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«Es besteht immer ein gewisses Risiko» – auf nächtlicher Patrouille mit der Stadtpolizei St.Gallen

Polizistinnen und Polizisten sind 365 Tage im Jahr am Tag und in der Nacht in St.Gallen unterwegs. Einer von ihnen ist Franz Arnold. Seit 18 Jahren patrouilliert der 41-Jährige im Nachtleben.
Christoph Renn
Stadtpolizist Franz Arnold auf Streife am Bahnhof St.Gallen.(Bild: Ralph Ribi)

Stadtpolizist Franz Arnold auf Streife am Bahnhof St.Gallen.(Bild: Ralph Ribi)

22 Uhr. Sektionsleiter Franz Arnold trommelt seine Mitarbeiter zusammen. Im Hauptgebäude der Stadtpolizei St.Gallen herrscht eine lockere Stimmung. «Heute gehen wir zuerst in die Drei Weieren», sagt Arnold. Die Anspannung steigt. Obwohl es nur ein Routinerundgang ist, wissen sie nicht, was sie auf den Wiesen erwarten wird. Denn auch an einem ruhigen Dienstag in den Sommerferien wie diesem, könne immer etwas Unvorhersehbares geschehen. «Bei jedem Einsatz kann es plötzlich zu einer gefährlichen Situation kommen.» Franz Arnold wirkt trotz Einsatz entspannt. Er diskutiert mit seinen Arbeitskollegen auf dem Weg zum Polizeibus. «Ich mache diese Arbeit seit 18 Jahren», sagt der 41-Jährige. Er könne auf einen grossen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Doch: «Eine Routine dürfen wir nicht aufkommen lassen.»

Bevor er erstmals in die Uniform der Stadtpolizei St.Gallen schlüpfte, machte Arnold eine Ausbildung zum Elektromonteur. «Ich habe auch auf diesem Beruf gearbeitet», sagt er. Doch war er nicht zufrieden. «Ich habe keine berufliche Zukunft gesehen.» Eines Tages habe er sich mit einem Freund unterhalten, der Polizist war. «Er sagte mir, dass dringend neue Leute gesucht werden», erinnert sich Arnold. Schon am nächsten Morgen sei er auf den Polizeiposten gegangen, habe das Formular ausgefüllt, die Ausbildung bestanden und seine Entscheidung seither nie bereut. «Für mich war Polizist aber kein Kindheitstraum.» Es habe sich einfach so ergeben.

Als die Olma-Halle 7 in Flammen aufging

Auf Drei Weieren angekommen, wird schnell klar: Dieser Kontrollgang bleibt ruhig. Nur aus einer Musikbox dröhnt Musik. Es ist 22.30 Uhr. Franz Arnold spricht die drei Männer an, die gemütlich auf der Wiese sitzen. Er nimmt die Personalien auf, bleibt freundlich aber bestimmt. Und er verteilt eine Busse. 60 Franken kostet die Lärmbelästigung. Es bleibt der einzige ernsthafte Einsatz an diesem späten Abend. Mit den Taschenlampen leuchten die Polizisten über den Mannenweier. Nichts. Doch nicht jede Schicht verlaufe so still.

Nachtruhe: Ab 22 Uhr darf auf den Drei Weieren keine Musik mehr gespielt werden. (Bild: Ralpf Ribi)

Nachtruhe: Ab 22 Uhr darf auf den Drei Weieren keine Musik mehr gespielt werden. (Bild: Ralpf Ribi)

Einige Einsätze sind Franz Arnold bis heute in Erinnerung geblieben. «Ich weiss noch genau, wo ich stand, als die Olma-Halle 7 abgebrannt ist.» Damals, im Jahr 2000, war er noch ein Neuling bei der Polizei. Acht Jahre später rannten dann enttäuschte FCSG-Anhänger nach der Niederlage im Barragespiel im Espenmoos auf das Feld. «Die Gewaltbereitschaft war erschreckend», sagt Arnold. Solche Erlebnisse bleiben hängen. So wie auch die Party Project X auf dem Bohl. «Ich war zu der Zeit mit Freunden grillieren, als plötzlich der Notruf einging.» Nur kurze Zeit später sei er in voller Montur vor aufgebrachten, betrunkenen Personen gestanden. Seite an Seite mit seinen Arbeitskollegen musste er die Menge in Schach halten. Solche Einsätze seien einerseits sehr spannend, sagt Arnold. Andererseits seien es Einsätze, die eigentlich gar nicht erst geschehen sollten.

Es schlägt Mitternacht. Arnold läuft über den Bahnhofplatz. Auch hier ist es ruhig. Seine Nachtschicht dauert noch einige Stunden. Erst um 6.45 Uhr ist Feierabend. Er habe sich an die Arbeitszeiten gewohnt, sagt Arnold. Trotzdem brauche er nach einer strengen Nachtschicht seine Erholung. Beim Aufstehen brumme hin und wieder der Schädel. Er sei teilweise aufgrund des Schlafmangels auch etwas gereizt. Deshalb müsse dann vor allem jemand ein dickes Fell haben: «Meine Partnerin kennt mich zum Glück», sagt Arnold und schmunzelt.

«Meine Partnerin braucht viel Verständnis»

Eine Beziehung zu pflegen, sei als Polizist aber schwierig. «Zwar kenne ich meinen Einsatzplan mindestens ein Jahr im Voraus», sagt Franz Arnold. Doch gebe es immer wieder unvorhersehbare Einsätze, wie beispielsweise das Spiel des FC St.Gallen gegen Sarpsborg 08 am Donnerstag. Terminkollisionen seien deshalb nicht immer zu verhindern. «Mein Umfeld braucht viel Verständnis dafür.» Auch dafür, dass er sich bei seiner Arbeit immer wieder in gefährlichen Situationen wiederfindet. «Ich bin mir bewusst, dass stets ein gewisses Risiko besteht.» Doch Angst habe er noch nie verspürt. «Für solche Situationen wurden wir ausgebildet.» Aber sie müssten zu jeder Zeit und in jeder Situation mit dem nötigen Respekt an ihre Aufgaben herangehen. Vor allem in der Nacht, wenn beispielsweise Alkohol oder Drogen im Spiel seien.

Es ist ruhig in dieser Nacht. (Bild: Ralph Ribi)

Es ist ruhig in dieser Nacht. (Bild: Ralph Ribi)

Diese Nachtschicht geht zu Ende. Arnold legt sich hin, ruht sich aus. Danach wird er ins Fitnessstudio gehen, bevor er seinem grössten Hobby frönen wird. «Ich bin Obmann des Nordostschweizer Fahnenschwingerverbandes», sagt er mit einem zufriedenen Lachen im Gesicht.

Die Stadtpolizei in Zahlen

Bei der Stadtpolizei St.Gallen arbeiten inklusive Polizistinnen und Polizisten, Sicherheits-, Verkehrs- und Zivilangestellten rund 260 Mitarbeitende. Nebst dem Tagesgeschäft mit jährlich über 9000 Notrufen bewältigen sie Grossveranstaltungen wie Sportanlässe, Konzerte oder Feste. Zusätzlich ist die Stadtpolizei täglich mit Einsätzen in Bezug auf Lärm, Betäubungsmittel, Sachbeschädigungen, Streitereien, häusliche Gewalt, Todesfälle oder Verkehrsdelikte konfrontiert. Ihr stehen über 50 Fahrzeuge zur Verfügung, darunter Streifenwagen, zivile Autos, Busse, Motorräder und ein Gefangenenwagen. (ren)

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