Saalmieten in der Region Rorschach: Einheimische zahlen weniger

Nach der Kritik an den Preisen des Rorschacher Stadthofsaals stellt sich die Frage, wie andere Gemeinden vorgehen. Eine nicht abschliessende Umfrage zeigt: Die Mieten sind für Auswärtige höher, lokale Vereine profitieren. Aber nicht überall gleich.

Laura Manser, Martin Rechsteiner
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Veranstaltung im Rorschacher Stadthofsaal. (Bild: Rudolf Hirtl)

Veranstaltung im Rorschacher Stadthofsaal. (Bild: Rudolf Hirtl)

In Rorschach hat es Kritik gegeben wegen der Preise, welche die Stadt für den Stadthofsaal verlangt. Ein Veranstalter erklärte, er könne es sich aufgrund der hohen Saalmiete nicht mehr leisten, in die Hafenstadt zu kommen (Ausgabe vom 10. Januar). Dass Gemeinden für die Miete, die sie für ihre Infrastruktur verlangen, kritisiert werden, gibt es hier und dort.

In Gossau zum Beispiel wurden die Mietpreise des Fürstenlandsaals in den vergangenen zwei Jahren zum Politikum. Die Stadt lenkte kürzlich ein und senkte die Mieten für Vereine aus ihrem Gebiet. 

Verschiedene Meinungen zum «Stadthof» bei Vereinen

Auch der Stadthofsaal in Rorschach beschäftigte die Politik: Die Stadt hat bei ihrer Übernahme der Anlage die Lokalparteien und Vereine durch eine Vernehmlassung in die Nutzungs- und Preisbestimmung eingebunden. Dafür kursierte ein Papier mit einer Aufstellung der Stadt, zu welchen Konditionen der Stadthofsaal an Veranstalter vermietet werden soll. «Wir haben darauf keine negativen Rückmeldungen erhalten», sagte vor kurzem Markus Fäh, Leiter des zuständigen Amtes Bau und Entwicklung.

Eine kürzliche Nachfrage bei Vereinen der Hafenstadt führte zu verschiedenen Ergebnissen. So finden einige die Preisgestaltung «sehr fair», für andere ist die Miete «viel zu hoch, für das, was der Saal bietet.»

FÖRDERUNG: Vereine zahlen nur selten Miete

Vereine in Rorschacherberg müssen bald keine Miete mehr für die Benutzung von Räumen und Hallen bezahlen. Auch andere Dörfer regeln dies so. Nur in zwei Gemeinden erhalten Vereine Rechnungen.
Perrine Woodtli

Die Mietpreise seien «nach dem Kostendeckungsprinzip» gerichtet, sagt Fäh. Rorschach habe sich zudem bei der Festlegung an den Nachbargemeinden orientiert, etwa an der Mehrzweckhalle Rorschacherberg oder an der Aula Goldach. Doch zu welchen Preisen stellen andere Gemeinden in der Region ihre Infrastruktur für Veranstaltungen zur Verfügung?

Um es vorweg zu nehmen: Ein direkter Vergleich ist aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheiten der Anlagen und der verschiedenen Mietkonditionen kaum möglich. Deshalb ist in diesem Bericht ein einzelnes Angebot pro Gemeinde in der Region beschrieben. Es soll einen Einblick geben, welche Kosten die Gemeinden bei der Vermietung ihrer Infrastruktur verrechnen. Die regelmässige Miete der Vereine zum Beispiel von Mehrzweckhallen zur Ausübung von Sport ist nicht berücksichtigt.

Rorschach: Stadthofsaal

Bild: mre

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Die Preise für den Rorschacher Stadthofsaal, der bis zu 484 Plätze verfügt, sind noch nicht offiziell. Folgende Preisgestaltung ist derzeit etwa Praxis: Für Einheimische ohne kommerzielle Absichten kostet er 500 Franken pro Tag. Sie können den Saal einmal im Jahr gratis nutzen, ebenfalls die Ortsbürgergemeinde oder die Kirche. Auswärtige ohne gewerbsmässigen Hintergrund bezahlen 700 Franken, sonst 1050 Franken. Office und Geschirr können für 250 bis 750 Franken dazugemietet werden. Extra kosten zudem die Bestuhlung und Videoprojektoren. 

Goldach: Aula

Bild: lam

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Der Mietgrundpreis der Aula Goldach beläuft sich auf 30 Franken pro Stunde. Mit Konzertbestuhlung passen maximal 300 Personen in die Räumlichkeit. Tische aller Art, eine Leinwand und die Bestuhlung wird ohne Tarif zur Verfügung gestellt. Für weitere Zubehöre wie Zwischenwände, Bühnenlicht, Beamer oder Hellraumprojektor muss zusätzlich gezahlt werden. Die Infrastruktur kann von Goldacher Vereinen und Organisationen, welche die Jugend fördern oder sich für die Allgemeinheit einsetzen, sowie von der Kirch- und der Ortsgemeinde Goldach gratis genutzt werden. 

Rorschacherberg: Mehrzweckhalle

Bild: mre

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1200 Personen passen in die gesamte Anlage der Mehrzweckhalle Rorschacherberg. Wer sie komplett mieten will, bezahlt pro Tag 1200 Franken. 400 Franken kommen für die Küche inklusive Geschirr hinzu und weitere 100 Franken für die Bühne. Für auswärtige Mieter, welche die MZH kommerziell nutzen wollen, sind die Tarife 50 Prozent höher, also 1800 Franken für die Halle, 600 Franken für die Küche und 150 Franken für die Bühne. Schule, Feuerwehr, Gemeindebetriebe und das Haus zum Seeblick können die Anlage gratis mieten. 

