Energiestrategie
«Wir wollen aktiver werden»: Die regionale Plattform für Energie und Mobilität erstellt derzeit ein Energiekonzept für Wittenbach, Berg, Muolen, Häggenschwil und Steinach

Seit knapp zweieinhalb Jahren gibt es die regionale Plattform für Energie und Mobilität (Plemo). Nach der Fotovoltaik-Aktion im vergangenen Jahr arbeitet sie jetzt einen Energieplan für ihre fünf Mitgliedergemeinden aus. Im Vorstand gab es zudem einen Wechsel: Seit Herbst präsidiert Hans-Peter Eisenring die Plattform.

Perrine Woodtli
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Solaranlagen, wie hier auf dem Dach der Eishalle Lerchenfeld in St.Gallen, gehören zu den Themen, mit denen sich die regionale Plattform für Energie und Mobilität auseinandersetzt.

Solaranlagen, wie hier auf dem Dach der Eishalle Lerchenfeld in St.Gallen, gehören zu den Themen, mit denen sich die regionale Plattform für Energie und Mobilität auseinandersetzt.

Bild: Ralph Ribi

Fast zweieinhalb Jahre ist es her, seit in Wittenbach die regionale Plattform für Energie und Mobilität, kurz Plemo, gegründet wurde. Das Netzwerk von Gemeinden und Unternehmen will die Energieeffizienz in der Region vorantreiben und einen Beitrag an die Umsetzung der Energiestrategie 2050 des Bundes leisten. Zu den Mitgliedern gehören die Gemeinden Wittenbach, Muolen, Berg, Häggenschwil und Steinach, die St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerk AG (SAK), die IKZ Suisse AG sowie die Gewerbevereine Wittenbach-Häggenschwil und Steinach.

Hans-Peter Eisenring, Präsident der Plattform für Energie und Mobilität.

Hans-Peter Eisenring, Präsident der Plattform für Energie und Mobilität.

Bild: Benjamin Manser

Seit der Gründung im Oktober 2018 ist bei der Plemo einiges passiert - und doch weniger, als man sich erhofft habe, sagt Hans-Peter Eisenring. Der ehemalige Häggenschwiler Gemeindepräsident präsidiert seit Herbst den Plemo-Vorstand. Er löste Marco Huwiler ab, der das Amt aus Kapazitätsgründen abgegeben habe. Eisenring sagt:

«Letztes Jahr war es pandemiebedingt eher still. Nun wollen wir aber aktiv vorwärtsgehen

Die Plemo werde bei einigen Projekten mit der Energieagentur St.Gallen zusammenarbeiten. Diese unterstützt den Kanton St.Gallen und die St.Galler Gemeinden bei der Umsetzung ihrer Energieziele.

Plattform kann etwas bewegen

Die Plemo hat im vergangenen Jahr zusammen mit der Energieagentur St.Gallen eine Fotovoltaik-Aktion in der Region lanciert, um den Ausbau von PV-Anlagen auf Einfamilienhäusern voranzutreiben. 13 Gemeinden und 13 Unternehmen machten mit, 102 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1000 Kilowatt-Peak wurden installiert. Kilowatt-Peak ist die maximale Leistung einer PV-Anlage. Mit der Aktion habe man einen guten Erfolg erzielt, sagt Eisenring. Dem stimmt Rolf Hebeisen zu. Er ist Geschäftsleiter der Plemo und Inhaber der IKZ Suisse AG, einem Immobilien-Dienstleistungszentrum in Wittenbach.

Rolf Hebeisen, Geschäftsleiter der Plattform für Energie und Mobilität.

Rolf Hebeisen, Geschäftsleiter der Plattform für Energie und Mobilität.

PD

Aufgrund der Pandemie habe man den Start der Aktion zwar um einige Monate verschieben müssen, sagt Hebeisen. «Wir konnten zudem nicht so umfangreich wie geplant Werbung für unsere Plattform machen, da wir nur wenige Infoanlässe durchführen konnten.» Dennoch sei man zufrieden mit dem Ergebnis.

Die Aktion habe auch bewiesen, dass die Plattform durchaus etwas bewegen könne, sagt Hebeisen. So habe die Gemeinde Wittenbach bis letztes Jahr beispielsweise noch keinen Förderbeitrag an PV-Anlagen gezahlt. «Einige Einwohnerinnen und Einwohner haben uns im Rahmen der PV-Aktion darauf angesprochen», sagt Hebeisen. Seit diesem Jahr unterstütze nun auch die Gemeinde Wittenbach neue Fotovoltaik-Anlagen.

«Das zeigt auch, dass die Bevölkerung durchaus Einfluss nehmen kann.»

Ein Energiekonzept für alle

Nun liegt der Fokus der Plemo auf der Erarbeitung eines Energieplanes für die Mitgliedergemeinden. Das neue Energiegesetz verpflichtet ab diesem Sommer alle Gemeinden zu einem eigenen Energiekonzept. «Gerade für kleinere Gemeinden wie Berg, Muolen oder Häggenschwil wäre ein eigenes Konzept sehr aufwendig und kostenintensiv», sagt Eisenring. Statt das also jede Gemeinde für sich ein Konzept ausarbeitet, übernimmt das die Plemo, voraussichtlich in Zusammenarbeit mit der Energieagentur, für alle Mitgliedergemeinden. «Nur ein einziges Energiekonzept zu erstellen, hat mehrere Vorteile.» Nebst dem kleineren Aufwand sei dies für die Gemeinden auch wesentlich günstiger.

Einen Energieplan für alle zu erstellen, sei anspruchsvoll, sagt Hebeisen. Denn unter den Gemeinden gebe es grosse Unterschiede.

«In einigen wird wirklich viel für die Energieförderung gemacht, in anderen eher weniger.»

Man müsse dabei aber auch sehen, dass die Gemeinden teilweise sehr unterschiedliche Voraussetzungen und Möglichkeiten hätten. Das Ziel der Plemo ist es, dieses Jahr zusammen mit den Mitgliedern alle Details für einen gemeinsamen Energieplan vorzubereiten, sodass dieser dann im nächsten Jahr ausgearbeitet werden kann.

Bevölkerung sensibilisieren und offene Fragen klären

Nebst dem Energieplan seien dieses Jahr unter anderem auch verschiedene Informationsanlässe zu Heizsystemen und Elektromobilität angedacht. «Diese Themen sind teils sehr komplex, und viele Leute haben offene Fragen. Unser Ziel ist es, sie zu sensibilisieren und Hilfestellung zu geben», sagt Hebeisen. Man wolle die Bevölkerung stärker einbeziehen. Eisenring ergänzt:

«Es braucht weiterhin viel Aufklärung und Unterstützung.»

Auch die unterschiedlichen Förderrichtlinien der Plemo-Gemeinden zu vereinheitlichen, ist etwas, was sich die Plattform auf die Fahne geschrieben hat. Man wolle nun nach und nach Projekte vorantreiben und etwas Positives für die Region bewirken, sagt Eisenring. Die ersten Aktionen hätten denn auch bereits weitere Unternehmen zu einer Mitgliedschaft bewogen.