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St.Galler Velolieferdienst: Noch in der Pilotphase kommt das Jahresabo

Die Nachfrage ist noch nicht so gross wie gewünscht: Dennoch baut der Lieferdienst viaVelo mit einem Jahresabo sein Angebot aus. Und er gewinnt Stadtpräsidentin Maria Pappa als Werbegesicht.

Diana Hagmann-Bula
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Weiterarbeiten, weitershoppen oder ins Kino gehen und den Transport dem Kurier überlassen: Mit einem Lastenvelo bringt er die Einkäufe zum vereinbarten Zeitpunkt nach Hause oder ins Büro.

Weiterarbeiten, weitershoppen oder ins Kino gehen und den Transport dem Kurier überlassen: Mit einem Lastenvelo bringt er die Einkäufe zum vereinbarten Zeitpunkt nach Hause oder ins Büro.

Bild: PD

Stadtpräsidentin Maria Pappa hat den Ruf, eine volksnahe Politikerin zu sein. Und das nicht erst, seit sie während der Coronakrawalle an Ostern auf der Strasse unzufriedenen Jugendlichen zuhörte. Nun beweist sie es ein weiteres Mal: Für den St.Galler Velolieferdienst viaVelo springt die Politikerin als Schauspielerin ein.

Stadtpräsidentin Maria Pappa wirbt in einem Film für den St.Galler Velolieferdienst viaVelo.

Stadtpräsidentin Maria Pappa wirbt in einem Film für den St.Galler Velolieferdienst viaVelo.

Bild: Benjamin Manser

In einem halbminütigen Werbefilm demonstriert sie, wie das Angebot funktioniert. Sie verlässt ihr Büro, kauft im Stadtladen Getreideflocken, Fenchel und anderes ein, bezahlt, meldet per App die Lieferung beim Velokurierdienst an und kehrt an ihren Arbeitsplatz zurück. Während sie sich dem nächsten Dossier widmet, holt ein Velokurier die Einkäufe der Stadtpräsidentin ab und bringt sie ihr abends oder zu einem anderen gewünschten Termin an die Haustüre.

Zeit gespart, kein schweres Schleppen, flexibler im Alltag: Der Dienst viaVelo soll das Einkaufen in der Stadt attraktiver machen. «Man lässt die Taschen im Geschäft, kauft noch weiter ein, geht ins Kino oder trifft sich mit jemandem zum Kaffee», nennt Karin Hungerbühler, Leiterin Umwelt und Energie Stadt St.Gallen, mögliche Vorteile. Auch die Umwelt schonen will man damit. Wer den Transport des Einkaufs dem Velokurier überlässt, spaziert vielleicht in die Stadt oder wählt den Bus statt das Auto.

Stadtpräsidentin Maria Pappa im Werbefilm für den St.Galler Velolieferdienst viaVelo.

Video: Youtube

Seit zehn Monaten kann in der St.Galler Innenstadt so einkaufen, wer möchte. Bisher beauftragen vor allem Geschäfte die Velokuriere.

25 Läden – vom Blumen- über Kleidergeschäft bis hin zum Warenhaus Manor – unterstützen viaVelo unterdessen. «Wir freuen uns, wenn mehr Leute das Angebot nutzen und sich auch weitere Geschäfte anschliessen», erklärt Hungerbühler, weshalb man sich nun zu diesem Imagefilm entschieden habe.

Noch steht das Projekt mitten in der dreijährigen Pilotphase, bald ist ein Jahr vorüber. Zeit, erste Bilanz zu ziehen. Und auf Kundenwünsche zu reagieren.

Wocheneinkäufe, Blumen, Gemüse – aber wenig private Auftraggeber

«Beim Velokurierdienst Die Fliege gingen immer wieder Anfragen wegen eines Jahresabos ein. Wir machen es nun möglich», sagt Hungerbühler. Eine einzelne Lieferung von ein bis zwei Einkaufstaschen mit insgesamt 20 Kilogramm Gewicht kostet fünf Franken. Neu kann 180 Franken pro Jahr bezahlen, wer das Angebot oft und unbegrenzt nutzen will.

Beliefert werden Adressen mit Postleitzahl 9000 bis 9016. Der Lieferdienst ist aus dem Standortförderungsprojekt «Zukunft St.Galler Innenstadt» hervorgegangen. Die Stadt, die Agglo St.Gallen–Bodensee, Pro City St.Gallen und der Velokurier Fliege haben es gemeinsam lanciert.

Das Warten auf Mütter und die Grossen

«Dass die Lieferung per Velo ein Bedürfnis ist, wissen wir. Nun müssen nur noch Private vermehrt an uns denken, wenn sie ein Logistikproblem zu lösen haben», sagt Sebastian Schefer, Co-Geschäftsleiter des Velokuriers Die Fliege. Mit Jahresabo und Werbefilm wolle man sich diesem Ziel nun annähern.

Besonders oft transportieren die Kuriere Wocheneinkäufe, Blumen und Gemüse. Zehn bis 20 Sendungen pro Woche bringen sie ans gewünschte Ziel. Schefer: «Im Pilotprojekt sind 40 bis 50 Sendungen kalkuliert. Noch haben wir Zeit, das zu erreichen. Der Versuch endet erst 2023.» Er hofft etwa auf Mütter, die mit Kinderwagen unterwegs sind, und nicht auch noch zwei Taschen schleppen möchten. «Sie könnten den Transport der Ware ganz einfach an uns auslagern.»

Schefer hofft zudem, dass 2023 auch Detailhändler wie Migros und Coop in St.Gallen per Velokurier ausliefern lassen.

www.viavelo.sg