Ersatz statt Einsatz: So viel Zahlen Feuerwehr-Drückeberger in ihrer Gemeinde

Gaiserwald erhöht die Feuerwehrersatzabgabe und liegt im Vergleich mit umliegenden Gemeinden im Mittelfeld. In Wittenbach kommt man am günstigsten davon.

Sheila Eggmann
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In Gaiserwald ist für Nachwuchs gesorgt: Seit 2014 gibt es eine Jugendfeuerwehr.

In Gaiserwald ist für Nachwuchs gesorgt: Seit 2014 gibt es eine Jugendfeuerwehr.

Ralph Ribi (29. April 2017)

Fürio, fürio in Gaiserwald. Wer in der Gemeinde wohnt, muss neu unter Umständen 100 Franken mehr für die Feuerwehr bezahlen. Denn Gaiserwald erhöht rückwirkend auf Anfang Jahr die Ersatzabgabe. Also den Betrag, den alle Personen bezahlen müssen, die nicht in die Feuerwehr gehen wollen. Das gilt für alle Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Neu beträgt die Abgabe 18 Prozent der einfachen Steuer, zuvor waren es deren 15. Das Maximum ist auf 550 Franken pro Jahr festgelegt, zuvor lag es bei 450 Franken.

Wieso die Erhöhung? Ursprung ist das neue Rechnungsmodell des Kantons. Unter anderem werden Abschreibungen von Gebäuden anders ausgewiesen als zuvor, dazu gehört auch das Feuerwehrdepot. «Wir erhöhen also nicht, weil die Feuerwehr deutlich mehr Kosten verursacht», sagt Feuerwehrkommandant Thomas Kündig, «sondern vor allem aus buchhalterischen Gründen.» Auf der Website der Gemeinde steht als weiterer Grund, dass sich die erhöhten Abgaben positiv auf die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr auswirken würden.

Mörschwil hat den tiefsten Ansatz

Ein Blick in umliegende Gemeinden zeigt: Gaiserwald bewegt sich mit ihren «Feuerwehrsteuern» im Mittelfeld. Einen tieferen Ansatz haben die Gemeinden Wittenbach (15 Prozent), Gossau und Andwil (je zwölf Prozent) und Mörschwil (zehn Prozent). Paul Bühler, Gemeindepräsident von Mörschwil, sagt zum tiefen Ansatz: «Bei uns reicht das im Moment aus.» Man vergleiche die Ansätze nicht mit denjenigen der anderen Gemeinden, denn diese kenne man nicht.

Bei 20 Prozent der einfachen Steuer und damit am höchsten liegen die Feuerwehrersatzabgaben in den Gemeinden Berg, Eggersriet, Häggenschwil, Muolen und Waldkirch. Mehr ins Gewicht fallen die Unterschiede allerdings bei den Maximalbeträgen.

Wittenbach ist dort mit 350 Franken mit Abstand die Gemeinde mit dem tiefsten Ansatz. Dies wurde vor 28 Jahren so festgelegt. «Damals waren wir im Vergleich mit den Anderen wohl eher an der oberen Grenze», sagt Gemeinderat Urs Schnelli. Am zweittiefsten ist das Maximum in der Gemeinde Eggersriet. Es liegt dort bei 500 Franken. In Andwil, Waldkirch, Berg, Gossau, Muolen und Häggenschwil ist der Betrag mit jeweils 700 Franken am höchsten.

Häggenschwil doppelt so teuer wie Wittenbach

In Häggenschwil zahlt man somit unter Umständen doppelt so viel wie in Wittenbach, obwohl die Feuerwehr dieselbe ist. Hans-Peter Eisenring, Gemeindepräsident in Häggenschwil, sagt:

«Grössere Gemeinden können die Kosten auf mehr Köpfe verteilen.»

Bei manchen Anschaffungen würde das viel ausmachen. Und: «Die Abgaben sollen nicht zu tief sein.» Sie würden auch als Anreiz dienen, um in die Feuerwehr zu gehen.

In Gaiserwald hatte die Feuerwehr in den vergangenen Jahren eher zu wenige Mitglieder. Das hat sich geändert. Dies «dank umfangreicher Massnahmen des Feuerwehrkommandos», wie die Gemeinde schreibt. Konkret bedeutet das: Mit aktiver Werbung, also direktem Anschreiben potenzieller Mitglieder, konnte man Freiwillige für die Feuerwehr gewinnen.

Ausserdem gibt es in Gaiserwald seit dem Jahr 2014 eine Jugendfeuerwehr. Auch von dort kann Nachwuchs übernommen werden. «Heute haben wir etwa 20 Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner mehr als noch vor fünf Jahren», sagt Kündig.