Öffentlicher Verkehr
Gossauer Bevölkerung wartet auf Ausbau des Busangebots – Stadtrat schiebt Ball dem Parlament zu

Gossauer Stadtparlamentarier fordern vom Stadtrat, Vorschläge zur Verbesserung des Busangebots zu machen. Der Stadtrat antwortet nun, das kantonale Amt für öffentlichen Verkehr sei zuständig. Dieses hat bis 2024 alle Ausbaumassnahmen wegen Corona sistiert. Möglich wäre aber allenfalls ein Versuchsbetrieb mit einem Kleinbus.

Michel Burtscher
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Vier Parlamentarier möchten, dass das ÖV-Angebot in Gossau etappenweise oder mit Versuchsbetrieben ausgebaut wird.

Vier Parlamentarier möchten, dass das ÖV-Angebot in Gossau etappenweise oder mit Versuchsbetrieben ausgebaut wird.

Bild: Mareycke Frehner

Über zwei Jahre ist es her, seit die Stadtparlamentarierin Ruth Schäfler (FDP) sowie ihre Ratskollegen Martin Pfister (CVP), Erwin Sutter (Flig) und Florian Kobler (SP) eine Motion zum Busangebot in Gossau eingereicht haben. Darin forderten sie den Stadtrat auf, innert Jahresfrist Vorschläge zu dessen Erweiterung und Verbesserung zu erarbeiten.

Die Motion wurde vom Parlament später in ein Postulat umgewandelt und für erheblich erklärt. Die Vorschläge des Stadtrates liegen jedoch noch nicht vor. Als Grund dafür nannte der Stadtrat Ende 2020 das geplante Gossauer Gesamtverkehrsprojekt. Darin werde auch die ÖV-Situation untersucht und das weitere Vorgehen festgelegt, um sie zu verbessern. Die Resultate und damit die Grundlagen für die Beantwortung des Postulates würden 2022 vorliegen.

Im April hakten die vier Stadtparlamentsmitglieder mit einer Einfachen Anfrage nach. Ihr Vorstoss befinde sich auf einer tieferen Flughöhe als das Gesamtverkehrskonzept, betonten sie darin. Sie wollten darum vom Stadtrat wissen, ob dieser bereit sei, innert Jahresfrist mit Versuchsbetrieben – etwa mit Kleinbussen – die ÖV-Situation zu verbessern und «somit dem Ansinnen des Postulats zu entsprechen».

Mittlerweile liegt die Antwort vor. Darin schreibt der Stadtrat, dass das kantonale Amt für öffentlichen Verkehr zuständig sei für die strategische Planung und die Abstimmung des gesamten öffentlichen Verkehrs im Kanton. «Um einen Versuchsbetrieb zur Verbesserung der ÖV-Situation in Gossau beim kantonalen Amt für öffentlichen Verkehr anzuregen, müsste der Stadtrat entsprechend vom Stadtparlament beauftragt werden.» Ein Versuchsbetrieb mit einem Kleinbus würde jährliche Kosten von 500'000 bis 600'000 Franken verursachen, rechnet der Stadtrat vor. Alternativ könnte ein On-Demand-Bus- oder Taxi-Angebot geprüft werden.

Wegen der negativen Auswirkungen der Coronapandemie seien bis zum Fahrplan 2024 alle Ausbaumassnahmen durch den Kanton zurückgestellt worden, schreibt der Stadtrat weiter. Anträge zur Erweiterung des Gossauer Busangebots könnten erst wieder für das ÖV-Programm 2024 bis 2028 eingegeben werden. Eine weitere Möglichkeit, den Versuchsbetrieb zeitnaher umzusetzen, bestünde darin, dem Kanton ein selbstfinanziertes Busangebot zu beantragen, was der Stadtrat «sehr begrüssen» würde. Auch hierfür müsste das Parlament dem lokalen Ausbau des ÖV vorgängig zustimmen.

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