Er freute sich über jeden Schwatz, ein kleines Trinkgeld oder einen Kaffee: Jürg Bruderer, der Saubermann von Gossau, ist gestorben

Mehr als sechs Jahre putzte Jürg Bruderer freiwillig und bei fast jedem Wetter den Dorfkern von Gossau. Nun ist er verstorben.

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Jürg Bruderer (4. Juli 1949 – 9. Januar 2020).

Jürg Bruderer (4. Juli 1949 – 9. Januar 2020).

Bild: Daniel Dorrer

Die Litteringgruppe Gossau musste von Jürg Bruderer, ihrem «Saubermann» und «Raumpaten», Abschied nehmen. Mehr als sechs Jahre putzte Jürg Bruderer freiwillig und bei fast jedem Wetter den Dorfkern von Gossau. Nie konnte er verstehen, weshalb Menschen ihren Abfall überall achtlos liegen lassen. Dieses Unverständnis war auch seine Motivation, selber für Sauberkeit zu sorgen. Vorerst rund um sein Zuhause im Zentrum, später vergrösserte sich sein Putz-Rayon auf einen grossen Teil des Gossauer Stadtkerns.

2019 vom Stadtpräsidenten zum «Raumpaten» ernannt

Mit seiner Reinigungsmaschine, mit dem Besen und oft auch von Hand befreite er die Trottoirs von Schmutz und Unrat. Mit der Zeit war Jürg mit seiner Putzmaschine ein wohlbekanntes Bild in der Stadt. Er freute sich über jeden Schwatz, über ein kleines Trinkgeld oder einen Kaffee. Zu jedem Jahresende erhielt er als Wertschätzung seiner Arbeit von der Stadt Gossau einen Früchtekorb. 2019 wurde Jürg Bruderer am Strassenfest vom Stadtpräsidenten Wolfgang Giella zum «Gossauer Raumpaten» ernannt.

Nun ist Jürg Bruderer am 9. Januar im Alter von 70 Jahren überraschend gestorben. Er wird nicht nur unserer Litteringgruppe als Vorbild fehlen, sondern auch vielen Passanten. Und nicht zuletzt den Ladenbetreibern, vor deren Türen er fast täglich gereinigt hat. Es wäre schön, wenn sich – in Gedenken an Jürg Bruderer – neue Raumpaten für Gossau finden lassen würden.

Die Autorin Lucia Fröhlich ist Mitglied der Litteringruppe Gossau.

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Jeden Tag putzt der 72jährige Jürg Bruderer die Strassen von Gossau. Ehrenamtlich und mit seinem Reisbesen. Er will in einer sauberen Stadt leben. Im Appenzellerland, wo er herkommt, sei man reinlicher als in Gossau.
Tim Wirth