Erlebnis Zahnradbahn in Gefahr: «Die Bahn gehört zu Heiden wie die Löcher in den Käse»

Die Rorschach-Heiden-Bahn und die Zahnradbahn von Rheineck nach Walzenhausen werden von Ausflüglern geschätzt und frequentiert. Busse statt Züge würden die Attraktivität schmälern, sagen Tourismus-Vertreter.

Sandro Büchler
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«Die Rundreise, von Rheineck über Heiden und Rorschach zurück nach Rheineck, wird von den Gästen sehr geschätzt», sagt Fabia Martinetti von St. Gallen-Bodensee-Tourismus. Sie leitet die Geschäftsstelle am Hafen von Rorschach. Während es draussen schneit, erzählt sie von den Sommermonaten: «Die historischen, offenen Wagen des Bähnlis von Rorschach nach Heiden sind eine Attraktion.» Auch viele Schulklassen würden die Reise machen. Durch einen Wegfall der Züge würde laut Martinetti viel vom Erlebnis verloren gehen. «Die Aussicht aus einem Bus und einem offenen Waggon ist nicht vergleichbar.»

Rückblende: Vergangene Woche gaben die Kantone Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen bekannt, in einer Studie alternative Betriebsformen für die Bahnlinien Gais–Altstätten, Rorschach–Heiden und Rheineck–Walzenhausen zu prüfen. Aufgrund sinkender Nachfrage ziehen die beiden Kantone statt der drei Zahnradbahnen auch Busse in Erwägung. Die gefährdeten Strecken haben nun Politiker im Rheintal und im Ausserrhodischen auf den Plan gerufen (Ausgabe von gestern). Ihr Tenor: Die Bahnen sollen erhalten bleiben.

Von Mai bis Oktober kommen die Touristen

Dem pflichtet Urs Berger, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus bei: «Die Bahnen haben für den Tourismus im Appenzeller Vorderland eine hohe Relevanz.» Er sieht die Erlebnisrundfahrt, zu der auch die Wanderung auf dem Witzweg gehört, in Gefahr: 

«Das Angebot steht und fällt mit den beiden Bahnen.»

Die historischen Wagen hätten einen grosse Anziehungskraft. «Ob die Fahrt auch mit einem Postauto den gleichen Reiz hat, ist schwer abzuschätzen», sagt Berger.

Zur Rundtour gehört auch die Schifffahrt vom Hafen in Rorschach nach Rheineck dazu. «Die Fahrt durch das Naturschutzgebiet am Alten Rhein ist wunderschön», sagt Andrea Ruf, Geschäftsführerin der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS). Sie fände es schade, wenn man auf den Abschnitten der heutigen Zahnradbahnen stattdessen Busse einsetzen würde. «Zug- und Schifffahrt sind Teil vom Erlebnis.» Man müsse sich aber den wirtschaftlichen Herausforderungen stellen.

Heiden strebt Ausbau an

Die Rentabilität der Züge müsse man im Auge behalten, sagt auch Urs Berger. Die Bahnen seien in den Wintermonaten – abgesehen von Schlittlern – nur wenig frequentiert. Von Mai bis Oktober herrsche aber meist Hochbetrieb, so Berger. Insbesondere bei Touristen aus dem süddeutschen Raum sei der Ausflug beliebt. «Davon profitiert die ganze Region am Bodensee.»

Die Strecke Rorschach–Heiden will auch Gallus Pfister, Gemeindepräsident von Heiden, erhalten.

«Die Bahn gehört zu Heiden wie die Löcher zum Käse.»

Trotz einer Steigerung um sechs Prozent im vergangenen Jahr seien die Passagierzahlen auf der Linie Rorschach–Heiden über die Jahre rückläufig.

Die Gemeinde will diesen Trend stoppen und geht sogar noch einen Schritt weiter. «Wir möchten das Angebot ausbauen, sagt Pfister. Der Gemeinderat will die Frequenzen nicht nur erhalten, sondern erhöhen. «Mit schlanken Anschlüssen in Rorschach an die Intercity-Züge nach St. Gallen und Zürich wollen wir vermehrt auch Pendler für die Nutzung der Bahn gewinnen.»

Der Stadtrat verlangt eine umfassende Analyse

Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen überprüfen derzeit verschiedene Strecken der Appenzeller Bahnen, unter anderem ist auch die Zahnradbahn zwischen Rheineck und Walzenhausen betroffen.