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Endlich auf der grossen Leinwand: Wie es der Goldacher Philip Andrew nach Hollywood geschafft hat

Der Queen-Film «Bohemian Rhapsody» hat Premiere in Zürich gefeiert. Mittendrin: der Goldacher Philip Andrew Trümpi. Der 27-Jährige spielt eine Nebenrolle in der Hollywood-Produktion. Ein Meilenstein auf dem steinigen Weg zu seinem Traum.
Linda Müntener
Philip Andrew auf dem roten Teppich der Schweizer Premiere von Bohemian Rhapsody in Zürich. (Bild: ZVG)

Philip Andrew auf dem roten Teppich der Schweizer Premiere von Bohemian Rhapsody in Zürich. (Bild: ZVG)

Das Buffet wird noch aufgebaut, als die Tür aufgeht und er das Kino-Foyer betritt. Meist lassen sich Filmschauspieler Zeit, inszenieren ihren Auftritt wirkungsvoll. Er kommt, begleitet vom Videojournalisten eines Lokalsenders durch den Seiteneingang. «Passt das so? Oder brauchst du das nochmals?», fragt er den Kameramann. Alles im Kasten. Er begrüsst die anderen Reporter, bedankt sich fürs Kommen. Und dann sagt er einen Satz, den er heute Abend noch oft sagen wird:

«Das ist alles völlig surreal.»

Da steht er, auf dem roten Teppich im Arena Cinema Zürich. Er, Philip Andrew Trümpi, 27, aus einem Grossdorf am Bodensee. Er, der noch vor vier Jahren im Grossraumbüro einer Bank sass und vom Leben als Schauspieler träumte. Er präsentiert heute eine Hollywood-Produktion, in der er mitspielt. Manchmal glaubt er, er träume immer noch.

Für seine Karriere setzt er alles auf eine Karte

Es ist Montagabend, Schweizer Premiere des Kinofilms «Bohemian Rhapsody». Im biografischen Drama über die Band Queen spielt der Goldacher Philip Andrew – so sein Künstlername – Leadsänger Freddie Mercurys deutschen Musikmanager. Produziert wurde der Film von 20th Century Fox. Es ist Philip Andrews erste Rolle in einer Hollywood-Produktion.

Rückblick: Vor vier Jahren fasste Philip Andrew den Entschluss, es mit mit einer Karriere vor der Kamera zu versuchen. Der Sohn eines Schweizers und einer Britin war schon als Kind vom Schauspielerberuf fasziniert. In andere Rollen zu schlüpfen, das liegt ihm. Dank einer Freundin bekam er die Möglichkeit, im Film «Ziellos» mitzuspielen, der im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Als er zum ersten Mal am Set war, wusste er sofort: «Das will ich jetzt machen.»

Er kündigte seinen Job bei einer Bank in Zürich, schmiss das Wirtschaftsstudium hin und stieg in einen Flieger nach New York. Seinen Nachnamen Trümpi legte er der Karriere wegen ab. Mit einem Stipendium der Hans-und-Wilma-Stutz-Stiftung absolvierte er eine Ausbildung am Lee Strasberg Theatre and Film Institute. Es folgten Dutzende Studenten- und Kurzfilme, erste kleinere Rollen in Film und Fernsehen, ein Vertrag mit einer Agentur. Und: Rückschläge.

Philip Andrew (im dunkelblauen Anzug) beim Dreh seines ersten eigenen Kurzfilms in New York. (Bild: ZVG)

Philip Andrew (im dunkelblauen Anzug) beim Dreh seines ersten eigenen Kurzfilms in New York. (Bild: ZVG)

Philip Andrew zweifelt immer wieder an sich selbst. In New York hatte niemand auf ihn gewartet. «Du wirst nicht einfach auf der Strasse angesprochen und kannst dann drehen.» Er übernachtete auf Sofas von Bekannten, manchmal reichte das Geld nicht einmal fürs Essen. Auf Hunderte Bewerbungen für Castings erhielt er keine Antwort. Und wenn doch, war die Konkurrenz riesig. Es gab Nächte, in denen Philip Andrew an die Decke starrte und alles hinterfragte. «Weshalb sollten sie ausgerechnet mich nehmen?»

Zurück auf dem roten Teppich. Mittlerweile sind Schweizer Stars und Sternchen im Saal. Mittendrin Philip Andrew. Er beantwortet Fragen, posiert für Fotos. «Ich bin wahnsinnig nervös», sagt er in ein Radio-Mikrofon. «Das ist alles völlig surreal.» Es ist nicht das erste Mal, das er den Film sieht. Schon bei der Premiere in London war er dabei. «Dort war ich ein kleiner Fisch, niemand kannte mich», sagt er. In Zürich hingegen ist er der Repräsentant, viele sind seinetwegen gekommen. Seine Eltern, seine Schwester, Freunde, Wegbegleiter.

Philip Andrew steht den Journalisten bei der Schweizer Premiere von «Bohemian Rhapsody» in Zürich Rede und Antwort. (Bild: Linda Müntener)

Philip Andrew steht den Journalisten bei der Schweizer Premiere von «Bohemian Rhapsody» in Zürich Rede und Antwort. (Bild: Linda Müntener)

Enttäuschung: Sein Text wurde gestrichen

Philip Andrews Weg führte ihn von New York nach London, wo er seit drei Jahren wohnt. Dort hatte er sich bessere Chancen erhofft. Und tatsächlich: Es klappte mit Rollen in Serien und grösseren Produktionen wie dem deutschen Kinofilm «Die Liebe deines Lebens». Dank eines Casting einer Agentur durfte er schliesslich für «Bohemian Rhapsody» vorsprechen. Und wurde genommen.

Es sind zwei kurze Szenen, in denen Philip Andrew zu sehen ist. Sein Text hat es nicht in den Film geschafft. «Der Dialog mit mir und Hauptdarsteller Rami Malek war sehr witzig. Ich habe ihm deutsche Fluchwörter wie <Scheisse> beigebracht.» Im fertigen Film folgt auf diese Szene eine dramatische Situation. «Da hat mein Text vermutlich nicht mehr gepasst.» Enttäuschung schwingt zwar mit, aber er nimmt's gelassen. Es sei üblich, dass im Schnitt nochmals viel verändert werde.

Dass er die Hollywood-Produktion überhaupt als Referenz angeben kann, dürfte ihm künftig Türen öffnen. Philip Andrew konnte zu einer der Top-Agenturen in London wechseln. Kürzlich hat er seine erste grössere TV Rolle in der neuen US-Serie The Spanish Princess abgedreht. Sein Ziel: Castings abklappern, so viel wie möglich drehen, besser werden. Er träumt von einer Rolle in einem Schweizer Film.

«Ich musste laut lachen, als ich meine riesige Nase auf der Leinwand sah»

Arena Cinema, Saal 7, nur noch wenige Minuten bis zum Film. Philip Andrew, angespannt lächelnd, tritt auf die Bühne vor der Leinwand. «Wie ging's dir, als du den Film zum ersten Mal gesehen hast?», will die Moderatorin wissen. «Es war völlig surreal. Ich musste laut lachen, als ich meine riesige Nase auf der Leinwand sah», sagt er, das Publikum lacht mit. Er erzählt vom Leben am Filmset, schwärmt von Rami Malek, zieht als Glücksfee noch die Gewinner der Premieren-Verlosung und dann hat er's geschafft. Das Licht geht aus, der Soundtrack, die Hymne «Bohemian Rhapsody», ertönt.

«Is this the real life? Is this just fantasy?», dröhnt es aus den Boxen. Spätestens jetzt hat Philip Andrew die Antwort.

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