Entlastung für Angehörige von Personen mit Demenz - das fordern zwei Stadtparlamentarier in St.Gallen

Die Stadt besitzt eine Demenzstrategie, die bis 2018 umgesetzt werden solle. Zwei Stadtparlamentarier zweifeln nun an, dass dies geschehen ist.

Marlen Hämmerli
Drucken
Teilen
Ïn der Stadt St.Gallen gibt es ein Angebot, dass sich an jung- und frühbetroffene Personen mit Demenz wendet. Angehörige sollen dadurch entlastet werden. Im Bild die Co-Geschäftsführerinnen Cristina De Biasio (links) und Ulla Ahmann.

Ïn der Stadt St.Gallen gibt es ein Angebot, dass sich an jung- und frühbetroffene Personen mit Demenz wendet. Angehörige sollen dadurch entlastet werden. Im Bild die Co-Geschäftsführerinnen Cristina De Biasio (links) und Ulla Ahmann.

Hanspeter Schiess

Der Anteil von Menschen mit Demenz nimmt kontinuierlich zu. Grund dafür ist die demografische Entwicklung: Die Bevölkerung wird immer älter. Dadurch dürfte sich der Anteil von Personen mit Demenz bis in zehn Jahren um einen Drittel erhöhen. In der Stadt St. Gallen wären dies gut 1700 Personen, rund 300 mehr als 2015.

Der Bund hat aufgrund dieser Entwicklung bereits vor Jahren eine Demenzstrategie 2014 bis 2017 ausgearbeitet und diese dann bis 2019 verlängert. Auch Kanton und Stadt St. Gallen haben ihre Demenzstrategien vorgestellt. Auf jene der Stadt kommen nun zwei Stadtparlamentarier zurück: Stefan Grob von der CVP und Daniel Bertoldo von der EVP haben ein Postulat eingereicht.

Daniel Bertoldo, EVP-Stadtparlamentarier.

Daniel Bertoldo, EVP-Stadtparlamentarier.

Ralph Ribi

Darin bitten sie den Stadtrat zum einen, Bericht zu erstatten, wo die Umsetzung der Demenzstrategie steht. Zum anderen stellen die Stadtparlamentarier eine Reihe von Fragen zu einzelnen der sieben Ziele.

Die städtische Demenzstrategie sah vor, diese 2017 und 2018 umzusetzen. Grob und Bertoldo fürchten jedoch, die Massnahmen seien noch nicht umgesetzt worden und die Strategie könnte ein Papiertiger bleiben.

Stadtparlamentarier ist selbst betroffen

Auslöser für den Vorstoss sind eigene Beobachtungen und Erfahrungen. So ist vor etwa einem Jahr Grobs Schwiegervater gestorben, der unter anderem an Demenz erkrankt war. Um Pflege und Betreuung kümmerte sich grösstenteils die Familie. «Es hat sich schnell gezeigt, dass es in der Stadt schwierig ist, einen Überblick über die Angebote zu erhalten», sagt Stefan Grob auf Anfrage. «Es braucht eine zentrale Koordination.» Angehörige seien sowieso schon mit der Situation zeitlich und mental sehr belastet.

Stefan Grob, Stadtparlamentarier der CVP.

Stefan Grob, Stadtparlamentarier der CVP.

Samuel Schalch

Entsprechend lautet eine Frage im Vorstoss, wie der Stadtrat den «mangelnden Überblick über die Angebote verbessern und das Koordinationsdefizit verringern möchte».

Weiter interessiert die Postulanten, was der Stadtrat tut, um Bevölkerung und Verwaltung zu sensibilisieren. Auch heisst es in der Demenzstrategie, man wolle mit Heimbetreibenden den Bedarf nach spezialisierten Plätzen abklären. Hier fragen die Postulanten nach dem Ergebnis.

Blick in die Demenzabteilung eines Alters- und Gesundheitszentrums.

Blick in die Demenzabteilung eines Alters- und Gesundheitszentrums.



Sandra Ardizzone / LTA

«Es braucht mehr Ferienplätze»

Grob und Bertoldo interessiert ausserdem, inwiefern die Schnittstellen geklärt worden sind zwischen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb), Berufsbeistand, Pro Senectute, oder wie dies geschehen soll. Denn Pro Senectute und Spitex haben den Wunsch geäussert, sich mit Vertretern der Kesb auszutauschen, wie aus dem Bericht zur Strategie hervorgeht. Im Arbeitsalltag seien immer wieder schwierige Entscheidungen nötig, wenn Personen mit Demenz weder Angehörige noch einen Beistand hätten.

Ein weiteres, wichtiges Anliegen sind Grob die Ferienplätze für Demenzbetroffene. Diese seien wichtig für die Entlastung der Angehörigen. «Es braucht genügend solcher Plätze und die Reservation muss einfach möglich sein.» Eine Frage im Postulat lautet deshalb, wie das Angebot an Ferienbetten aktuell aussieht und ob dieses weiter entwickelt wird.

Angebot an Tages- und Nachtplätzen sollte geprüft werden

Auch nach Tages- und Nachtplätzen fragen die Stadtparlamentarier. 2017 wurde das Angebot als genügend eingestuft. Der Stadtrat wollte aber prüfen, ob es den Bedürfnissen entsprach. Nun fragen die Postulanten nach dem Resultat.

«Die aktuelle Situation ist für Angehörige unbefriedigend», sagt Grob. In der Demenzstrategie gebe es aber einige sehr gute Ansätze und Handlungsempfehlungen.