Empfang
Grosse Feier für eine bescheidene Sportlerin: Über 800 Leute bejubeln vor der Bützelhalle in Staad Olympiasiegerin Jolanda Neff

Die Reden der Gemeindepräsidenten von Thal und Goldach sind kurz am Samstagnachmittag. Mountainbike-Goldmedaillengewinnerin Jolanda Neff hat darum gebeten, sie nicht zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Das hindert aber über 800 Besucherinnen und Besucher nicht daran, «ihre» Olympiasiegerin auf dem roten Platz vor der Doppelturnhalle frenetisch zu feiern. Die Glückwünsche der Regierung des Kantons St. Gallen überbringt Regierungsrätin Laura Bucher.

Rudolf Hirtl
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Jolanda Neff ist aufgrund des Grossaufmarsches ihrer Fans bereits beim Einmarsch tief ergriffen.

Jolanda Neff ist aufgrund des Grossaufmarsches ihrer Fans bereits beim Einmarsch tief ergriffen.

Bild: Benjamin Manser

Die Gemeindepräsidenten Felix Wüst und Dominik Gemperli, Mitglieder des Radfahrervereins Altenrhein und zahlreiche Mitglieder anderer Vereine haben in den wenigen Tagen seit dem Olympiasieg von Jolanda Neff ordentlich Vollgas gegeben, um einen Festakt auf die Beine zu stellen, damit die Goldmedaillengewinnerin entsprechend geehrt werden kann.

600 Würste reichten nicht aus

Es sei kaum abschätzbar, wie viele Leute den Anlass besuchen würden, sagte Thals Gemeindepräsident Felix Wüst im Vorfeld, zumal auch das Wetter unsicher sei. Dementsprechend schwierig sei es auch, Wurst, Brot und Getränke für die Bevölkerung zu bestellen. Knapp eine Stunde nach Beginn sind die bestellten 600 Bratwürste und Cerverlats denn auch bereits verputzt. «Mit derart vielen Menschen haben wir während der Ferienzeit nicht gerechnet. Ich schätze, dass zwischen 800 und 1000 Leute hier sind», sagt Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli.

Olympiasiegerin Jolanda Neff mit ihren Eltern Sonja und Markus Neff

Olympiasiegerin Jolanda Neff mit ihren Eltern Sonja und Markus Neff

Bild: Benjamin Manser

Zusätzlicher Anschub für den Veloboom

Den Reigen der Redner eröffnet Markus Gähwiler, Präsident des Radfahrervereins Altenrhein. Jolanda Neff sei mit ihrem Erfolg in den olympischen Himmel aufgestiegen, er sei aber sicher, dass sie die Bodenhaftung nicht verlieren werde. Der Erfolg von Jolanda Neff ist einmalig, schlicht phänomenal. «Sie wird dem durch Corona entfachten Veloboom nochmals einen Schub verleihen.»

Ein denkwürdiger Anlass für die Gemeinde Thal

«Es ist eine Ehre für uns, die frischgebackene Olympiasiegerin begrüssen zu dürfen. Das heute ist ein denkwürdiger Anlass für die Gemeinde», sagt anschliessend Felix Wüst. Jolanda Neff habe nun alle möglichen grossen Titel gewonnen und sei Ansporn und Inspiration für andere Menschen. Wüst sagt:

«Jolanda Neff hat gezeigt, was mit Wille möglich ist. Sie hat nicht nur für Thal, sondern für die ganze Schweiz Sportgeschichte geschrieben.»
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Bild: Benjamin Manser

Moderator Thomas Kehl will dann von Dominik Gemperli wissen, wer das Fest denn nun bezahle. «Gut schweizerisch werden wir die Kosten gerecht teilen. Wir Goldacher sind grosszügig. Wir überlassen Thal gerne das Fest heute und freuen uns dafür darüber, dass Jolanda Neff in Goldach lebt.»

Auch im Namen der Gemeinde Goldach und ihrer Bevölkerung gratuliere er Jolanda Neff ganz herzlich zu ihrem Erfolg, so Gemperli weiter. «Dieser Erfolg ist einer beispiellosen Karriere geschuldet, die geprägt blieb von Willen, Ehrgeiz und bedingungsloser Einsatzbereitschaft. Eigenschaften und Attribute, die nicht nur in einem Sportlerleben von Relevanz bleiben, sondern auch in einer gesellschaftlichen Perspektive von hoher Bedeutung sind.»

