Entscheid ist gefallen
St.Gallen unterliegt Mollis bei der Vergabe des eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes 2025 überraschend deutlich +++ «Die Enttäuschung ist riesig»: So fallen die Reaktionen aus

Die Abgeordneten des nationalen Schwingerverbandes teilen mit: Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest wird 2025 in Mollis im Kanton Glarus ausgetragen. Die St.Galler konnten sich nicht durchsetzen. Die Glarner erhielten deutlich mehr Stimmen; sie konnten 242 Stimmen auf sich vereinen, St.Gallen lediglich deren 18.

Daniel Wirth
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Auf dem St.Galler Breitfeld wäre die Schwingerarena aufgebaut worden.

Auf dem St.Galler Breitfeld wäre die Schwingerarena aufgebaut worden.

Bild: Urs Bucher (16. April 2019)

Vor bald einem Jahr wurde unter dem Motto «St.Gallen schwingt mit» die Kandidatur für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) 2025 eingereicht - nach acht Jahren Vorbereitung. Lange mussten die St.Galler zittern und seit Samstag, 13 Uhr, steht fest: Es reicht nicht für eine Durchführung auf dem Breitfeld. Der Traditionsanlass wird am 30. und 31. August 2025 auf dem Flugplatz Mollis im Kanton Glarus ausgetragen. Das Glarnerland war mit St.Gallen im Schlussgang für die Durchführung des alle drei Jahre stattfindenden Festes.

Michael Götte, der Präsident des Vereins ESAF 2025, sagte unmittelbar nach der Bekanntgabe der Vergabe im «Sportfeld» auf dem Gründenmoos:

«Die Enttäuschung ist gross.»

Er unterliess es indes nicht, den Glarner Kontrahenten zu gratulieren. Götte tat dies im Beisein der Regierungsräte Stefan Kölliker, dem Schirmherr der Kandidatur, und Bruno Damann sowie der St.Galler Stadtpräsidentin Maria Pappa. Sie alle warteten auf im Gründenmoos gespannt und nervös auf den Telefonanruf aus Bern, der ziemlich exakt um 13 Uhr kam - und ernüchternd war.

«Nur ein kleiner Teil hat seine Stimme für St.Gallen abgegeben», sagt Götte im Interview.

Video: Raphael Rohner
Stadtpräsidentin Maria Pappa.

Stadtpräsidentin Maria Pappa.

Bild: Stadt St.Gallen

Pappa und Kölliker äussern Bedauern

Maria Pappa gab ihrer Enttäuschung über den Entscheid der Abgeordneten des eidgenössischen Schwingerverbands ebenfalls Ausdruck. Sie dankte dem Verein für «dessen grosse Arbeit und hervorragendes Bewerbungsdossier.» Ihre Freude über einen Zuschlag wäre gross gewesen, sagte die St.Galler Stadtpräsidentin. Sie wünschte den Glarnern gutes Gelingen.

Regierungsrat Stefan Kölliker sagte: «Ich bedaure, dass sich die Delegierten des Eidgenössischen Schwingerverbandes nicht für St.Gallen, sondern für Mollis entschieden haben.» Das ESAF 2025 werde leider nicht wie bereits 1980 in der Gallusstadt stattfinden, sondern im Glarnerland. Die Enttäuschung sei bei ihm persönlich und allen Beteiligten, die sich in den vergangenen rund acht Jahren für ein ESAF 2025 in St.Gallen eingesetzt hätten, sehr gross.

Regierungsrat Stefan Kölliker war Schirmherr der St.Galler Kandidatur.

Regierungsrat Stefan Kölliker war Schirmherr der St.Galler Kandidatur.

Bild: Benjamin Manser

Die Kandidatur Glarnerland habe sich mit einer erstmaligen Bewerbung durchgesetzt, sagte Kölliker. «Für den grossen Einsatz des St.Galler Bewerbungskomitees um Präsident Michael Götte möchte ich allen Beteiligten ganz herzlich danken.» Den Glarner Mitbewerbern gratulierte Kölliker zum Zuschlag und wünschte ihnen für die nächsten Jahre gutes Gelingen bei der Organisation dieses Grossanlasses.

Daniel Bösch, Schwinger und Botschafter der St.Galler Kandidatur, sagt:

«Die Deutlichkeit, mit der wir geschlagen wurden, überrascht.»

Man habe zwar mit einer Vergabe ins Glarnerland rechnen müssen, die Konsternation sei aber gross. Jetzt gelte es, den Glarnern zu gratulieren und ihnen das Beste zu wünschen, sagte der Unspunnen-Sieger von 2011.

