«Es erstaunt mich heute noch»: Wie der St.Galler Hannes Walker den Sprung vom Arbeitslosen zum Unternehmer schaffte

Noch vor einem Jahr suchte der 27-Jährige über Facebook Arbeit. Heute leitet er eine Firma für Kleinaufträge.

Eva Wenaweser
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Heute leitet der 27-Jährige eine Firma für Kleinaufträge.

Heute leitet der 27-Jährige eine Firma für Kleinaufträge.

Urs Bucher

Vor ziemlich genau einem Jahr hat Hannes Walker zusammen mit zwei Geschäftspartnern eine Firma für Kleinaufträge gegründet: «Rent Me». Nachdem er nach vier Monaten konventioneller Arbeitssuche keine Stelle mit dem gewünschten 50-Prozent-Pensum als Elektriker fand, suchte er auf eine etwas andere Art nach einem Job. Er liess sich mit einem Schild fotografieren, auf dem «Suche Arbeit» stand.

Mit diesem Bild suchte Hannes Walker auf Facebook nach Arbeit.

Mit diesem Bild suchte Hannes Walker auf Facebook nach Arbeit.

Bild: Benjamin Manser (St.Gallen, 3. Januar 2019)

Das Bild lud er bei Facebook hoch, schrieb einen kleinen Text dazu und veröffentlichte es. «Dass diese Aktion auf so viel Resonanz gestossen ist, erstaunt mich heute noch», sagt Walker. Der Beitrag ist knapp 6500-mal geteilt worden und da die Nachfrage so gross war, machte sich Walker mit einer Homepage für Kleinaufträge zusammen mit seinen beiden Freunden als Geschäftspartner selbständig.

Ursprünglich waren der Idee keine Grenzen gesetzt

Wie der 27-Jährige Walker es auch auf seiner Facebook-Seite beschreibt, wollen sie eine Plattform sein, auf der sich Menschen mit ihren Fähigkeiten anbieten und andere diese Leistungen beanspruchen können, ohne lange suchen zu müssen.

«Rent Me» funktioniere so: Wenn jemand beispielsweise Hilfe bei einem Umbau brauche, könne er die entsprechende Kategorie auf der Homepage aufrufen und die Arbeitergruppe auswählen, die er brauche. Dann setzt sich der Kundendienst mit der Person in Verbindung, um zeitliche und finanzielle Angaben auszumachen.

Anfangs hatte er diesem Vorhaben keine Grenzen gesetzt. Er wollte in jeder Branche Arbeit vermitteln und so ein zu grosses Spektrum abdecken. Walker sagt: 

«Die Idee lässt mich nicht los. Dennoch haben wir uns jetzt erstmal in Richtung Handwerk spezialisiert, da wir alle drei aus diesem Bereich kommen.»

Er habe sich eingestehen müssen, dass sein primäres Vorhaben in dieser Form noch nicht funktioniert. «In diesem Jahr ist viel in die richtige Richtung gegangen, trotzdem werden die anderen Branchen erst von Zeit zu Zeit dazukommen.»

Zusätzlich zur Homepage soll eine App folgen

Grundsätzlich sei es Walker egal, ob es sich bei den Externen um kleine Einzelfirmen, Freelancer oder Generalunternehmen handle. «Momentan sind es eher kleinere Firmen, aber ich könnte mir auch vorstellen, mit Generalunternehmen zusammenzuarbeiten.» Sie wollen aber vor allem Freelancern eine Chance geben. Er überprüfe im Voraus alle Unternehmen, mit denen sie zusammenarbeiten. Wenn die Arbeit schlussendlich nicht zufriedenstellend sei, könne man die Firma immer noch von der Plattform entfernen.

Zusätzlich zu der Webseite arbeiten sie momentan an einer App. Dadurch können noch mehr Bereiche abgedeckt und so auch noch mehr Leuten die Chance geboten werden. Das Konzept soll aber weiter simpel bleiben: «Jeder soll mit ein paar einfachen Klicks das finden, wonach er sucht», sagt Walker.

Bis jetzt hat «Rent Me» bereits rund 80 Kunden und die Resonanz fällt laut Walker in den meisten Fällen sehr positiv aus.

«Zugegeben: Anfang sind ein oder zwei Aufträge nicht so gelaufen, wie es hätte sein sollen. Aber im Grossen und Ganzen bin ich sehr zufrieden.»

Ziel ist es, die Arbeit auf die ganze Schweiz auszubauen

Jetzt stehe im Vordergrund, sich mit den Firmen, mit denen man zusammenarbeite, eine gute Basis aufzubauen und so auch gegenseitiges Vertrauen zu schaffen. «Bis jetzt sind wir hauptsächlich in der Ostschweiz aktiv, wenn es weiterhin so gut läuft, wäre das Ziel aber, unsere Arbeit auf die ganze Schweiz auszubauen», sagt Walker. Ohne die Externen bestehe «Rent Me» zurzeit aus ihm, seinen beiden Geschäftspartner und jeweils einer Person für die Buchhaltung, den Kundendienst und die Administration.

Für die Zukunft wünscht er sich, dass sie es ins Finale von Startfeld Diamant, einer Auszeichnung für innovative Unternehmen in der Ostschweiz, schaffen. «Für mich steht dabei aber nicht der Gewinn und das Geld im Vordergrund», sagt Walker. Er wolle von dem Coaching, das es im Finale gebe, profitieren. «Es wäre eine grosse Bereicherung für unsere Firma, unsere Chancen dazu sehe ich ziemlich positiv.» Wenn er jetzt auf das vergangene Jahr zurückblickt ist er grundsätzlich zufrieden.

«Ich würde es wieder genauso machen.»

https://rentme-swiss.ch/

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