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Ersatzwahl Gemeindepräsident: Thals Kandidaten im direkten Duell

Am «Tagblatt»-Podium mit möglichen Nachfolgern von Röbi Raths gab es spannende Diskussionen. Ein Heiratsantrag sorgte für Lacher.
Ines Biedenkapp
Die Diskussion mit den Kandidaten Felix Bischofberger, Felix Wüst, Michael Fitzi, Rossano Sarcinella und Werner Reifler lockte über 400 Besucher in den «Ochsen» nach Thal. (Bild: Lisa Jenny)

Die Diskussion mit den Kandidaten Felix Bischofberger, Felix Wüst, Michael Fitzi, Rossano Sarcinella und Werner Reifler lockte über 400 Besucher in den «Ochsen» nach Thal. (Bild: Lisa Jenny)

Die Wahl von Röbi Raths (FDP) zum Stadtpräsidenten von Rorschach hinterlässt eine Vakanz in Thal. Mit Felix Bischofberger (CVP), Felix Wüst (FDP), Michael Fitzi (SVP), Rossano Sarcinella (parteilos) und Werner Reifler (CVP) haben sich fünf Kandidaten als mögliche Nachfolger positioniert. Beim «Tagblatt»-Podium am Donnerstagabend stellten sich die fünf den Fragen von Redaktoren und Publikum. Die Runde stösst auf reges Interesse. Über 400 Gäste strömen in den Saal im «Ochsen» in Thal. Viele suchen vergebens nach einem Sitzplatz. Drei Themen lösen an dem Abend im Publikum besonders viel Reaktion aus: die Verkehrsproblematik, der Platz für Schweizer Fahrende und der Wegzug von Stadler.

Doch zu Beginn will Moderatorin Jolanda Riedener erst einmal wissen, ob die Kandidaten morgens auch mit dem Maserati zum Rathaus kämen, und sorgt damit für einige Schmunzler. Bei der Antwort zeigen sich fast alle Kandidaten von ihrer grünen Seite. Rossano Sarcinella und Werner Reifler wollen zu Fuss oder mit dem Velo kommen, Michael Fitzi mit einem Biogas-Auto und Felix Wüst mit seinem Audi Q5. Bei Felix Bischofberger käme es aufs Wetter an. Daher sei es entweder das Velo oder sein Hybrid-Auto.

Verkehrsproblematik ist schwierig zu lösen

Dann geht es zu ernsteren Themen über. Die Moderatorin fragt, wie sich Thal in Zukunft entwickeln soll. Felix Wüst überrascht mit seiner Antwort, er könne sich ein Restaurant in Buchen vorstellen. «Es soll ein Treffpunkt für Jung und Alt sein», fährt er unbeirrt fort. Für Kandidat Felix Bischofberger ist der Seeuferweg ein wichtiges Anliegen. Werner Reifler will für die Gemeinde langfristig eine qualitative Entwicklung. Rossano Sarcinella plant ökologisch zu bauen und stimmt Reifler zu, dass die Problematik der leerstehenden Wohnungen angegangen werden muss. Michael Fitzi will die hohe pro Kopf Verschuldung in der Gemeinde angehen, vor allem im Hinblick auf den Wegzug von Stadler Rail aus Altenrhein.

Emotionaler wird es beim Thema Verkehr. Dabei sind sich die Kandidaten einig: Einfach ist die Thematik nicht. Vor allem bei Kantonsstrassen, wie der Burietstrasse in Thal, könne die Gemeinde nur eingeschränkt handeln, relativiert Michael Fitzi. Werner Reifler zeigt auf, dass man auf solchen Strassen die Geschwindigkeit anpassen könne. Rossano Sarcinella will den Verkehr im Dorfkern entlasten, in dem man die LKWs um das Dorf leitet. Während sich Felix Wüst einen Ausbau der Ortsumfahrung Altenrhein vorstellen kann, will Felix Bischofberger eine Zufahrt der Wiesenstrasse verhindern:

«Es kann nicht sein, dass durch das schönste Quartier eine Durchfahrtsstrasse geht», sagt er.

Seine Aussage, Ampeln vor der Autobahn seien keine gute Lösung, löst im Publikum Gemurmel aus. «Also lieber ein Kreisel, statt Ampeln?», hakt Moderator Rudolf Hirtl nach. «Ein Kreisel erlaubt einen Verkehrsfluss und ist sicherer», zeigt sich Bischofberger überzeugt. «Daran glaube ich nicht ganz», entgegnet Werner Reifler. «Wäre er das wirklich, wäre der Kreisel schon da.»

Der Platz im Fuchsloch war ungeschickt gewählt

Auch das Thema Fahrende bewegt. Michael Fitzi macht deutlich, dass er nichts persönlich gegen Fahrende hat. Doch der Platz im Fuchsloch sei aus verschiedenen Gründen ungünstig gewählt. Einzig Bischofberger bedauert den Entscheid, dort keinen Fahrendenplatz einzurichten: «Ich denke, man hätte es managen können», sagt er. Werner Reifler hält die Herangehensweise bei einem solchen Thema für entscheidend und sagt:

«Das ist wie beim Heiratsantrag bei einer Frau. Meine musste ich auch mehrmals fragen.»

