Er war der Gossauer Jass-Papst, Mitgründer des Weihnachtslaufs und noch vieles mehr: Eugen Krapfs Leben als Tausendsassa

Ob Sport, Freizeit oder Kultur: Eugen Krapf hat sich in seinem Leben unzähligen freiwilligen Engagements gewidmet. Seine Agenda war stets prallvoll. Nun ist der umtriebige Gossauer im Alter von 91 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Perrine Woodtli
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Eugen Krapfs Leben war das Jassen. Hier leitete er das Generationen-Duell in Gossau im Jahr 2017.

Eugen Krapfs Leben war das Jassen. Hier leitete er das Generationen-Duell in Gossau im Jahr 2017.

Michel Canonica

Für einen Jass war Eugen «Geni» Krapf bis zuletzt zu haben. Fast sein ganzes Leben lang hat der Gossauer jeden Tag einen Jass geklopft. Und er war gut, sogar einer der besten rundherum. Europa- und zweifacher Schweizer Meister im Schieber-Jassen durfte er sich nennen. Kein Wunder also, wurde er als der «Gossauer Jass-Papst» bekannt. Und als dieser wird er den Leuten auch in Erinnerung bleiben. Am 7. August ist Eugen Krapf im Alter von 91 Jahren gestorben.

Das Jassen war Eugen Krapfs Leidenschaft und ein grosser Teil seines Lebens. Schon als Bub begeisterte er sich für das Kartenspiel. Mit sieben bestritt er sein erstes Turnier. Angesteckt hatte ihn sein Vater.

Eine Herzensangelegenheit von ihm war es denn auch, die Freude am Jassen der Jugend weiterzugeben. Mehrere Jahre lang gab er in Schulen in der ganzen Schweiz Jassunterricht, auch um das Kopfrechnen zu fördern. Der Jassmeister initiierte in Gossau zudem das Generationen-Duell, veranstaltete Turniere und gab Kurse, unter anderem bei der Pro Senectute. Auch sein Sohn René Krapf jasst ab und an, wie er erzählt.

«Wenn auch nicht so intensiv wie de Bappe.»
Eugen Krapf (29. April 1929 – 7. August 2020)

Eugen Krapf (29. April 1929 – 7. August 2020)

Michel Canonica (6. April 2017)

Handballer mit Herz für den Laufsport

Doch Eugen Krapf, der mit vier Geschwistern in St.Gallen aufwuchs, widmete sein Leben nicht nur dem Jassen. Der Vater eines Sohnes und zweier Töchter engagierte sich in unzähligen weiteren Bereichen. Bevor es den gelernten Bäcker-Konditor, der jahrelang im Aussendienst, unter anderem für den «Blick», arbeitete, und seine Familie nach Gossau zog, verbrachten sie ein paar Jahre in Wittenbach. Dort gründete Krapf 1964 den HC Rover, wo er Ehrenmitglied wurde. Er selber spielte bis ins Alter von 45 Jahren Handball.

Nachdem die Familie 1966 nach Gossau gezogen war, besuchte Krapf regelmässig die Handballspiele des TSV Fortitudo. Sein Herz schlug aber vor allem für den Laufsport. Schon als kleiner Bub nahm er an Wettläufen teil. Vor 33 Jahren gründete er dann mit anderen Laufbegeisterten den Gossauer Weihnachtslauf, wo er zu den Ehrenmitgliedern gehört.

Hündeler und leidenschaftlicher Skifahrer

Zum Ehrenmitglied ernannt wurde Eugen Krapf auch im Quartierverein Hirschberg, wo er sich aktiv einsetzte. Mit diesem sammelte er erst noch diesen Frühling Spendengelder für den Walter-Zoo, eine weitere Herzensangelegenheit. Er müsse jeweils studieren, wo sein Vater sonst noch überall Ehrenmitglied gewesen sei, sagt René Krapf schmunzelnd.

