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«Es braucht zwingend zwei Zugbegleiter»: Kritik an Entscheid der SBB

Die SBB schaffen per Fahrplanwechsel im Dezember 2018 die grundsätzliche Zweierbesetzung im Fernverkehr ab. Betroffen sind auch die Verbindungen in der Ostschweiz. Der Zugpersonalverband steht diesen Änderungen kritisch gegenüber.
Jonas Manser
Noch sind bei Fernverkehr-Verbindungen der SBB Zugbegleiter grundsätzlich zu zweit unterwegs. (Bild: Keystone)

Noch sind bei Fernverkehr-Verbindungen der SBB Zugbegleiter grundsätzlich zu zweit unterwegs. (Bild: Keystone)

Die SBB wollen mit dem Projekt «Kundenbegleitung 2020» auf den Fahrplanwechseln im Dezember hin die grundsätzliche Doppelbesetzung mit Zugbegleitern im Fernverkehr abschaffen. Eine Entwicklung, die bereits vor rund fünf Jahren begann. «Fehlentwicklung der SBB in der Ostschweiz»: Dies kritisierte die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) bereits Anfang 2013. Kurz zuvor hatten die SBB beschlossen, kein Zugpersonal mehr auf der Strecke St.Gallen – Chur einzusetzen.

Alle zwei bis drei Tage kommt es zu Vorfällen: Das Zugpersonal wird beschimpft, bespuckt – in Extremfällen sogar angegriffen. Trotzdem nun also die geplanten Änderungen. Prompt befürchtet das Zugpersonal, künftig diese brenzligen Situationen alleine meistern zu müssen. Kritisch beurteilt die bevorstehenden Änderungen auch die SEV. Sie schreibt in einer Mitteilung, dass sich das Problem der zunehmenden Aggression gegenüber den Zugbegleitern in den vergangenen Jahren kaum entschärft habe, und fordert die Beibehaltung der grundsätzlichen Doppelbegleitung.

Skeptisch gegenüber dem Projekt

«Man könnte das neue System der SBB als versteckte Produktivitätssteigerung bezeichnen», sagt Andreas Menet, Präsident des Zugpersonalverbandes (ZPV). Der Verband befürchtet an der geplanten Änderung, dass letztlich das Zugpersonal die Leidtragenden sein werden.

Die höchste Priorität sei der Schutz des Personals vor Tätlichkeiten. Diese sei bei einer alleinigen Zugbegleitung im Fernverkehr nicht mehr gewährleistet. Eine Einzelperson könne auch den Anforderungen an den Kundendienst nicht mehr gerecht werden. Andreas Menet, Präsident des Zugpersonalverbandes (ZPV) sagt:

«Es gibt zwei Hauptargumente, wieso es zwingend zwei Begleiter im Fernverkehr braucht: Die Sicherheit des Personals und die Bedürfnisse der Kunden.»

Der Verband fühlt sich von der SBB hintergangen. «Als die SBB uns vom Projekt erzählten, reichten wir unsere Bedenken und Ideen ein – darüber diskutiert wurde leider nie.» Die SBB hätten die Stellungnahme einfach zur Kenntnis genommen, liessen aber ihre Forderungen und Anregungen nicht ins Konzept einfliessen, so der Präsident des ZPV.

SBB entschärft die Sorgen des ZPV

Was sagen die SBB zu den Befürchtungen des ZPV? «Die Fragen des Personals sind berechtigt. Auch der SBB als Arbeitgeberin liegt die Sicherheit der Mitarbeitenden am Herzen. Und bei der Sicherheit machen wir keine Kompromisse», erklärt Reto Schärli, Mediensprecher der SBB.

Er weist darauf hin, dass die Planung noch nicht abgeschlossen sei. «Wir gehen heute davon aus, dass die Kundenbegleiter auch zukünftig zu einem grossen Teil mindestens zu zweit unterwegs sein werden», so Schärli. So würden beispielsweise auch künftig beim Befahren des Lötschberg- oder Gotthard-Basistunnels oder im Fernverkehr ab 22 Uhr mindestens zwei Begleiter im Zug präsent sein. Welche Zugverbindungen in der Ostschweiz davon betroffen sein würden, sei noch nicht klar.

«Es wird nur auf eine Doppelbegleitung verzichtet, wo ein gleicher Service für die Kunden möglich ist», sagt Schärli. Die Frage, ob dadurch weniger Personal notwendig sein werde, verneint Schärli. «Bis 2020 werden unter dem Strich sogar 25 neue Stellen geschaffen.» Der Ausbau werde fortgesetzt, mehr Züge würden im Einsatz sein.

Situation bei den anderen Ostschweizer Bahnunternehmen

Bei den Appenzeller Bahnen (AB) sind die Züge nur punktuell begleitet. Trotzdem sagt Sabrina Huber, Mediensprecherin der AB: «Bei Stichkontrollen und im Sicherheitsdienst ist die Zweierbegleitung aus unserer Sicht notwendig.» Daran werden sie künftig auch festhalten.

«Die Voralpen-Expresszüge werden im gleichen Rahmen begleitet, wie die Fernverkehr-Verbindungen der SBB», sagt Christopher Hug, Mediensprecher der Schweizerischen Südostbahn AG (SOB). Der Voralpen-Express werde standardmässig mit einem Zugbegleiter besetzt. «Bei einer Transportkapazität von rund 400 Personen pro Zug ist dies ausreichend», so Hug. Dies sei aber kein Vergleich zu den SBB: Dort fahren bis zu 1000 Personen mit. Tätlichkeiten kämen glücklicherweise selten vor.

«Effektive Tätlichkeiten kommen bei Thurbo glücklicherweise nicht häufig vor, aber es gibt sie auch», sagt Werner Fritschi, Mediensprecher und stellvertretender Geschäftsführer der Thurbo AG. Übergriffe gegen Thurbo Mitarbeitende zeige die Thurbo AG konsequent an. Ihre Züge werden ausserdem von Videokameras überwacht. Diese seien der Polizei eine grosse Hilfe beim Aufklären von Fällen, so Fritschi.

Aus Zugbegleiter/-in wird «Kundenbegleiter/-in SBB»

«Es ändert sich nicht nur die Berufsbezeichnung, sondern auch der Aufgabenbereich», sagt Reto Schärli, Mediensprecher der SBB. Weg vom Kontrolleur hin zum Dienstleister: Die Billettkontrolle werde einen immer kleineren Teil der Arbeit ausmachen. Vor allem mit Blick auf das Projekt «ÖV-Ticket 2020». Es sind Tablet-Automaten oder Smartphone-Anwendungen geplant, die eine Fahrt digital erfassen und dem Kunden automatisch das korrekte Ticket berechnen.

Mit den Änderungen werden zudem die bisher weitgehend getrennten Aufgabenfelder im Regional- und Fernverkehr sowie der Frequenzerhebung und der Aufsicht des Personenverkehrs am Bahnhof näher zusammenrücken. «Die Anforderungen an die Zugbegleiter werden immer grösser», sagt Andreas Menet vom Zugpersonalverbandes. Für viele Angestellte werden Nachschulungen nötig sein. (jm)

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