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Auch das Vermögen zählt:
Eltern müssen mehr für Krippen zahlen

Bei der Berechnung der Krippentarife in der Stadt St.Gallen gelten seit Anfang August neue Regeln. Wie teuer ein Betreuungstag ist, hängt nicht mehr nur vom Einkommen ab. Deshalb müssen einige Eltern mehr berappen.
Roger Berhalter
Zwischen 25 und 100 Franken kostet heute in der Stadt St.Gallen ein Krippentag. (Bild: Jil Lohse)

Zwischen 25 und 100 Franken kostet heute in der Stadt St.Gallen ein Krippentag. (Bild: Jil Lohse)

In diesen Tagen liegen bei vielen Eltern neue Einzahlungsscheine im Briefkasten. Denn seit Anfang August berechnet die Stadt die Tarife für die Krippen anders. Wie viel die Eltern für die Betreuung ihrer Kinder bezahlen, ist nicht mehr länger vom steuerbaren Einkommen abhängig. Neu ist das sogenannte massgebende Einkommen entscheidend; insbesondere das Vermögen der Eltern fliesst ebenfalls in die Rechnung ein. Auch Beiträge an die dritte Säule, Einkäufe in die Pensionskasse sowie Aufwendungen für Liegenschaften spielen jetzt eine Rolle. Diese Definition von Einkommen ist auch in anderen Verwaltungsbereichen üblich.

Die Berechnungsgrundlage gilt schon seit vergangenem Oktober. Sie kam aber bis jetzt nur bei Eltern zum Tragen, die ein Kind neu bei einer Krippe anmeldeten oder sich in der Tariftabelle neu einstufen liessen. Nun gelten die Bestimmungen für alle, die einen von der Stadt subventionierten Krippenplatz in Anspruch nehmen. Derzeit sind dies rund 700 Eltern in der Stadt.

Doppelt subventioniert ist sozial nicht gerecht

Die neuen Tarife sollen die soziale Gerechtigkeit verbessern und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Familien gerechter werden. «Wir wollen günstigere Tarife nur dort gewähren, wo sie wirklich nötig sind», sagt Claudia Wiedemann Zaugg von der Dienststelle Gesellschaftsfragen. Im alten System habe es immer wieder «Ungerechtigkeiten» gegeben. So kam es vor, dass Eltern von einer hohen in eine tiefere Tarifstufe rutschten, obwohl sich ihr tatsächliches Einkommen gar nicht verändert hatte – allein deshalb, weil ihr steuerbares Einkommen gesunken war. Grosse Abzüge in der Steuererklärung schlugen sich nämlich direkt im Krippentarif nieder. Wer also beispielsweise sein Haus umbaute oder seine Altersvorsorge aufstockte, konnte vorübergehend mit niedrigeren Krippenkosten rechnen. Je nachdem machte der Unterschied mehrere hundert Franken pro Monat aus.

Ein Hausbesitzer, der von Steuerabzügen profitiert und zusätzlich bei der Kinderbetreuung subventioniert wird? Dies entspricht nicht dem Verständnis des Stadtrats von sozialer Gerechtigkeit, weshalb er die Berechnungsgrundlage anpassen liess.

Insgesamt darf die Stadt mit mehr Geld rechnen, sie wird also künftig weniger für die Subventionierung der Krippen ausgeben. Die neuen Tarifanpassungen kennen nämlich nur eine Richtung: nach oben. Einige Eltern werden von nun an mehr pro Krippentag bezahlen müssen. Reduzieren wird sich der Tarif mit der neuen Berechnungsgrundlage hingegen für kein Elternpaar.

Nicht nur günstiger, sondern gratis

Wie viel die Stadt durch diese Änderung weniger ausgeben wird, ist laut Wiedemann Zaugg schwer abzuschätzen. In der Tagesbetreuung stehen nämlich weitere Änderungen an. Die Stadt baut, die Zahl der vergünstigen Krippenplätze laufend aus. Zudem ist ein neues Tarifreglement in Arbeit. Gleich mehrere Vorstösse im Stadtparlament zielen auf die uneinheitlichen Tarife in der Tagesbetreuung ab, und auch der Stadtrat ortet Handlungsbedarf. Vor allem bei Kindergärtlern gibt es heute nur schwer begründbare Unterschiede: Ein Kindergärtler, der in die Krippe geht, kostet seine Eltern pro Tag fast dreimal so viel, wie wenn er neben dem Kindergarten die Tagesbetreuung (Hort, FSA oder FSA plus) besucht.

Ein anderes Model schlägt die SP-Juso-PFG-Fraktion des Stadtparlaments in einer aktuellen Interpellation vor. Die Tagesbetreuung soll nicht nur günstiger, sondern sogar gratis werden. Ein kostenloses Betreuungsangebot passe zu einer modernen Stadt und soll Chancengleichheit für alle Familien schaffen.

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