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«Es gibt immer Eltern und Kinder, die rebellieren»: Der oberste Schwimmlehrer des Landes verteidigt die St.Galler Badekappenpflicht

Der oberste Schwimmlehrer des Landes heisst die Badekappenpflicht für St.Galler Schüler gut, rät der Stadt aber: Freie Wahl beim Modell.
Interview: Diana Hagmann-Bula
Beim modernen Schwimmen ist der Kopf unter Wasser. Darum ergibt eine Badekappe Sinn. (Bild: Urs Bucher)

Beim modernen Schwimmen ist der Kopf unter Wasser. Darum ergibt eine Badekappe Sinn. (Bild: Urs Bucher)

Seit Beginn des Schuljahres müssen die Erst- bis Viertklässler der Stadt im Schwimmunterricht eine Badekappe tragen. Nicht alle sind begeistert . Das einheitliche Modell sei zu eng, ihre Kinder würden über Kopfschmerzen klagen, sagen Mütter. Was Max Frei, Präsident des Schweizerischen Schwimmlehrerverbands, davon hält.

Herr Frei, Sie geben Schwimmunterricht an Schulen. Müssen die Kinder dort eine Badekappe tragen?

Max Frei: Nur die Schüler mit langen Haaren. Aus Sicherheitsgründen.

Welches Risiko stellen lange Haare im Wasser denn dar?

Es kann vieles passieren, womit man nicht rechnet. Unsere Schüler schwimmen in einem Becken mit Hubboden, der verstellbar ist. Er verfügt über Spalten. Verfängt sich ein Kind mit seinen Haaren in diesen Spalten, kann es schnell zu einer lebensgefährlichen Situation kommen. Der Schwimmlehrer müsste die Notlage sofort erkennen. Bei 20 Kinder im Becken ist das aber nicht immer einfach.

Wann werden lange Haare noch gefährlich?

Wenn ein Kind damit am Geländer hängen bleibt, das ins Wasser führt. Oder wenn das Kind abtaucht und seine Haare vor das Gesicht geraten. Es kann dann in Panik geraten. Die Schülerin weiss nicht mehr, was oben und unten ist, verschluckt Wasser oder sogar die eigenen Haare. Eine Schwimmlehrerkollegin hat das als Kind erlebt. Sie ist fast erstickt. Auch beim Crawlen können Haare im Weg sein und die Luft rauben. Heute bringen wir den Schülern nicht mehr Schwimmen im Grossmutterstil bei, sondern die sportliche Variante, bei der man mit dem Gesicht unter Wasser geht.

Mit einer Badekappe lässt sich das Unfallrisiko deutlich minimieren.

Ja, und auch Panikattacken lassen sich verhindern. Irgendwo einhaken und das Gefühl bekommen, sich unter Wasser nicht mehr frei bewegen zu können, kann ein Kind traumatisieren. Und es zehn oder noch mehr Lektionen in seinem Können zurückwerfen. Deshalb habe ich Verständnis dafür, dass sich die Stadt St.Gallen für eine Badekappenpflicht entschieden hat. Es gibt aber verschiedene Wege, die Pflicht einzuführen.

Wären Sie anders vorgegangen?

St.Gallen hat den Schritt damit begründet, dass die Schüler im Becken sichtbar sind und der Schwimmlehrer im Notfall einen besseren Überblick hat. Das ist ein wichtiges Argument. Die Stadt könnte Eltern und Schülern aber freie Wahl beim Modell der Badekappe lassen. Und nur den Rahmen abstecken: Die Kappe muss halten.

St.Gallen setzt aber auf ein Einheitsmodell.

Bei einer Badekappe ist es wie bei einer Schwimmbrille: Nicht bei jedem Kind sitzt sie gleich gut. Eine Tenuvorschrift an einer Schule durchzusetzen, ist stets eine heikle Angelegenheit. Es gibt immer Eltern und Kinder, die rebellieren.

In St.Gallen beschweren sich Eltern, weil ihre Kinder mit Kopfschmerzen vom Schwimmen kommen. Wie würden Sie reagieren?

Ich würde nach konstruktiven Lösungen suchen und eine elastischere Badekappe ausprobieren lassen oder den Rand hochklappen. Es gibt Neopren-Stirnbänder, die unter Badekappen passen. So liegt der Gummi nicht direkt auf der Haut auf. Es gibt Kinder, die empfindlich auf das Material reagieren.

Spart die Schule dank Badekappen Zeit beim Föhnen?

Die Haare werden auch mit Badekappe nass, aber nicht pflotschnass. Dafür drückt die Badekappe die Haare zusammen und man muss danach mehr kämmen. Der Zeitgewinn ist minim. Ich stelle den Schülern in der ersten Lektion jeweils den Tüechligeist vor. Dazu lege ich ein Tuch über meinen Kopf und rubble die Haare, das saugt schon mal viel Wasser auf. Viele Kinder stehen nämlich mit triefender Mähne unter den Föhn. Kein Wunder, dauert das ewig.

Max Frei, Präsident des Schweizerischen Schwimmlehrerverbands. (Bild: PD)

Max Frei, Präsident des Schweizerischen Schwimmlehrerverbands. (Bild: PD)

Unter einer Badekappe festgeklemmte, statt im Wasser auftreibende Haare: Geht so nicht das Sinnliche am Schwimmen verloren?

Mädchen fragen mich immer wieder: Dürfen wir heute mal die Badekappe abziehen? Gelegentlich lasse ich es zu in einer Übung, als Ausnahme, als Highlight. Ebenfalls, dass sie in Kleidern schwimmen gehen. Beides ist nicht sicher, aber als Erfahrung wertvoll. Die Kinder merken etwa, dass es mehr Kraft braucht, angezogen zu schwimmen. Im Notfall kann es hilfreich sein, das zu wissen.

In der Badi tragen die Kinder ja auch keine Badekappe.

Wir Schwimmlehrer bringen den Kindern im Unterricht zwar den Umgang am und im Wasser bei, in der Freizeit aber haben wir keinen Einfluss. Dennoch sehe ich immer mehr Kinder, die in der Badi eine Badekappe tragen. Sie kann ja auch vor Sonne schützen. Doch klar, die meisten Kinder wollen möglichst cool aussehen in der Badi. Mit Badekappe tut man das eher nicht.

Warum ordnen immer mehr Schulen eine Badekappenpflicht an?

Weil der Schwimmlehrer einen grösseren Stellenwert bekommt. Immer häufiger unterrichtet nicht mehr der Klassenlehrer Schwimmen, sondern ein Fachlehrer. Dabei handelt es sich um einen ausgebildeten Schwimmlehrer. Er hat mehr Fachwissen, kennt die Gefahren besser und empfiehlt der Schule deshalb, die Kinder nur noch mit Badekappe ins Wasser zu lassen.

Wären kleinere, übersichtlichere Schwimmgruppen eine Alternative zur Badekappenpflicht?

Dann muss die Schweiz mehr Hallenbäder bauen. Es gäbe zu wenig Wasserfläche für all die kleinen Schülergruppen. Schon jetzt bestehen Engpässe bei der Belegung.

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