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Gaiserwalder Gemeindepräsident hört sich die Sorgen der Bürger an

Sechs Mal pro Jahr geht der Gaiserwalder Gemeindepräsident Boris Tschirky in die Dörfer und hört sich die einzelnen Probleme an. Die Kontaktstunden bereiten ihm Freude – auch wenn er nicht immer helfen kann.
Sebastian Schneider
Gesprächsstunde mit dem Gemeindepräsidenten: Boris Tschirky bespricht mit einem Bürger dessen Anliegen. (Bild: Ralph Ribi)

Gesprächsstunde mit dem Gemeindepräsidenten: Boris Tschirky bespricht mit einem Bürger dessen Anliegen. (Bild: Ralph Ribi)

«Es gibt genügend Leute, die einfach nicken und allem zustimmen», findet ein Bürger aus Engelburg. Nun wolle er selber aktiv werden und sich für die Sache einsetzen. Die Sache, das ist die Deponie Tüfentobel. «Seit 60 Jahren bereits ist sie in unserem Dorf, und jetzt soll sie noch erweitert werden», beklagt sich der Pensionär. Nun sei es Zeit, seine Bedenken als Anwohner direkt beim Gemeindepräsidenten zu deponieren. «Wenn es die Gelegenheit schon gibt», findet der Mann und läuft im Ortsmuseum in St. Josefen die Treppe hinauf in den ersten Stock. Dort sitzt Boris Tschirky und wartet auf den nächsten Bürger, der mit einer Bitte oder einem Hinweis an ihn herantritt.

Sechs Mal pro Jahr gibt es diese Gesprächsstunden in der Gemeinde Gaiserwald, je zwei Mal in Abtwil, Engelburg und St. Josefen. Denn Turnus macht Tschirky, «um in den Dörfern zu sein», wie er es selber ausdrückt. An diesem Dienstagabend ist der Gemeindehäuptling in St.Josefen anzutreffen, einige Bürger haben sich im Foyer eingefunden und warten, bis sie an der Reihe sind.

Fehlender Veloweg und Geld für alle

«Wie lange dauert Ihr Anliegen?», fragt ein wartendes Paar eine Dame. «Nicht lange», meint diese und verrät, was sie mit Tschirky besprechen will. Sie habe sich vertieft mit dem bedingungslosen Grundeinkommen befasst.

«Schön wäre, wir könnten in Gaiserwald eine Testphase durchführen.»

Nun sei sie gespannt, was Boris Tschirky dazu sage und was er damit anfangen werde. Das Paar findet die Idee nicht einmal so schlecht; das Geld jedenfalls würde er nehmen, scherzt der Partner.

Sein Anliegen ist gleichwohl ein ganz anderes. Jetzt, da die Velo-Initiative klar angenommen wurde, dürfte es auf offene Ohren stossen, ist er sich sicher. Zwischen Engelburg und dem Waldkircher Weiler Schöntal fehle schlichtweg ein Abschnitt des Veloweges. Er und seine Partnerin hätten nun E-Bikes und führen oft über Wittenbach zum See. Sein Problem liegt zwar auf Waldkirch Boden, doch: «Boris Tschirky kann seinem Waldkircher Kollegen gewiss mein Anliegen erklären. Sein Wort hat mehr Gewicht als meines», sagt der Mann.

Vom Problemlöser bis zum Seelendoktor

Die meisten nutzen zum ersten Mal die Kontaktstunden mit den Gemeindepräsidenten. Eine Ausnahme bildet an diesem Abend ein Pensionär, der Alterswohnungen in Engelburg bauen will. «Ich habe viele Eigenschaften, aber Geduld habe ich keine», sagt der Mann, der bereits fünf Minuten früher erschien, um als erster mit Tschirky sprechen zu können.

Einsprachen hätten sein Bauprojekt ausgebremst. Vollständig bereinigt seien sie noch nicht. Jede Einzelheit aus dem Gespräch mit Tschirky erläutert er nicht. Doch er macht einen zufriedenen Eindruck und verlässt das Museum.

«Ja, dieser Pensionär gehört zu den Routiniers», sagt Boris Tschirky nach der guten Stunde mit vier Gesprächen und lacht. Er mache diese Kontaktstunden gerne. So trete er in direkten Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern und werde auf Dinge aufmerksam gemacht, die ihm sonst nicht auffielen. Die meisten Anliegen betreffen laut Tschirky den Verkehr und das Bauen. Zuweilen könne man rasch und unkompliziert Probleme lösen.

So beklagte sich einst etwa ein Rollstuhlfahrer, dass es ihm Mühe bereite, über einen Randstein zu rollen. «Daraufhin haben wir den Randstein abgerundet», sagt Tschirky. Ein anderes Mal wurde nach dem Gespräch eine Tempo-Mess-Tafel aufgestellt – an einer Strasse, auf der oft zu schnell gefahren worden wäre.

Jeder erhält eine Antwort

Doch so konkret sind die Anliegen nicht immer. Was zum Beispiel unternimmt nun der Gemeindepräsident fürs bedingungslose Grundeinkommen? Zuerst einmal werde er recherchieren, wie es in der Zürcher Gemeinde Rheinau aussieht, wo ein solcher Test durchgeführt werden soll, sagt Tschirky. «Eine Antwort bekommen alle, die zur Kontaktstunde kommen», versichert er, «und zwar entweder direkt während des Gesprächs oder im Nachgang per Telefon oder E-Mail.»

Doch es gibt auch Fälle, in denen Boris Tschirky als Mensch gefordert wird. Manche Bürgerinnen und Bürger trügen nämlich persönliche oder familiäre Probleme an den Gemeindepräsidenten. Was ja auch schön sei, findet dieser.

«Das bedeutet, dass man mir vertraut.»

Doch in solchen Fällen könne er letztlich nur zuhören, einen Ratschlag geben – und schweigen.

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