Daniel Bösch, Schwinger und Botschafter der St.Galler Kandidatur.

Video: Raphael Rohner

Nach dem Besuch der Expertenkommission letzten Juli sagte Michael Götte, Präsident des Vereins ESAF 2025: «Wir haben den Zentralvorstand mit unserer Infrastruktur überzeugt. Wir werden in St.Gallen ein Fest der kurzen Wege feiern.» Doch damit sollte er nicht Recht behalten. Die St.Galler Kandidatur kostete rund 300'000 Franken.

«St.Gallen schwingt leider nicht mit»

Auch die Stadt zeigt sich offiziell über diesen Entscheid enttäuscht: «Das Eidgenössische Schwingfest 2025 findet leider nicht in St.Gallen statt», heisst es in einer Medienmitteilung vom Samstag. Es sei schade, dass die aktuelle Coronalage es nicht zugelassen habe, dass an der ESV-Abgeordnetenversammlung mit einer persönlichen Präsentation um Stimmen geworben werden konnte. «Diese wäre sicherlich für beide Mitbewerber persönlicher ausgefallen.»

Gian Kuratli aus Grub (9) wartet gespannt auf den Entscheid.
7 Bilder
Schwinger Daniel Bösch und St.Galler Stadtpräsidentin Maria Pappa.
Michael Götte, Präsident des Vereins ESAF 2025, erwartet den wichtigsten Anruf des Jahres.
Alle warten gespannt auf den Moment der Entscheidung.
Götte wird per Telefon informiert.
Maria Pappa spricht tröstende Worte: «St.Gallen hat bewiesen, dass es als Austragungsort eine nationale Ausstrahlung hat.»
Sie spricht den 9-jährigen Gian an: «Euch gehört die Zukunft und wir werden es wieder versuchen, ja?»

Gian Kuratli aus Grub (9) wartet gespannt auf den Entscheid.

Bild: Raphael Rohner

Nichtsdestotrotz «gratuliert der Stadtrat Glarus herzlich und wünscht dem dortigen Organisationskomitee viel Erfolg bei der Vorbereitung und Durchführung des ESAF 2025» und dankt den Initianten der Kandidatur St.Gallen für ihren Einsatz und Herzblut. Die positive Schwingung werde sicherlich eine nächste Gelegenheit bekommen.

54'000 Zuschauerplätze waren geplant

Das Festgelände hätte rund 60 Hektaren umfasst: Die sechseckige Arena mit rund 54'000 Plätzen wäre auf dem Breitfeld aufgebaut worden. Das Public Viewing sollte im Kybunpark stattfinden. Die Festmeile war auf der Wiese südlich der Autobahn A1 Richtung Gossau angedacht. Auch ein Campingplatz sollte in zehn Gehminuten vom Breitfeld aus erreichbar sein. Das OK rechnete mit 250'000 bis 300'000 Besucherinnen und Besuchern.

Mit diesem Video warben die Organisatoren zusätzlich für den Austragungsort St.Gallen.

Vor 40 Jahren fand schon einmal ein «Eidgenössisches» in St. Gallen statt

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) findet alle drei Jahre alternierend in einem Ort der fünf Teilverbände des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV) statt. Das letzte Fest in der Nordostschweiz wurde 2010 in Frauenfeld ausgetragen. Damals kamen rund 260'000 Besucher auf die Allmend. 2013 wurde das «Eidgenössische» in Burgdorf im Kanton Bern ausgerichtet. Jenes Fest lockte schon 300'000 Besucher an. Dieses Wachstum veranlasste den Eidgenössischen Schwingerverband, eine Analyse in Auftrag zu geben. Diese zeigte: Der Charme und der Ursprung des Festes gingen als Folge des immer grösser werdenden Zuschaueraufkommens verloren.

2016 fand das Schwing- und Älplerfest in Estavayer-le-Lac statt. 280'000 Schwingfans kamen in die Westschweiz. Es schien, als sei der Schwingerverband auf dem richtigen Weg. Das «Eidgenössische» im vergangenen Sommer in Zug brach dann aber mit 420'000 Besucherinnen und Besuchern sämtliche Rekorde.

St.Gallen durfte vor exakt 40 Jahren schon einmal ein «Eidgenössisches» austragen; Ernst Schläpfer aus Herisau wurde 1980 Schwingerkönig und 1983 noch einmal. (dwi)