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Interview

Einsprachen, Klagen und Beliebtheit: Röbi Raths stehen die letzten Monate als Gemeindepräsident von Thal bevor

Röbi Raths mischt sich gerne unters Volk: Ob in Thal, wo er bis Ende Jahr waltet, oder in Rorschach, wo er Thomas Müllers Erbe antritt.
Interview: Jolanda Riedener
Tapetenwechsel: Robert Raths verbringt seine letzten Monate in Thal, während 20 Jahren war er hier Gemeindepräsident. (Bild: Urs Bucher)

Tapetenwechsel: Robert Raths verbringt seine letzten Monate in Thal, während 20 Jahren war er hier Gemeindepräsident. (Bild: Urs Bucher)

Röbi Raths (FDP) befindet sich zwischen Stuhl und Bank. In Thal gilt es, letzte Projekte aufzugleisen. Gleichzeitig ist er in Rorschach angekommen und greift beim «Kultur im Pavillon» spontan zum Mikrofon.

Anfang Jahr übernehmen Sie das Stadtpräsidium in Rorschach. Stehen die Zügelkartons schon bereit?

Röbi Raths: Nein. Am Wahltag war der Wechsel noch sieben Monate entfernt. Auch jetzt bin ich in Gedanken noch voll in Thal, nach den Herbstferien ändert sich das sicherlich.

Aber auf Wohnungssuche sind Sie?

Ja, ich bin dabei. Einen Nachmieter habe ich dafür bereits: Mein Sohn übernimmt meine Wohnung in Staad. Das Ziel ist es aber, bald nach Rorschach zu ziehen. Wenn ich meine Arbeit aufnehme, will ich vor Ort sein.

Anzutreffen sind Sie in der Hafenstadt bereits hin und wieder. Zum Beispiel beim Empfang von Bundesrätin Karin Keller-Sutter oder bei einem Konzert am Seepavillon, wo Sie spontan mitgesungen haben.

Ich habe es gerne gesellig. Beim Konzert von Just Two war das Wetter so schlecht, dass die wenigen Zuschauer das Konzert auf der überdachten Bühne hörten. So hat sich das spontan ergeben. Auch an der 1.-August-Feier habe ich mich unters Volk gemischt und gute Gespräche geführt.

Sie nehmen auch in den Ferien das Telefon ab. Was tun Sie, um die Batterien aufzuladen?

Ich mache einen Ausflug: Steige in mein Auto und höre laut Volksmusik. Das entspannt mich.

Zur Person

Seit 20 Jahren ist Robert Raths (FDP) in Thal Gemeindepräsident. Auf der Gemeindeverwaltung machte er bereits seine Berufsausbildung. Im Mai haben ihn die Rorschacherinnen und Rorschacher im ersten Wahlgang zum Stadtpräsidenten gewählt. Im Kantonsrat politisiert Raths seit
2012.(jor)

Welche Projekte müssen Sie noch bis Ende Jahr abschliessen?

Abzuschliessen gibt es kaum etwas, aber einige Projekte will ich noch aufgleisen. Im November werden die Thaler Bürger über die Rathaussanierung und den Kauf des Christareals abstimmen. Auch das Projekt «Holzwärmeverbund Buriet» gilt es, voranzutreiben. Weiter stehen einige Sanierungen an.

Welche sind das?

Einerseits Bachsanierungen, die einfach Zeit brauchen. Auch der Erweiterungsbau vom Pflegeheim ist nach wie vor wegen einer Einsprache blockiert, was schade ist. Denn das Alters- und Pflegeheim Hächleren braucht eine Erneuerung.

Ist auch der Lidl-Neubau von Einsprachen blockiert?

Ja, es ist eine Einsprache eingegangen. Für das Areal ist ein Sondernutzungsplan nötig, wir hoffen auf eine zeitnahe Realisierung.

Schweizweit Schlagzeilen hat Thal gemacht, weil der Gemeinderat einen provisorischen Durchgangsplatz für Fahrende versenkte. Dagegen will die Radgenossenschaft rechtlich vorgehen.

Diese Klage ist pendent, auf das Resultat bin ich gespannt. Ich denke nicht, dass dieser Schritt clever war.

Warum?

Möglicherweise sinkt dadurch die Toleranzgrenze. Wenn man als Gemeinde Gefahr läuft, angeklagt zu werden, lässt man Verhandlungen wohl besser ganz bleiben. Ich bedauere es wirklich sehr, dass der Durchgangsplatz nicht realisiert werden kann. Alle reden von Verständnis, aber das gilt wohl nicht vor der eigenen Türe. Nun ist der Fahrendenplatz in Thal aber endgültig vom Tisch.

Ihr Job ist begehrt, gleich fünf Männer wollen in Thal Gemeindepräsident werden. Können sich die Kandidaten darauf freuen, sich ins gut gemachte Nest zu legen?

Die Finanzen sind auf einem erfreulichen Niveau. Die Gemeinde ist gut aufgestellt. Ich habe meinen Teil dazu beigetragen. Wir haben eine top funktionierende Verwaltung. Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb des Bürgers, diese Haltung hat mein Team verinnerlicht. Ich hoffe, dass jemand zum Gemeindepräsidenten gewählt wird, der als Personalchef die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fordert und vor allem wertschätzt.

Mehrere Präsidiums-Anwärter haben im Wahlkampf die Sicherheit auf der Töberstrasse bemängelt.

Die Situation ist nicht zufriedenstellend. Es ist aber nicht so einfach, sonst hätten wir bereits gehandelt. Es gibt Einschränkungen, wir können diese Strasse nicht einfach verbreitern.

Welche Hochs und Tiefs erlebten Sie in den vergangenen 20 Jahren?

Die Bevölkerung hat mir grosses Vertrauen entgegengebracht. Ich habe keine kommunale Abstimmung verloren. Das war nur mit Engagement und Herzblut möglich.

Und Tiefs?

Da gab es wenig. Ich habe all die Zeit immer gut schlafen können.

Wenn Sie Ende Jahr Thal verlassen, werden Sie aber sicher auch etwas wehmütig.

Ja, vielleicht werde ich eine Träne vergiessen. Dieser Job war während der vergangenen 20 Jahre mein Leben und wie eine eigene Firma.

Dass Sie geschätzt werden, hat sich bei der Wahl in Rorschach gezeigt. Um Ihre Beliebtheit zu testen, haben Sie aber noch einen Trick.

In der Beiz frage ich in die Runde: «Wer zahlt mir einen Kafi?» Das mache ich aber nicht, weil mich das Geld reut, sondern um zu sehen, ob man mich schätzt.

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