Engelburg
«Ein echter Glücksfall»: Claudia und Heinz Staub haben für das Tierheim Sitterhöfli endlich Nachfolger gefunden

Lange hatten sie nach einer Nachfolgelösung für ihr Lebenswerk gesucht, nun sind Claudia und Heinz Staub fündig geworden: Sie haben das Tierheim Sitterhöfli verkauft. Damit geht eine 43-jährige Ära zu Ende. Renate und Michael Aegerter führen den Betrieb seit Anfang Juli – und könnten nicht glücklicher sein. Sie sagen: «So eine Chance gibt's nur einmal im Leben.»

Perrine Woodtli
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Die neuen und alten Besitzer des Tierheims Sitterhöfli: Michael Aegerter und Renate Aegerter mit ihren Hunden Amy, Layla und Skylaa sowie Claudia Staub und Heinz Staub (von links nach rechts).

Die neuen und alten Besitzer des Tierheims Sitterhöfli: Michael Aegerter und Renate Aegerter mit ihren Hunden Amy, Layla und Skylaa sowie Claudia Staub und Heinz Staub (von links nach rechts).

Andrea Stalder (16. Juli 2021)

Unbemerkt das Areal des Tierheims Sitterhöfli betreten? Keine Chance. Schon von weitem werden Besucherinnen und Besucher von zahlreichen neugierigen Augenpaaren gemustert. Und von lautem, aufgeregtem und freudigem Hundegebell begrüsst. Grund zur Freude haben auch Heinz und Claudia Staub. Jahrelang haben die Besitzer des Tierheims nach einer Nachfolgelösung gesucht. Interessenten gab's immer wieder. Geklappt aber hat's nie. Nun ist das Paar endlich fündig geworden.

«Wir könnten nicht glücklicher sein», sagen Heinz und Claudia Staub. Sie stehen vor dem Tierheim, das mitten im Grünen direkt an der Sitter in Engelburg liegt. Zwischen ihren Beinen wuselt Hündin Favà herum. Die beiden strahlen mit der Sonne, die sich an diesem Nachmittag erstmals wieder zeigt, um die Wette. Der Grund für ihr Glück steht gleich neben Staubs: Renate und Michael Aegerter. Das Paar hat das Tierheim Sitterhöfli gekauft, seit Anfang Monat sind sie am Drücker.

Per Zufall auf das Tierheim gestossen

Auch Renate und Michael Aegerter, die im Thurgau wohnen, können ihre Freude nicht verbergen. «Wir sind unglaublich dankbar und fühlen uns geehrt, ein so tolles und gut funktionierendes Tierheim übernehmen zu dürfen», sagt Renate Aegerter. Ihr Mann stimmt ihr zu: «Ein echter Glücksfall. Für alle.» Dabei haben Aegerters und Staubs eher zufälligerweise zueinandergefunden.

Michael Aegerter kennt sich mit Tierheimen aus. Der 60-Jährige hat selber 15 Jahre eines geleitet: das Tierheim Linth in Eschenbach. Der Elektroinstallateur war schon immer ein Tierfreund, hielt immer Hunde und Katzen. Er hat eine Ausbildung als Berufsbildner und Tierpfleger und arbeitete einige Jahre als Tierschutzbeauftragter in Eschenbach.

Renate und Michael Aegerter führen seit dem 1. Juli das Engelburger Tierheim.

Renate und Michael Aegerter führen seit dem 1. Juli das Engelburger Tierheim.

Andrea Stalder (16. Juli 2021)

Vor ein paar Monaten kam eine Frau auf ihn zu, weil sie ein Tierheim kaufen wollte. Sie fragte Aegerter, ob er ihr bei der Suche behilflich sein könnte. «Ich recherchierte daraufhin und stiess auf das Sitterhöfli», erzählt Michael Aegerter. Der Frau war das Engelburger Tierheim dann aber zu gross. Dafür hatten Aegerters Feuer gefangen.

Sofort Feuer und Flamme

Als Michael und Renate Aegerter sich das Tierheim im Februar anschauten, war es gleich um sie geschehen. «Es ist ein wundervoller, einmaliger Ort. So idyllisch. Mitten in der Natur», schwärmt Renate Aegerter. «Für mich ist es eine Art Kraftort», sagt Michael Aegerter. Ihn habe das Tierheim-Fieber gleich wieder gepackt.

Auch seine Frau war sofort begeistert von der Idee, das Tierheim zu übernehmen. Die 50-Jährige war bisher in einer ganz anderen Branche tätig und hatte immer wieder nach einer Neuorientierung gesucht. Wie ihr Mann ist auch Renate Aegerter eine Tierliebhaberin durch und durch und engagiert sich für den Tierschutz. «Ich hatte in meinem Leben schon immer Tiere. Hunde, Katzen, Hasen, Vögel oder Hamster.» Heute haben Aegerters zwei Windhunde und zwei Huskys.