Damit hat er die Lacher auf seiner Seite. Dennoch sind sich alle Kandidaten einig, dass man auch in Zukunft bei dem Thema weiterhin offen für Anfragen ist.

Als es um den Wegzug von Stadler geht, hört das Publikum genau hin. Wie wollen die Kandidaten den Umzug ausgleichen? Gibt es dafür schon Ideen, fragen die Moderatoren. «Ich hab mehrere», sagt Felix Wüst, der als erster darauf angesprochen wird. «Ich habe mich gefragt, ob es die Industrie wirklich so nah am Wasser braucht. Ist das noch zeitgemäss?» Man könne aus dem Gebiet doch auch etwas anderes machen.

Felix Bischofberger hat einen anderen Ansatz. Er möchte eine gute Mischung im industriellen Bereich finden. «Es darf nicht nur LKWs haben, die durchfahren», sagt er. Werner Reifler möchte auf weggangsunempfindliche Firmen, etwa im Engineering-Bereich, setzen. «Aber die Arbeitsdichte die Stadler geschafft hat, schaffen wir so sich nicht mehr», sagt er, aber das wäre der Lauf der Zeit. Ähnlich sieht es Michael Fitzi. Auch er ist der Ansicht, dass es einen Betrieb braucht, der Wertschöpfung in die Gegend bringt. «Es geht hier ja nicht nur um Logistik, sondern auch um die Arbeitsplätze», sagt er. Chancen sieht er in der guten Anbindung der Region an Flughafen und Autobahn.

Moderatorin Jolanda Riedener fragt, ob die Kandidaten auch mit Maserati zum Rathaus fahren würden? (Bild: Lisa Jenny)

Moderatorin Jolanda Riedener fragt, ob die Kandidaten auch mit Maserati zum Rathaus fahren würden? (Bild: Lisa Jenny)

Wie viel Herzblut in die Gemeinde gesteckt?

Dann darf das Publikum seine Fragen stellen. Ein Votant möchte von den Kandidaten wissen, was sie in den vergangenen drei Jahren an Herzblut in die Gemeinde gesteckt haben. Werner Reifler antwortet, dass er seit acht Jahren im Gemeinderat ist und in der besagten Zeit vor allem zwei Projekte betreut hat. Zum einen leitete er die Fusionierung der Feuerwehr und zum anderen habe er den Bruderhof wieder auf eine erfolgreiche Schiene gebracht.

Michael Fitzi antwortet, er sei derzeit zwar vermehrt auf Kantonsebene unterwegs, doch die Frage um die Spitalversorgung und die Deckelung der Behördenlöhne hätte auch Auswirkung auf die Gemeinde. Felix Wüst sagt, er habe sich weniger auf politischer Ebene engagiert, dafür aber im Vereinswesen, etwa durch den Verkehrsverein. Die längste Erfahrung kann Kandidat Felix Bischofberger vorweisen, denn er ist seit 2017 Mitglied des Gemeinderats und seit 2004 Kantonsrat. Da die Antwort so kurz wie möglich sein soll, verzichtet er auf die Aufzählung seiner Projekte. Rossano Sarcinella kann nicht so viel Erfahrung vorweisen wie seine Kollegen:

«Aber ich kann ihnen versichern, wenn ich etwas angehe, dann mit viel Herzblut.»

Kandidaten von Publikumsfrage überrascht

Die nächste Frage kommt wieder von einem Mann. Er will wissen, ob der öffentliche Verkehr ausgebaut wird? Gerade Altenrhein sei abends schlecht an das Verkehrsnetz angebunden. «Das muss man fördern und ausbauen», ist Sarcinella überzeugt. Der Meinung sind auch die anderen Kandidaten. Der öffentliche Verkehr spiele eine zentrale Rolle. Felix Bischofberger erklärt, dass es allerdings nicht immer so einfach ist, da dies immer wieder neu beim Kanton beantragt werden muss. «Aber da sind wir vielleicht zu wenig hartnäckig gewesen», sagt er.

Etwas überrascht sind die Kandidaten von einer Frage zur Lärmbelastung entlang der Autobahn. Ein Anwesender fragt, warum man keinen durchgängigen Lärmschutz entlang der Autobahn gemacht hat, das wäre schlimmer wie die Flugzeuge vom Altenrhein. «Das ist ein Thema, das auch mich bewegt», sagt Felix Wüst, er wohnt ganz in der Nähe und würde den Lärm auch mitbekommen. Weiter sagt er:

«Wenn ich könnte, würde ich intervenieren.»

Auch Werner Reifler bietet an, nach Lösungen für das Problem zu suchen. Dann beenden die Moderatoren den Abend. Nach rund zwei Stunden geht es auf den Heimweg.

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