Goldachs Name ist Programm

Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli hofft, dass Jolanda Neff noch lange in der Gemeinde wohnt.

Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli hofft, dass Jolanda Neff noch lange in der Gemeinde wohnt.

Bild: Benjamin Manser

Der private und sportliche Werdegang habe seinen Ursprung in der Gemeinde Thal gefunden. «Der einzigartige und grösste sportliche Erfolg blieb indessen erst seit der Wohnsitznahme in Goldach möglich. Wen erstaunt’s: Goldach. Der Name ist Programm. In diesem Sinne freuen wir und die ganze Schweiz uns sehr, wenn Jolanda Neff noch ganz viele Jahre in Goldach wohnhaft bleibt», so Gemperli. Aber auch die Thaler dürften sich natürlich freuen. Der Weg zu Gold sei wohl nur in einem Umfeld möglich, das viel Herzlichkeit versprühe, sagt er und fügt an:

«Also sind wir als grosszügige Goldacher natürlich auch gerne bereit, den Erfolg mit der sympathischen Nachbargemeinde zu teilen.»

Er wolle Jolanda Neff also auch für die Emotionen danken, welche sie mit ihrer Siegesfahrt bei uns allen ermöglichte. Diese Emotionen seien genauso Gold wert wie die Medaille selber.

Eigentlich ist sie ja eine St. Margretherin

«Es tut mit leid, dass ich diese Kompetenzstreitigkeiten zwischen Thal und Goldach noch ein wenig verkomplizieren muss», sagt Regierungsrätin Laura Bucher mit einem Schmunzeln. Sie wohne in St. Margrethen und Jolanda Neff habe eine St. Margrether Vergangenheit. «Für viele Sportlerinnen ist schon das Dabeisein ein grosser Erfolg. Eine Medaille, und dann erst noch eine goldene, ist wirklich das Grösste, was eine Sportlerin erreichen kann. Dazu braucht es Fleiss, Biss und Talent und nicht zuletzt Freude und Liebe zum Sport.»

Regierungsrätin Laura Bucher bei ihrer Ansprache.

Regierungsrätin Laura Bucher bei ihrer Ansprache.

Bild: Benjamin Manser

Unter Regierungsrätin Laura Bucher in der Jugendriege geturnt

Dass Jolanda Neff diese Voraussetzungen mitbringe, habe sie schon sehr früh gemerkt. Nämlich in der Gymnastikgruppe des STV St. Margrethen, welche sie geleitet habe und in der die Olympiasiegerin als kleines Mädchen geturnt habe, so die SP-Regierungsrätin. Sie sagt:

«Ich freue mich, dass ich Jolanda Neff nicht nur als Mitglied der Regierung, sondern auch als St. Margretherin die allerbesten Glückwünsche für die Goldmedaille überbringen darf.»

Die vergangenen eineinhalb Jahre seien geprägt gewesen von Verletzungen. Umso bemerkenswerter seien die Leistungen, die Jolanda Neff und ihr Team erbracht hätten.« Eine Bilderbuchkarriere wird gekrönt von einem Sieg an den olympischen Spielen.» Die St. Gallerinnen und St. Galler seien einfach nur stolz und würden sich bereits darauf freuen, ihr in drei Jahren bei den Spielen in Paris wieder die Daumen zu drücken.

Von einer Pressekonferenz zur nächsten

Sichtlich gerührt dankt Jolanda Neff den vielen Menschen, die den Weg nach Staad gefunden haben. Sie sagt:

«Es ist ein wunderbarer Moment, bei dem man spürt, was man erreicht hat. »

Wie es ihr seit der Zieldurchfahrt ergangen sei, will der Moderator wissen. Sie habe wirklich keine ruhige Minute mehr gehabt, so die Olympiasiegerin. Umso schöner sei die Feier am Abend mit den anderen Medaillengewinnerinnen und Gewinnern gewesen.

Jolanda Neff posiert mit Kindern beim offiziellen Empfang.

Jolanda Neff posiert mit Kindern beim offiziellen Empfang.

Bild: Christian Merz

Als sie nach dem Sieg das erste Mal auf das Handy schaute, habe sie über 300 SMS gesehen. «Ich habe auf dem langen Flug in die Schweiz alle beantwortet», sagt Neff und fügt unter dem Gelächter der Publikums an, dass die Hälfte gleich wieder zurückgeschrieben habe und sie nun schon wieder 70 beantworten müsse. «Ich habe mich aber über jede einzelne Nachricht riesig gefreut.»

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