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Er bringt das Qi auf den Gallusplatz: Meister Shaofan Zhu lehrt am Welt-Qigong-Tag unter freiem Himmel

Shaofan Zhu war einst Europameister und Nationaltrainer. In St. Gallen gibt er seit fast 25 Jahren sein Wissen über chinesische Kampf- und Bewegungskunst weiter – am Samstag für einmal auf dem Gallusplatz.
Luca Ghiselli
Meister Shaofan Zhu in seinem Wushu-Institut an der St. Jakob-Strasse. (Bild: Ralph Ribi)

Meister Shaofan Zhu in seinem Wushu-Institut an der St. Jakob-Strasse.
(Bild: Ralph Ribi)

Der Meister öffnet die Tür und sagt: «Sie kommen in eine andere Welt, aber sie ist auf der selben Erde.» Und Shaofan Zhu hat recht. Wer die Treppe im unscheinbaren Geschäftshaus an der St. Jakob-Strasse hochgeht und durch die Glastür geht, wähnt sich hinter ihr tatsächlich ein bisschen in Fernost.

Seit fast 25 Jahren praktiziert und lehrt der Südchinese hier Kampf- und Bewegungskunst aus seiner Heimat. Qigong, Wushu, Kung-Fu, Chin Na – alles unter einem unscheinbaren Dach. Auch Yangsheng – Lebenspflege – und traditionelle chinesische Medizin bietet der 54-Jährige an. In einem Raum mit Quellwasser aus den Bergen, zwei Holzstühlen mit geschwungener Lehne und einem massiven Tisch. Dahinter ein elektronisches Flipchart – das einzige Indiz, dass hier nicht alles bedingungslos traditionell sein muss.

Die Kulturen verbinden

Nach St. Gallen gekommen ist Shaofan Zhu Mitte der 1980er-Jahre, mit seinen Eltern. Als er anfing, war das, was er tat, in diesen Breitengraden noch weitgehend unbekannt. Heute erfreuen sich in einer immer mehr digitalisierten und hektischen Welt solche Rückbesinnungsmöglichkeiten einer wachsenden Beliebtheit.

Das untermalt auch der World Health Qigong Day, der in über 40 Ländern begangen wird. Die Schweizer Ausgabe findet auf dem St. Galler Gallusplatz statt (siehe Infobox). Dass er in St. Gallen stattfindet, ist kein Zufall. Zhu ist bestens vernetzt, reist auch oft nach China, wo er noch Schüler betreut. «Ich habe mich dafür eingesetzt, dass der Anlass auf dem Gallusplatz stattfindet. Dort, wo die St. Galler Kultur am besten sichtbar wird. Und das ist bei Gallus», sagt Zhu.

Ein Sport, der nährt

Gesundheits-Qigong gibt es in Europa erst seit der Jahrtausendwende. Die Entwicklung war rasant. Heute gibt es einen Schweizer Dachverband, der internationale Turniere bestreitet. Der Vorteil: Jede und jeder kann mitmachen, und es tut nachweisbar gut. Der Sport braucht keinen speziellen Ort und keine Hilfsmittel, nur den Praktizierenden selbst.

Der Sport? «Ja», sagt Zhu. Denn es gebe nicht nur schnellen, explosiven Sport. Sondern auch langsamen wie Qigong. «Das eine verbraucht, das andere nährt», sagt er, während er das, was er sagt, auf dem elektronischen Flipchart aufmalt. Der moderne Mensch verbrauche zu viel, ohne dass er sich nähre. Bei Qi Gong geht es also auch darum, sich selbst überhaupt erst kennenzulernen.

Der Geist rennt, der Körper steht

Shaofan Zhu wurde einst Tai-Chi-Europameister und war bis vor kurzem als Schweizer Nationaltrainer tätig. Er sagt: «Bewegung ist nicht gleich Bewegung.» Zwar sei diese immer gut. Aber wenn man wisse, was man tue, sei sie viel effizienter. Und bewirken könne sie viel, vor allem im Kopf. «Der Geist kann unendlich weit rennen, ohne zu merken, dass der Körper stehen geblieben ist.» Qigong sei das Werkzeug, um das Tempo in Einklang zu bringen.

Shaofan Zhus Wissen ist gefragt: Er spricht an Kongressen, zählt Manager und Politiker zu seinen Patienten. Als zum Beispiel ein prominenter Fussballtrainer vor einigen Jahren ein Burnout erlitt, suchte er Rat bei Zhu. Zuerst habe der Trainer nicht daran geglaubt, dass Zhus Methoden Wirkung zeigen. «Ich sagte: ‹Gib mir 20 Minuten.›» Und sie zeigten Wirkung. Heute ist der Coach wieder bei einer renommierten Mannschaft aktiv – und Zhu berät ihn noch immer.

Qigong praktizieren vor malerischer Kulisse

Am World Health Qigong Day lädt der Schweizer Dachverband des Gesundheits-Qigong am Samstag, 10 Uhr, auf den Gallusplatz. Der Anlass wird mit einer Drachen- und Trommelshow eröffnet, danach folgen Qigong-Übungen zum Mitmachen und eine Show-Choreografie. Zum Abschluss wird eine Zeremonie durchgeführt. Bei schlechtem Wetter wird der Qigong-Tag in die Sporthalle Volksbad verlegt.

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