Die Ehre des Ehrenpräsidenten wurde ihm beim Schweizerischen Schäferhundeclub zuteil. Krapf, ein begeisterter Hündeler, gründete 1967 die Ortsgruppe Gossau mit. Im Militär bildete er die Hunde aus. Bis über seine Pensionierung hinaus hielt er immer einen Schäferhund – und steckte seinen Sohn mit seiner Leidenschaft an. «Durch die gemeinsamen Interessen wie die Hunde oder die Feuerwehr, wo ich wie mein Vater dabei war, verbrachten wir so unsere Freizeit zusammen», erzählt René Krapf.

Eugen Krapf 2013 bei einem Jasskurs bei der Pro Senectute in Gossau.

Eugen Krapf 2013 bei einem Jasskurs bei der Pro Senectute in Gossau.

Urs Jaudas

Das war nicht immer so. Bei so vielen Vereinsaktivitäten hatte Krapf, der auch im «Jahrgängerverein bis 1940» aktiv war, nicht immer viel Zeit für seine Familie. Immer war er unterwegs.

Dies sei mit der Zeit besser geworden, sagt René Krapf. Seine Agenda war zwar bis zuletzt prallvoll. Dennoch besuchte Eugen Krapf die eine Tochter jedes Jahr in der Ferienwohnung im Tessin und machte Skiferien in Davos mit seinem Sohn. Diese Zeit schätzte Eugen Krapf, der bis ins hohe Alter Ski fuhr, sehr. Auch mit seinen vier Enkeln und zwei Ur-Enkeln verbrachte er gerne Zeit. «Er hat sie wahnsinnig geliebt», sagt René Krapf.

Plötzlich überragte der Sohn den Vater

Als Kinder habe man dem Vater oft begleitet bei seinen Aktivitäten, erzählt der Sohn. Er und seine Schwester begleiteten ihren Vater, der sich als Nikolaus verkleidete, im Winter jeweils als Engelchen.

«Er schrieb jedes Jahr lange Gedichte für uns, die wir auswendig lernen mussten. Auch das machte er sehr gerne und gut.»

Irgendwann habe man mit dieser Tradition aber aufgehört, denn: Sohn René hatte seinen eher kleinen Vater grössenmässig überholt. Es habe komisch gewirkt, als das Engelchen plötzlich grösser als der Nikolaus war. «Mein Vater sagte immer, er sei 1,54 Meter gross. Aber auch das war leicht geschummelt», sagt René Krapf und lacht.

1999 mit dem Gossauer Preis ausgezeichnet

Eugen Krapf war das, was man einen Tausendsassa nennt. Es gab scheinbar nichts, was er ausgelassen hatte. Er war auch Fasnächtler und Mitglied des Gossauer Fasnachtskomitees. Dort amtete er bis zuletzt als Speaker am Fasnachtsumzug. Auch als Schnitzelbänkler zog er durch Gossau und zwar mit dem Trio «Di altä Knacker».

Eugen Krapf (Mitte) mit dem Trio «Di altä Knacker».

Eugen Krapf (Mitte) mit dem Trio «Di altä Knacker».

Bild: Vanessa Mengel (6. Februar 2017)

Für seinen herausragenden und grossen Einsatz für Kultur, Sport und Gesellschaft erhielt Eugen Krapf 1999 den Gossauer Preis – ein sehr schönes und spezielles Erlebnis, sagt René Krapf. Die ganze Familie sei bei der Übergabe dabei gewesen.

Nach kurzer Krankheit gestorben

In Eugen Krapfs Leben gab es aber auch Rückschläge. Vor 24 Jahren musste er sich einer Krebsoperation unterziehen. Davon habe er sich aber sehr gut und schnell erholt, sagt René Krapf. Auch eine spätere Hirnblutung habe er «weggesteckt als wäre es ein Pfnüsel».

Bis kurz vor seinem Tod erfreute sich der 91-Jährige bester Gesundheit. Er war sowohl körperlich als auch geistig fit. Dann, ganz überraschend, holte ihn diesen Sommer eine Spätfolge der Krebsoperation ein. Nach einem zweiwöchigen Spitalaufenthalt schied Eugen Krapf schliesslich aus dem Leben.