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Er will eine Goldmedaille: Der 12-jährige Spencer Reichardt sammelt mit Crowdfunding Geld für die Elitesportschule

Spencer Reichardt besucht bald die Sportschule für Judo. Das Geld dafür sammelte die Familie mit Crowdfunding.
Laura Widmer
Spencer Reichardt macht seit sechs Jahren Judo. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo (26. Juli 2019))

Spencer Reichardt macht seit sechs Jahren Judo. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo (26. Juli 2019))

Spencer Reichardt macht Judo, seit er sechs Jahre alt ist. Mittlerweile trainiert er dreimal in der Woche im Judoclub St.Gallen/Gossau und bestreitet fast jedes Wochenende Turniere in der Schweiz und im Ausland. Das grösste Ziel des Nachwuchssportlers: «Eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen.»

Die zeitliche Belastung für den 12-Jährigen ist gross. Schule und Training zu koordinieren, wurde zu einer immer grösseren Herausforderung für die Familie Reichardt. Nach den Sommerferien wechselt er deshalb von der Primarschule an die Nationale Elitesportschule Thurgau in Kreuzlingen. Schüler verfolgen dort ihre Leidenschaft und besuchen parallel dazu den regulären Unterricht. «Die Schule verbindet Training und Unterricht besser», sagt Spencer Reichardt.

Präsenz im Internet reicht nicht

Die Jahresgebühr für die Sportschule wird von der Gemeinde Waldkirch übernommen. Zusätzliche Kosten muss die Familie Reichardt selbst bezahlen. Rund 10000 Franken im Jahr braucht sie für das Generalabonnement, die Mittagsverpflegung, die Elternbeiträge für das Leistungszentrum Weinfelden und vier Trainingslager in Tenero und Sumiswald.

Um den Betrag stemmen zu können, riefen die Reichardts im Internet ein Crowdfunding ins Leben. «I believe in you» ist eine Plattform, die für Sportler konzipiert ist. In 50 Tagen hofften die Reichardts, 6000 Franken zu sammeln, um einen Teil der Kosten zu decken. Dafür konnten sie sich nicht nur auf die Präsenz im Internet verlassen. «Wir haben Freunde, Bekannte und Firmen in Waldkirch angefragt», erzählt Mutter Stefanie Reichardt. Spencer Reichardt ging persönlich bei Geschäften im Dorf vorbei, um für das Crowfunding zu werben. «Das hat ihn grosse Überwindung gekostet», sagt die Mutter.

Die meisten Firmen sponsern nur Vereine

Manche hätten Versprechungen gemacht, dann aber doch nichts eingezahlt. In einer solchen Situation noch einmal nachzuhaken, habe sich wie Betteln angefühlt. Andere seien unkompliziert gewesen. «Der neue Inhaber der Autogarage drückte ihm 50 Franken in die Hand.»

Häufig gab es aber auch Absagen. Die meisten Firmen sagten, sie sponserten nur Vereine, nicht Einzelsportler. Etwa die Hälfte des Geldes kam von Verwandten und Bekannten. «Wir sind aber auch auf Unverständnis gestossen», sagt Vater Ronny Reichardt. Dass die Familie im vergangenen Jahr ein Ferienhaus in Deutschland gekauft hatte, um sich ein weiteres finanzielles Standbein zu schaffen, und jetzt Geld für die Ausbildung des Sohnes sammelte, stiess manchen sauer auf.

Ausserdem ist Judo in der Schweiz eine Randsportart. Das zeigte sich auch beim Crowd­funding. «Man spendet lieber einem Sportler, der schon bekannter ist», sagt Ronny Reichardt. Die Finanzierung des ersten Jahres an der Sportschule ist auf jeden Fall gesichert: 43 Personen haben insgesamt 6167 Franken gespendet.

Etwa die Hälfte des Geldes kam von Verwandten und Bekannten. «Wir sind aber auch auf Unverständnis gestossen», sagt Vater Ronny Reichardt. Dass die Familie im vergangenen Jahr ein Ferienhaus in Deutschland gekauft hatte, um sich ein weiteres finanzielles Standbein zu schaffen, und jetzt Geld für die Ausbildung des Sohnes sammelte, stiess manchen sauer auf. Ausserdem ist Judo in der Schweiz eine Randsportart. Das zeigte sich auch beim Crowdfunding.

«Man spendet lieber einem Sportler, der schon bekannter ist», sagt Ronny Reichardt. Die Finanzierung des ersten Jahres an der Sportschule ist auf jeden Fall gesichert: 43 Personen haben insgesamt 6167 Franken gespendet.

Das Internat kommt nicht in Frage

Er sei schon immer ein aufgeweckter Junge gewesen, sagt seine Mutter. Die japanische Kampfsportart sollte seine wilde Seite bändigen, «ausserdem ist es gut für das Selbstbewusstsein». Ziel beim Judo ist es, den Gegner mit Kraft und Schnelligkeit kontrolliert auf den Rücken zu werfen. Dazu werden verschieden Wurf- und Bodentechniken angewendet. «Schmerzhaft ist es aber zum Glück fast nie», sagt der 12-Jährige.

Am Donnerstagabend kam Familie Reichardt aus den Ferien zurück, morgen fährt Spencer bereits wieder weg – für eine Woche ins Judo-Trainingslager. Danach bleibt ihm nur eine Woche von den Sommerferien. Danach pendelt er täglich nach Kreuzlingen, etwas über eine Stunde pro Weg. «

Es gäbe auch ein Internat, aber das ist gar nicht meins», sagt Spencer. Er ist sich gewohnt, neben dem Sport wenig Freizeit zu haben. Trainings, Turniere, Lager – für einen Faulenzernachmittag in der Badi hat er nur selten Zeit. Der Rhythmus der ganzen Familie wird künftig noch stärker vom Judo mitbestimmt. Ferien müssen rund um die Trainingslager und Turniere geplant werden. «Zum Glück haben wir nur ein Kind, dass Sport auf einem solchen Niveau betreibt», sagen die Eltern.

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