Widerstand
«5G braucht der gewöhnliche Bürger sicher nicht»: Eine neue 5G-Antenne im st.gallischen Grub erhitzt die Gemüter

Sunrise will sein Mobilfunknetz ausbauen und auf den neuesten Stand bringen. Patric Looser und weitere 174 Einwohnerinnen und Einwohner von Grub SG und Grub AR kämpfen dagegen. Der Gemeinderat von Eggersriet entscheidet über das Baugesuch.

Theepan Ratneswaran
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In Grub SG ist eine Diskussion um eine neue 5G-Antenne entbrannt.

In Grub SG ist eine Diskussion um eine neue 5G-Antenne entbrannt.

Bild: Keystone/Peter Klaunzer (26. März 2019)

Der langwierige Kampf geht in die nächste Runde. Ist der neue Mobilfunkstandard 5G nützlich, lebensnotwendig oder langfristig betrachtet, schädlich? Dieses Mal stehen sich das Telekomunternehmen Sunrise und 175 Einwohnerinnen und Einwohner von Grub SG und Grub AR gegenüber.

«Höchstwahrscheinlich hat 5G nicht nur thermische, sondern auch biologische Effekte auf Mensch und Tier», sagt der Jurist Patric Looser aus Grub SG. Bei dieser neuen Technologie werden im Gegensatz zum herkömmlichen 3G- und 4G-Mobilfunk viel höhere Frequenzen und eine grössere Bandbreite verwendet. Das heisst: Die höheren Frequenzen erhitzen den Körper widernatürlich.

Patric Looser hat sich intensiv mit 5G auseinandergesetzt und in seinen Weihnachtsferien eine 25-seitige Baueinsprache verfasst. Der Grund: Sunrise hat im Dezember ein Baugesuch bei der Gemeinde Eggersriet eingereicht. In der Nähe des beliebten Ausflugsziels Rossbüchel, im Gebiet Fürschwendi in Grub SG, will das zweitgrösste Schweizer Telekommunikationsunternehmen eine 5G-Mobilfunkantenne errichten.

Auf diesem Hochspannungsmast im Gebiet Fürschwendi will Sunrise eine 5G-Mobilfunkantenne errichten.

Auf diesem Hochspannungsmast im Gebiet Fürschwendi will Sunrise eine 5G-Mobilfunkantenne errichten.

Bild: Patric Looser (17. Januar 2021)

350 Flyer wurden verteilt

Alle Personen im Umkreis von 1,6 Kilometern um die geplante Mobilfunkantenne hatten zwischen dem 4. bis 18. Januar die Möglichkeit, Einsprache zu erheben. Als Direktbetroffener habe er 350 Haushalte mit einem Flyer bedient und dazu aufgefordert, sagt Looser. Zudem hat der Jurist im Mitteilungsblatt der Gemeinde ein Inserat aufgegeben.

In erster Linie seien es grosse gesundheitliche Bedenken vor der Strahlung. Eine Mobilfunkantenne in der Nachbarschaft mindere zudem den Wert der Liegenschaften. Zuletzt wohne er in einem schönen Naherholungsgebiet beim Fünfländerblick, nennt Looser ein weiteres Argument für die Einsprache.

«Ich setze mich dafür ein, dass dies auch so bleibt.»
Hoch hinaus mit Blick auf den Bodensee: Der Jurist Patric Looser und seine Frau, die Ärztin Jolin Fischer, kämpfen für das Erholungsgebiet.

Hoch hinaus mit Blick auf den Bodensee: Der Jurist Patric Looser und seine Frau, die Ärztin Jolin Fischer, kämpfen für das Erholungsgebiet.

Bild: PD

Er ist nicht allein. Die Einsprechenden kommen aus allen Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen: Polizisten, Ärzte, Pflegefachkräfte und Landwirte.

Ein Gruber macht jedoch nicht mit. Die landwirtschaftliche Parzelle, auf der Sunrise die 5G-Antenne erstellen will, gehört einem Bauern. Er habe sich ihrer Einsprache bis heute nicht angeschlossen, sagt Looser.

Kühlschrank muss nicht Milch bestellen können

Die Schweizer Kundinnen und Kunden gehören zur Weltspitze bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Telekomdienste und Informationstechnologien. Die neuesten Geräte wie das 5G-fähige iPhone 12 verkauften sich sehr gut, sagt Sunrise-Mediensprecher Rolf Ziebold. Die Schweizer Qualitätsansprüche seien hoch. Nicht nur an die Geräte, sondern auch an das Netz.

«Wir schulden unseren zahlenden Kunden die beste Netzqualität und die neuesten Technologien beim Mobilfunknetz.»

Der mobile Datenverkehr verdoppele sich alle 18 Monate. Sunrise baue und plane überall dort zusätzliche Standorte, wo Versorgungslücken geschlossen und vor allem zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden müssten.

«5G braucht der gewöhnliche Bürger sicher nicht», sagt hingegen Patric Looser. Er sei weder ein Freund von selbstfahrenden Autos, noch müsse sein Kühlschrank bei der Migros Milch und Butter bestellen können. Viel gescheiter als 5G wäre es, wenn der Ausbau des Glasfasernetzes vorangetrieben wird, sagt er. Sollte die Industrie einen Bedarf für 5G haben, so könnte dies örtlich begrenzt in Industriegebieten eingerichtet werden.

Der Gemeinderat muss jetzt schlichten

Der Gemeinderat von Eggersriet wird nun über das Baugesuch befinden. «Ich denke, dass wir realistische Chancen haben, dass Sunrise die 5G-Antenne am geplanten Ort im Wohn- und Erholungsgebiet nicht aufstellen kann», sagt Looser.

Die Einsprachen werden abgewiesen, sagt hingegen Rolf Ziebold von Sunrise. Wenn ein Projekt alle Auflagen erfülle, bestehe ein Rechtsanspruch auf eine Baubewilligung. Gab es in der Region St.Gallen Antennen, die nicht gebaut werden konnten aufgrund der Beschwerden seitens der Einwohner? Ziebold sagt:

«Uns sind keine solchen Fälle aus den letzten Jahren bekannt.»

Wenn die international empfohlenen Grenzwerte eingehalten seien, seien keine gesundheitlichen Risiken zu erwarten. Das gelte auch für 5G, sagt Ziebold. Die Schweiz gehe dabei viel weiter. Die Grenzwerte hier seien im Vergleich zum Ausland zehnfach strenger.