«Emotionen kommen nun hoch»: Verhaftung des Steinacher Gemeindeschreibers schockiert auch am Tag danach

Im Gemeindehaus von Steinach kehrt nach der Verhaftung des Schreibers nur langsam wieder Normalität ein. Er wurde am Mittwoch wegen Verdachts auf illegale Pornografie und sexuellen Handlungen mit Kindern verhaftet.

Rudolf Hirtl
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Das Dorf Steinach ist durch die letzten Ereignisse schweizweit in die Schlagzeilen geraten Bild: H. Schiess/B. Müggler (August 2016)

Das Dorf Steinach ist durch die letzten Ereignisse schweizweit in die Schlagzeilen geraten Bild: H. Schiess/B. Müggler (August 2016)

Seit Mittwoch ist bei der Gemeindeverwaltung von Steinach nichts mehr, wie es vorher war. Kurz nach 9 Uhr hat die Kantonspolizei den Gemeindeschreiber am Arbeitsplatz verhaftet. Laut Staatsanwaltschaft St.Gallen haben der Verdacht auf die Herstellung und Zugänglichmachung illegaler Pornografie im Internet und sexueller Handlungen mit Kindern den Zugriff nötig gemacht. Gleichzeitig wurde beim Beschuldigten auch eine Hausdurchsuchung vorgenommen.

Der Gemeinderat Steinach hat aufgrund der aktuellen Geschehnisse noch gestern Abend unter Beizug des designierten Gemeindepräsidenten Michael Aebisegger eine ausserordentliche Sitzung abgehalten. Der Rat schreibt dazu in einer Mitteilung: «Der Gemeinderat ist bestürzt über die Vorwürfe, die von der Staatsanwaltschaft gegen den Gemeinderatsschreiber eröffnet wurden.»

Kanzlei sucht auch extern Unterstützung

Der Rat gehe davon aus, heisst es weiter, dass aufgrund der laufenden Ermittlungen über eine längere Zeit eine Vakanz auf der Gemeinderatskanzlei entstehen wird. Laut Gemeindepräsident Roland Brändli wird aus diesem Grund eine Interimsorganisation auf die Beine gestellt, damit die anfallenden Arbeiten in der Kanzlei erledigt werden können und die Mitarbeitenden unterstützt werden. Die Übergangsorganisation alleine genüge aber nicht. «Wir versuchen temporär eine Person mit Kanzleierfahrung zu engagieren.»

Die Frage, mit welchen Konsequenzen der Gemeindeschreiber bei einer Verurteilung bezüglich seines Arbeitgebers zu rechnen hat, will Roland Brändli nicht beantworten. «Es gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung. Daher machen wir diesbezüglich aktuell auch keine Überlegungen und keine Aussagen dazu.» Fakt sei aber auch, räumt der Gemeindepräsident ein, dass er sich noch in einer Art Schockzustand befinde. «Die Emotionen kommen erst heute so richtig hoch.»

Der Tennisclub prüft weitere Schritte

Der beschuldigte Gemeindeschreiber engagiert sich auch im Vorstand des Tennisclubs Romanshorn (TCR), wo er seit März 2014 Präsident ist. Der Vorstand habe keine Detailkenntnisse zu den Vorwürfen gegen ihren Präsidenten und wolle keine Kommentare abgeben, schreibt TCR-Kassier Richard Baumgartner in einer Medienmitteilung. Die ganze Angelegenheit sei ohnehin schon schockierend wie delikat genug. «Die Clubleitung ist bestürzt über die Vorwürfe gegenüber ihrem Präsidenten und möchte den Club und seine Mitglieder schützen», schreibt Baumgartner. Es sei in der heutigen Zeit ohnehin schwierig genug, überhaupt Schüler und Junioren zu motivieren, in einem Club mitzuwirken. Der TCR-Kassier ergänzt: «Wir können aber versichern, dass unser Präsident keinen direkten Kontakt zu Schülern und Junioren unseres Clubs hatte. Es sind uns keine Vorfälle bekannt.» Die TCR-Junioren würden von der Juniorenverantwortlichen und dem Trainer gemeinsam betreut, «ohne Mittun des Präsidenten», heisst es.

Der TCR-Vorstand traf sich am Mittwochabend zu einer schon länger angesetzten Sitzung. Diese habe nichts mit den Vorfällen zu tun gehabt, so Baumgartner. Selbstverständlich sei das Thema traktandiert und besprochen worden. «Der Vorstand des TCR distanziert sich klar vom Beschuldigten und prüft weitere Schritte zu seiner Person.» Ob und wie lange der Beschuldigte TCR-Präsident bleibt, ist noch nicht klar.