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Er verletzte sein Opfer mit einem Fusstritt gegen den Kopf: Schläger muss 20 Monate ins Gefängnis

Ein junger Mann aus Sri Lanka ist mit einem Landsmann in Streit geraten. Mit einem wuchtigen Fusstritt verletzte er ihn schwer. Er muss für 20 Monate ins Gefängnis, wird aber nicht des Landes verwiesen.
Claudia Schmid
Der 24-Jährige Mann trat seinem Opfer mit voller Wucht gegen den Kopf, als dieses bereits auf dem Boden kniete. (Symboldbild: Stefan Schaufelberger)

Der 24-Jährige Mann trat seinem Opfer mit voller Wucht gegen den Kopf, als dieses bereits auf dem Boden kniete. (Symboldbild: Stefan Schaufelberger)

Wie der 24-jährige Beschuldigte an der Verhandlung am Kreisgericht St. Gallen sagte, war er am 22. Januar 2017 in einer Gruppe von rund neun Personen unterwegs, um den Geburtstag einer Freundin zu feiern. Während des Festes geriet er mit zwei Brüdern in Streit. Sie hätten schon recht viel getrunken, als er von einem der beiden Brüder mit einer Flasche angegriffen worden sei.

Laut dem in der Schweiz geborenen Beschuldigten hatte er das Geburtstagsfest organisiert. Deshalb habe er sich vielleicht auch etwas aufgespielt, was den beiden Brüdern nicht gefallen habe. Der eine habe sich darüber mokiert, dass er den älteren nicht wie in Sri Lanka üblich gesiezt habe. Darauf soll es zu einer Schubserei gekommen sein, worauf der Beschuldigte dem einen Bruder einen Faustschlag ins Gesicht versetzte.

Dann nahm einer der Kontrahenten einen Gurt mit Metallschnalle zur Hand. Als er von der Gürtelschnalle zwei oder drei Mal getroffen worden sei, habe er nur noch wild herumgeschlagen, um aus der Situation herauszukommen, erklärte der Beschuldigte. Er wisse, dass er Gewalt angewendet habe, doch könne er sich nicht mehr erinnern, was tatsächlich passiert sei.

Verteidigung fordert Freisprüche

Als Kind sei er jeweils von einem Verwandten mit einem Gürtel geschlagen worden. Er wisse es nicht, doch könne es sein, dass er deshalb die Kontrolle über sich verloren habe. Der eine Bruder kniete bereits am Boden, als er einen wuchtigen Fusstritt ins Gesicht erhielt. Das Opfer fiel laut Anklage nach hinten und blieb schwer verletzt am Boden liegen.

Der Staatsanwalt beantragte wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Raufhandel und anderer Anklagepunkte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 22 Monaten. Der Mann habe schon mehrmals verurteilt werden müssen. Unter anderem sei er im Jahre 2014 ebenfalls wegen eines Raufhandels mit einer bedingten Geldstrafe sanktioniert worden. Im Falle eines Schuldspruches durch das Gericht sei er für zehn Jahre aus der Schweiz zu verweisen.

Eine allfällige Landesverweisung sei für ihn eine Katastrophe, betonte der Beschuldigte in der Befragung des vorsitzenden Richters. Er sei in der Schweiz geboren und habe keinerlei Bezug zu seinem ursprünglichen Heimatland. Er kenne keinen einzigen Menschen in Sri Lanka und spreche kein Singhalesisch. Seine Heimat sei für ihn eindeutig die Schweiz. Der Verteidiger verlangte Freisprüche.

Sein Mandant sei zuerst von den Brüdern angegriffen worden; zunächst mit einer Flasche und später mit der Gürtelschnalle. Er habe sich deshalb in Panik gewehrt. Aufgrund der Zeugenaussagen sei nicht sicher, ob die Kopfverletzungen tatsächlich durch einen Fusstritt seines Mandanten oder aber durch den Sturz entstanden seien.

Richtergremium verzichtet auf Landesverweis

Der Beschuldigte habe erwiesenermassen psychische Probleme, weshalb er zeitweise IV bezogen habe und nun eine Ausbildung in einer geschützten Werkstatt absolviere, erklärte der Verteidiger und beantragte, es sei ein Gutachten über den psychischen Zustand des jungen Mannes zu erstellen. Auf eine Landesverweisung sei zu verzichten. Das Kreisgericht St. Gallen sprach den Mann vom Vorwurf der Beschimpfung frei, verurteilte ihn aber wegen versuchter schwerer und einfacher Körperverletzung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten. Die Geldstrafe aus dem Jahre 2014 muss er nun bezahlen.

Auf eine Landesverweisung verzichtete das Richtergremium. Einerseits sei klar erstellt, dass dieser Fall unter das Gesetz der obligatorischen Landesverweisung falle, erklärte dazu der vorsitzende Richter. Anderseits sei für das Gericht ebenso klar, dass es sich um einen Härtefall handle. Der Beschuldigte habe nur in der Schweiz die Möglichkeit, seine psychischen Probleme in den Griff zu bekommen und so im Leben Fuss zu fassen. In seinem Heimatland stehe diese Chance bei Null, da er weder Verwandte noch sonst einen Bezug zu Sri Lanka habe.

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