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Einige sind wütend, andere überrascht: So lief der Infoanlass zum Altersheim-Provisorium in Gossau

150 Gossauer informierten sich am Dienstagabend über das provisorische Altersheim. Einige sind wütend auf den Einsprecher, der mit seinen Einsprachen einen Neubau verhindert.
Melissa Müller
Voller Saal im Andreaszentrum: Gossauerinnen und Gossauer stellen Fragen zu den beiden veralteten Altersheimen Espel und Schwalbe. Sie sollen zusammengelegt werden. (Bild: mem)

Voller Saal im Andreaszentrum: Gossauerinnen und Gossauer stellen Fragen zu den beiden veralteten Altersheimen Espel und Schwalbe. Sie sollen zusammengelegt werden. (Bild: mem)

Zwei ältere Herren verdrehen die Augen. «Hoffentlich erleben wir es noch, dass Gossau ein neues Alterszentrum erhält», sagt der eine. Der andere schüttelt den Kopf. «Ein Irrsinn, dass ein einziger Mann ein wichtiges Bauprojekt so lange verhindern kann.» Die Rede ist von Alex K. Fürer. Seit Jahren kämpft der Rentner gegen den geplanten Altersheim-Neubau in der Innenstadt. Zwar nicht allein, doch er vertritt die Rekurrenten in der Öffentlichkeit. Obwohl das Projekt blockiert ist, muss der Verwaltungsrat der Sana Fürstenland handeln: «Eine schnelle Übergangslösung muss her», sagt Präsidentin Kathrin Hilber. Sie informierte am Dienstag im vollen Andreaszentrum über das geplante Provisorium «Schwalbe Plus» (Ausgabe vom 4.September). Das Alterheim Espel ist in einem schlechten baulichen Zustand. Die engen, fast schmuddligen Zimmer ohne WC seien nicht mehr zeitgemäss.

«Kreative Übergangs­lösung»

In einem Jahr soll es soweit sein: Die Altersheime Espel und Schwalbe werden zusammengelegt. An die Schwalbe werden 37 fixfertige Einzelzimmermodule angebaut. Kathrin Hilber spricht von einer «kreativen Übergangslösung, bis der Neubau auf dem Andreas-Areal endlich bezogen werden kann.»

Ein pensionierter Ingenieur hört aufmerksam zu. «Ich bin überrascht», sagt der 78-Jährige. Die Behörden versuchten das Beste aus der schwierigen Situation zu machen. Der Gossauer hofft, dass er und seine Frau nie ins Altersheim müssen, «aber man weiss nie.» Darum will er sich ein Bild der Container machen. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da gemütlich ist.» Die Module wirkten wie normale Zimmer, sagt Ursina Girsberger, die Geschäftsleiterin der Sana Fürstenland AG. Die zwei Teams der Betagtenheime müssten aber in nur einem Jahr zusammenfinden. «Da treffen zwei Kulturen aufeinander», sagt Ursina Girsberger. Da mit dem Umzug zehn bis zwölf Stellen wegfallen, seien die Mitarbeitenden im Espel teilweise verunsichert. Auch manchen Bewohnern sei etwas mulmig, dass sie im hohen Alter noch einmal zügeln müssen. «Veränderungen sind nie einfach, viele tun sich schwer damit.»

Etliche haben das Espel lieb gewonnen. Eine junge Frau verteidigt es: sie finde es nicht weiter schlimm, dass der Boden «abgelatscht» sei. Ihre Mutter, die im Espel wohne, sei froh, dass sie Kühe sehen könne, wenn sie aus dem Fenster schaue. «Und dass es da noch nach Land schmöckt.» Zudem sei die Betreuung persönlich. «Was soll mit dem Espel geschehen?», will einer wissen. «Es gehört der Stadt und liegt in der Landwirtschaftszone», erläutert Stadtpräsident Wolfgang Giella. Das Haus werde zurückgebaut und mache einer Wiese Platz. «Für no e chli meh Chüe», fügt er ironisch hinzu. «Warum baut man die beiden Betagtenheime nicht einfach fix am Standort der Schwalbe hin?», fragt jemand. Das gehe nicht, sagt Hilber. Die Container könne man nur hinstellen, weil die Nachbarschaft der Sana Fürstenland in der Notsituation entgegenkomme.

«Man muss sich schämen»

«Und wie reagieren Sie, wenn der Rekurs zurückgezogen wird?» Selbst dann, sagt Hilber, «müssen wir das Provisorium erstellen. Denn es dauert mindestens fünf Jahre, bis wir auf dem Andreas-Areal bauen können. So lange wird es das Espel nicht mehr geben.» Worauf Stadtpräsident Giella anfügt, dass ihn das Altersheim an die Glauser-Verfilmung «Matto regiert» erinnere. «Es sieht aus wie in den 1940-er-Jahren. Man muss sich schämen für so etwas.» Der Gossauer Finanzchef Heinz Loretini, als Präsident der GHG (Gemeinnützige und Hilfs-Gesellschaft der Stadt St.Gallen) auch Herr über mehrere andere Heime, hält eine flammende Rede: «Es zerreisst mir das Herz, wenn ich diese Zimmer im Espel sehe. Ich will, dass wir etwas für unsere Alten machen. Dass sie es genau so schön haben, wie wir es gern für uns hätten.» Worauf die meist grau melierten Bürgerinnen und Bürger erfreut applaudieren.

Beim Apéro wird angeregt weiter diskutiert. Einige haben Bedenken, weil das Personal der «Schwalbe Plus» bei der Pauluskirche parkieren darf. «Dann fehlt es an Parkplätzen, und die Polizei verteilt Bussen nach der Beerdigung», meint eine Skeptikerin. Vor allem aber lassen manche ihrer Wut freien Lauf auf den Mann, der Schuld sein soll an der Misere. Eine Frau bemerkt: «Wenn ich Alex K. Fürer wäre, würde ich mich in Gossau nicht mehr auf die Strasse getrauen.»

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