr Mäuse.»

Eine Erkenntnis, die auch aus dem Schermaus-Radar der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus (AGFF) vom Frühling 2019 hervorgeht. Anscheinend konnte auch der letztjährige Hitzesommer den Mäusen nicht überall zusetzen. Nur gerade in der Nordschweiz zwischen Baselbiet, Thurgau und Schaffhausen seien die Schermaus-Bestände zurückgegangen, schreiben die Verantwortlichen zu den aktuellen Erhebungen.

Das Schermaus-Radar ist ein Instrument, mit dem die Dichte von Mäusepopulationen bestimmt wird. Die AGFF führt diese Messungen jährlich an über 45 ausgewählten Standorten schweizweit durch. Der aktuelle Schermaus-Radar zeigt, dass die meisten der untersuchten Felder im Mittelland und in den angrenzenden Hügelgebieten eine wachsende Population aufweisen. Dazu gehören auch die in der Region untersuchten Standorte Flawil und Oberbüren.

In Flawil ist die Mäusepopulation von rund 40 Tieren pro Hektar im März 2016 auf über 90 Tiere pro Hektar im März 2019 angestiegen. In Oberbüren hat sich die Anzahl im selben Zeitraum von 100 auf über 200 Mäuse pro Hektar vergrössert. Hier ist gar von einem «Beinahe Totalschaden» an der Wiese die Rede. In diesen Gebieten sei mit einem Zusammenbruch der Population vor 2020 nicht zu rechnen, schreibt die AGFF.

Mehr Katzen und Füchse

Über die Ursache der zunehmenden Ausbreitung der Wühlmäuse kann Fredi Mosberger, der gleichzeitig Vizepräsident des St.Galler Bauernverbands ist, nur spekulieren: «Den Mäusen gefällt es in guten, fruchtbaren Böden mit wenig grösseren Steinen – so wie wir es haben.» Auch auf seinem Hof haben die Nagetiere eine Wiese beinahe vollständig beschädigt.

«Ich musste das Land pflügen und frisch ansäen.»

Nebst Mausefallen und chemischer Mittel setzt der Landwirt bei der Mäuse-Bekämpfung auf deren natürliche Feinde wie Katze oder Fuchs. Letzterer ist ein fleissiger Helfer, er kann problemlos mehrere tausend Mäuse pro Jahr fressen. Dafür braucht er aber auch einen geeigneten Lebensraum. Den hat er auf Mosbergers Hof. Vor wenigen Jahren pflanzte der Bauer eine Hecke an, um den ökologischen Ausgleich zu fördern. Darin hat sich mittlerweile ein Fuchs eingenistet. «Um der Mäuseplage Herr zu werden, bräuchte es aber noch ein paar Füchse mehr.»