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Dieser St.Galler hat einen Schatz im Keller

Als Textilkaufmann war Robert Bruderer in Afrika unterwegs, doch dann hat er die Glasperlen entdeckt.
Rolf App
Robert Bruderer zeigt eine afrikanische Perlenkette. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Robert Bruderer zeigt eine afrikanische Perlenkette. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Robert Bruderer ist jetzt 75. Zeit, aufzuhören. Sein kleines Geschäft, «La Perla» an der Metzgergasse 12 in St.Gallen seinem Nachfolger Dino Eisenring zu übergeben, der es als Schmuckwerkstatt weiterführen wird.

Was allerdings unten im Keller liegt, das muss verkauft werden. Es ist Robert Bruderers eigentlicher Schatz, erworben auf weiten, manchmal auch abenteuerlichen Reisen, die er als «anstrengend, aber auch traumhaft schön» beschreibt. Es sind Perlen. Es ist Glasschmuck in vielerlei Form. Es sind Statuen, Kultgegenstände, Stoffe, versammelt in den Glasvitrinen eines kleinen Raums, in den man über eine steile, verwinkelte Treppe gelangt.

Einmal im Jahr quer durch Afrika gereist

Es sind nicht nur viele Geschichten, die dieser Schmuck erzählt, der bis ins 18.Jahrhundert auch gar kein Schmuck war, sondern Zahlungsmittel. Es ist auch Robert Bruderers Geschichte, die darin steckt: Die Geschichte eines jungen Textilkaufmanns, der in den 1960er-Jahren des letzten Jahrhunderts im Auftrag der Firma Fischbacher und später von Jakob Schlaepfer Afrika und dann die Arabische Halbinsel bereist. Einmal im Jahr unternimmt der junge, noch ungebundene Mann einen mehrmonatigen Trip durch ganz Afrika, fängt in Libyen, Tunesien, Marokko an, und landet über Senegal, Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria und Kamerun in Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, und in Südafrika, seinem Hauptmarkt.

Er verkauft Stoffe für Vorhänge und Hemden. Und weil er unternehmungslustig und neugierig ist und «nicht unbedingt der Swimming-Pool-Typ, der übers Wochenende im Hotel hockt», taucht er ein in die Welt rundherum. Er erkundet die Märkte und beginnt traditionelles Handwerk zu kaufen. Mit vollen Koffern kommt er an, mit vollen Koffern reist er ab. 1969 eröffnet er in St.Gallen «African Arts», seinen ersten kleinen Laden, und verkauft hier Ethno-Stoffe, Räucherstäbli, Sandalen, und trifft einen Nerv. Dem Laden haftet das «Kiffer-Lädeli»-Image an, «obwohl es nichts damit zu tun hatte».

Millefiori: Der Geldbeutel der Venezianer

1988 folgt dann mit «La Perla» der zweite Schritt. Oben verkauft und repariert Robert Bruderer Schmuck, unten seine Perlen – an Kunden, die von weither kommen, auch wegen der Geschichten, die Robert Bruderer zu erzählen weiss. Oft gibt er ihnen auch ein Buch mit: «Die Perlenschnur» von Sigrid Heuck. «Das zum Beispiel sind Millefiori, eine Art Geldbeutel», erzählt er. «Venezianische Händler haben diese bunten Glasperlen verwendet, um sie in Afrika gegen Bodenschätze einzutauschen – bis Franzosen und Engländer Afrika unter sich aufgeteilt und ihren Kolonien ihr Geld aufgezwungen haben.» Afrikaner haben Glasperlen wie eine Art Sparheft um den Hals getragen, «und zum Beispiel dem Flussgott eine Perle geopfert, wenn sie ihn glücklich überquert hatten».

Wer ihn reden hört, glaubt Robert Bruderer sofort, dass es ihm da «die Ärmel hineingenommen hat». Was im Keller von «La Perla» ausliegt, ist nur ein kleiner Teil dessen, was er über die Jahrzehnte gesammelt hat. Und was es heute in Afrika kaum mehr zu kaufen gibt. «Man findet solche Perlen manchmal noch beim Strassenbau», sagt Bruderer, und hat auch eine Erklärung.

«Wenn die Tuareg kamen, gefürchtete Sklavenjäger, haben die Menschen ihren Schmuck vergraben.»

Denn nicht nur vom Schönen erzählen die Perlen in Robert Bruderers Keller an der Metzgergasse, sondern auch vom Bösen, das den Menschen in Afrika widerfahren ist.

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