Ersatzwahl
«Sensationell»: Simon Diezi ist neuer Gemeindepräsident von Thal – und so reagiert Verlierer Matthias Gehring

Im ersten Wahlgang vor zwei Monaten trennten Simon Diezi (FDP) und Matthias Gehring (SVP) 82 Stimmen. Im zweiten Anlauf fällt das Verdikt etwas deutlicher aus. Der FDP-Mann erreicht 1540 Stimmen, der SVP-Vertreter 1346. Der Wahlsieger hofft, dass nun wieder so etwas wie Normalität in Thal einkehren wird. Der unterlegene Matthias Gehring sagt derweil, er sei mit Vorwürfen konfrontiert worden, die zu 99 Prozent nicht gestimmt hätten.

Rudolf Hirtl/Daniel Walt
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Wahlfeier im «Ochsen»: FDP-Präsident Ernst Höchner (links) gratuliert dem neuen Gemeindepräsidenten Simon Diezi zum Wahlsieg.

Wahlfeier im «Ochsen»: FDP-Präsident Ernst Höchner (links) gratuliert dem neuen Gemeindepräsidenten Simon Diezi zum Wahlsieg.

Bild: Rudolf Hirtl

«Es fühlt sich sensationell an», sagt Simon Diezi, der damit beschäftigt ist, die Wahlplakate zu entfernen, da die Bewilligung dafür bereits heute Sonntag ablaufe. Er sei von einem engen Rennen ausgegangen, sei aber aufgrund von vielen Rückmeldungen in den vergangenen Wochen auch sehr zuversichtlich gewesen. Und wie interpretiert er das Resultat, zumal beide Kandidaten deutlich über 1000 Stimmen erhalten haben? «Das Resultat ist schon eindeutig, daher hoffe ich, dass nun im Dorf wieder so etwas wie Normalität einkehrt.»

Diezi streckt die Hand für gute Zusammenarbeit aus

Gemeinderat Werner Reifler (parteifrei) hat im Vorfeld der Wahl einen unbelasteten Neuanfang (also Gehring) als bessere Lösung für Thal bezeichnet. Ausserdem hat er seinen Rücktritt in Aussicht gestellt, dafür aber noch keinen Termin genannt. Kann die Zusammenarbeit im Rat mit dem neuen Gemeindepräsidenten funktionieren? «Werner Reifler hat mich bereits angerufen und mir zur Wahl gratuliert. Wir haben keine Probleme miteinander, schätzen uns und werden im Rat gut zusammenarbeiten können», sagt Diezi.

Das Amt wird er offiziell am 1. Januar 2022 antreten. «Ich werde meine Nase aber schon vorher in die Verwaltung halten und mich in die wichtigsten Themen vertiefen», sagt der neue Gemeindepräsident mit einem Schmunzeln. Da eine Doppelfunktion mit dem Amt des Ortsbürgerpräsidiums nicht möglich ist, wird dieses an der Bürgerversammlung vom kommenden März neu besetzt.

Die Resultate auf einen Blick:

Schlammschlacht hat Spuren hinterlassen

«Es geht mir nicht schlecht, aber ich würde lügen, würde ich sagen, ich wäre nicht enttäuscht», sagt Matthias Gehring. Er habe viel Zeit und Geld in den Wahlkampf investiert und sich auch Chancen ausgerechnet. «Ich wurde aber in den vergangenen Wochen mit Vorwürfen beworfen, die zu 99 Prozent nicht stimmen, daher war es für mich als Auswärtiger sehr schwierig.»

Er habe seine ganze Energie in den Thaler Wahlkampf investiert und daher auch keinen Plan B, er wolle aber auf jeden Fall in der Politik bleiben. «Der Job als Gemeindepräsident ist absolut spannend. Wenn sich künftig diesbezüglich eine neue Chance bietet, dann sage ich sicher nicht nein», so Matthias Gehring.

Im Dorf, wo die Suche nach dem neuen Gemeindepräsidenten seit Monaten Gesprächsstoff bot, ist man froh, dass die Wahlposse endlich ein Ende hat. Kritisiert wurde auf der einen Seite die Findungskommission. Sie hatte der Wählerschaft mit dem Hauptwiler Gemeindepräsidenten Matthias Gehring einen einzigen Kandidaten vorgeschlagen. Auf der anderen Seite hatte es Kritik am Einheimischen Simon Diezi gegeben, der sich erst spät zur Kandidatur entschliessen konnte.

Parteiloser verzichtete auf Teilnahme am zweiten Wahlgang

Simon Diezis Name war wegen seines späten Entscheids, an der Ausmarchung teilzunehmen, beim ersten Wahlgang nicht auf der Namenliste gestanden. Trotzdem fiel das Resultat Ende September denkbar knapp aus. Der Freisinnige Diezi holte damals 1022 Stimmen; auf Matthias Gehring entfielen 940 Stimmen. Chancenlos war der parteilose Michael Fitzi, für ihn votierten gerade einmal 464 Thalerinnen und Thaler. Er verzichtete in der Folge auf die Teilnahme am zweiten Wahlgang, der nun den Sieger hervorgebracht hat.

Ein Auswärtiger und ein Spätentschlossener

Matthias Gehring, der Kandidat der Findungskommission schafft es nicht

Matthias Gehring, der Kandidat der Findungskommission schafft es nicht

Bild: PD

Matthias Gehring hatte im Sommer, gleichzeitig mit seiner Kandidatur fürs Gemeindepräsidium in Thal, seinen Rücktritt in Hauptwil-Gottshaus per Ende Jahr angekündigt. Er wolle die Möglichkeit nutzen, sich in einer grösseren Gemeinde weiterzuentwickeln, sagte Gehring damals. Er betonte, dass er sein Amt im Thurgau niederlegen werde, selbst wenn er in Thal nicht gewählt würde.

In der Folge warf auch Simon Diezi seinen Hut in den Ring. Er habe sich Zeit genommen, die Situation richtig einzuschätzen: aus Sicht der Ortsgemeinde, seines Arbeitgebers, aber insbesondere auch aus der Sicht seiner Familie, sagte Diezi zum späten Zeitpunkt seiner Kandidatur. Die aufmunternden Worte vieler Thalerinnen und Thaler zeigten ihm, dass er zwar spät, aber nicht zu spät antrete.

Anonyme Vorwürfe gegen Ex-Gemeindepräsident Felix Wüst

Die Gemeinde Thal steht seit dem Rücktritt von Felix Wüst per Ende September ohne Gemeindepräsident da. Er hatte seine Demission wegen Differenzen in der Behörde und anonymen Anwürfen eingereicht. Ihm wurde vorgeworfen, keine Führungsqualitäten zu haben, die Abläufe noch nicht zu kennen und Angst vor der Bürgerversammlung zu haben.

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