Im Tierheim Sitterhöfli gibt es nebst einem Katzenheim und einem Hundeheim mit Kranken- und Quarantänestation unter anderem auch eine Abgabestation für Findeltiere.

Im Tierheim Sitterhöfli gibt es nebst einem Katzenheim und einem Hundeheim mit Kranken- und Quarantänestation unter anderem auch eine Abgabestation für Findeltiere.

Andrea Stalder (16. Juli 2021)

Die Chemie zwischen Aegerters und Staubs habe auf Anhieb gestimmt, sind sich alle vier einig. Inzwischen sind sie gute Freunde geworden. Lange überlegen mussten Renate und Michael Aegerter dann auch nicht. Renate Aegerter sagt:

«So eine Chance gibt's nur einmal im Leben.»

Und Michael Aegerter betont: Trotz seiner 60 Jahre denke er keineswegs an eine Pensionierung in fünf Jahren. Das Tierheim sei eine Herzensangelegenheit.

Nachfolger bringen frische Ideen mit

Viel verändern soll sich im Sitterhöfli vorerst nicht. An oberster Stelle stehe das Tierwohl. Alle Mitarbeitenden wurden übernommen. «Wir wollen uns zunächst einmal einleben und die ganzen Arbeitsabläufe kennen lernen», sagt Michael Aegerter.

«Die Kundinnen und Kunden sollen so wenig wie möglich vom Wechsel bemerken.»

Die Veränderungen würden schleichend vorgenommen. Aegerters wollen herausfinden, was die Bedürfnisse sind, und haben schon ein paar Ideen, die sie gerne ausprobieren wollen. So überlegen sie sich, einen Bring- und Abholservice für Hunde einzuführen. Während Corona hätten sich viele Leute einen Hund gekauft. «Nun geht es zurück ins Büro und sie haben weniger Zeit für ihr Haustier», sagt Michael Aegerter. Die Besitzerinnen und Besitzer hätten dann die Möglichkeit, ihren Hund jeweils für ein paar Stunden ins Tierheim zu bringen oder ihn abholen zu lassen.

Michael Aegerter, der auch als Agility-Trainer aktiv ist, würde zudem gerne Hundekurse und Erziehungskurse anbieten. Auch in der Ausbildung von Tierpflegerinnen und Tierpflegern wolle man einige Schritte vorwärts machen. Die neuen Besitzer haben zudem ein Spendenkonto eingerichtet. Das Tierheim lebt von den Ferientieren, alles andere kostet. Man sei auf Spenden angewiesen, sagt Michael Aegerter. Einige Renovationen seien vorgesehen. Zudem wolle man den Hochwasserschutz verbessern.

Claudia und Heinz Staub gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Immer mit dabei: Hündin Favà.

Claudia und Heinz Staub gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Immer mit dabei: Hündin Favà.

Andrea Stalder (16. Juli 2021)

Staubs bleiben dem Sitterhöfli erhalten

«Es ist klar, dass es mit neuen Leuten auch Veränderungen und einen neuen Touch gibt. Das ist völlig okay und gehört dazu», sagt Heinz Staub. Er und seine Frau sind einerseits erleichtert und glücklich. Andererseits aber auch traurig. Seit 1978 hat der heute 67-Jährige das Tierheim aufgebaut und stetig weiterentwickelt. Er sagt:

«Das Tierheim ist unser Lebenswerk. Nach 43 Jahren geht eine Ära zu Ende. Das wird uns erst jetzt so richtig bewusst.»

Auch Claudia Staub hat ein spezielles Gefühl. «Wir haben hier so viele schöne Jahre verbracht. Aber es ist toll, dass wir so liebe Leute für unsere Nachfolge gefunden haben», sagt die 59-Jährige. «Sie passen perfekt hierher. Besser geht's nicht.»

Ganz Abschied nehmen müssen die beiden aber nicht von ihrem Sitterhöfli. Sie werden weiterhin in ihrem Haus auf dem Areal leben. Das passte sowohl für sie als auch für ihre Nachfolger perfekt. «Wir freuen uns, dass wir bleiben können. Es ist wunderschön hier», sagt Claudia Staub. Zudem bleibt den neuen Besitzern Heinz Staub als Berater erhalten – «und Claudia als gute Seele», sagt Renate Aegerter. Vorerst für rund ein Jahr. «Oder einfach, solange es nötig ist», sind sich alle einig.