Steinach: Gemeindesaal

Bild: lam

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Der Gemeindesaal Steinach bietet Platz für bis zu 500 Sitzplätze oder bis zu 750 Stehplätze, je nach Anlass. Wenn Einheimische der Gemeinde Steinach den Saal mieten, betragen die Gebühren 500 Franken. Für diesen Preis kann die Räumlichkeit einen ganzen Tag lang beansprucht werden. Bei auswärtigen Mietern wird der Tarif für die gleiche Zeitspanne verdreifacht. Für den zusätzlichen Gebrauch von Küche, Beamer und Grill oder wenn die Leistungen eines Hauswarts beansprucht werden, fallen bei beiden Miettypen Zusatzkosten an.

Horn: Mehrzweckhalle

Bild: lam

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In Horn kann die Mehrzweckhalle von Einheimischen für nicht kommerzielle Anlässe kostenlos genutzt werden. Dabei sind auch Zubehör wie Bühne oder Foyer inbegriffen. Auswärtige ohne geschäftliches Ziel zahlen pro Tag einen Preis von 140 Franken. Bei kommerzieller Nutzung bezahlen Einheimische einen Betrag von 140 Franken, Auswärtige zahlen 250 Franken. Hinzu kommt die Miete für Zusätze wie die Bühne, der Mehrzweckraum, das Foyer oder das Musikzimmer. Die Garderobe kann von allen gratis beansprucht werden. 

Tübach: Mehrzweckhalle

Bild: lam

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In Tübach kann die Mehrzweckhalle von ortsansässigen Organisationen kostenlos genutzt werden, wenn sie sich für gemeinnützige Zwecke treffen. Ansonsten kostet die Turnhalle für Einheimische 250 Franken pro Tag. Auswärtige Mieter werden nur bei öffentlichen Anlässen, wie bei einem Maskenball, akzeptiert und zahlen pro Tag das Doppelte wie Tübacher. Die Turnhalle hat Platz für maximal 500 Personen und kann auch mit Arche, Saal oder Küche (mit oder ohne Kochgeräte) gemietet werden, was allerdings zusätzlich kostet. 

Mörschwil: Gemeindezentrum

Bild: mre

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Nimmt man den grossen und den kleinen Saal sowie Foyer und Galerie des Gemeindezentrums Mörschwil zusammen, fasst es 360 Personen. Für Auswärtige kostet die Miete für einen Tag 500 Franken, für Vereine aus Mörschwil 400. Inbegriffen sind die Bestuhlung sowie aufgestellte Tische nach Wunsch. Wer Geschirr braucht, kann dieses für 1 Franken pro Einheit mieten. Die Benutzung des Abwaschraums, der Mikrofonanlage und der Beleuchtung kosten zusätzlich je 50 Franken. Beamer und Leinwand werden für 130 Franken vermietet. (mre)

Untereggen: Mehrzweckhalle Spielbüel

Bild: mre

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Die MZH Untereggen fasst inklusive dem Zusatzraum Dorfstube sowie einem Office 500 Personen. Für eine Tagesmiete bezahlen einheimische Nutzer 190 Franken, Auswärtige 450 Franken. Hinzu kommen Gebühren, etwa für die Bühne oder die Bestuhlung, wofür Einheimische je 50, Auswärtige je 150 Franken bezahlen. Falls in der Halle eine Bodenabdeckung nötig ist, kostet diese für ortsansässige Nutzer 100, für Auswärtige 150 Franken. Für Grossanlässe wird für Einheimische eine Betragsgrenze von 350 Franken gewährt.

Rheineck: Sporthalle Kugelwis

Bild: mre

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Die Stadt Rheineck unterscheidet bei der Vermietung der Sporthalle mit 400 Plätzen: Ist es ein ortsansässiger Verein bezahlt er für eine Veranstaltung ohne Einnahmen nichts. Will er Einnahmen machen, sind es 320 Franken pro Tag. Auswärtige ohne kommerzielle Absichten bezahlen dasselbe. Machen sie Einnahmen, sind es 630 Franken. Muss eine Bodenabdeckung verlegt werden, bezahlen Auswärtige zudem 600 Franken für deren Miete. Lassen sie sie vom Abwart verlegen, kostet es zusätzlich 560 Franken – das gilt auch für Ortsansässige. 

Thal: Doppelturnhalle Buechen

Bild: mre

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Je nach Anlass und Bestuhlung fasst die Doppelturnhalle Buechen zwischen 600 und 1000 Personen. Thaler, die sie für einen Tag komplett mieten wollen, bezahlen 300 Franken. Im Preis inbegriffen ist die Benutzung des Festwirtschaftsinventars (Bänke, Kochherd, Geschirr etc.) sowie der Bühnenräume. Für Veranstaltungen von auswärtigen oder kommerziellen Organisationen gilt der doppelte Miettarif, also 600 Franken. Die Bodenabdeckung kostet 30 Franken und Arbeiten, die der Hauswart übernehmen muss, 30 Franken pro Stunde.