Einfamilienhäuser in Gossau sind begehrt und selten zu haben 

Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen in Gossau werden teurer – auch im Vergleich zu den Nachbarn.

Daniel Wirth
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Im Gebiet Fenn-Geissberg entstehen Einfamilienhäuser mit Blick auf den Alpstein.

Im Gebiet Fenn-Geissberg entstehen Einfamilienhäuser mit Blick auf den Alpstein.

Bild: Michel Canonica (9.Januar 2020)

Im dritten Quartal 2019 hat ein Einfamilienhaus in Gossau im Durchschnitt für 1,237 Millionen Franken die Hand gewechselt, eine Eigentumswohnung konnte im Mittel für 747000 Franken verkauft werden. Tendenz: steigend. Das geht aus dem jüngsten Immobilienmarktbericht hervor, den die Beratungsfirma Wüest Partner im Auftrag der St.Galler Kantonalbank (SGKB) erarbeitete und der diese Woche publiziert worden ist.

Je ländlicher, desto mehr Eigenheime

In Gossau seien die Preisanstiege bei den Eigentumswohnungen im Vergleich mit dem Vorjahr namhaft, heisst es im Bericht. Wie in der gesamten Region St.Gallen ist auch in Gossau die Nachfrage nach Eigentumswohnungen grösser als das Angebot. Gemäss Bericht gibt es in der Stadt rund 8700 Wohneinheiten (Stand 2016). Davon sind 36 Prozent Eigentumswohnungen oder Einfamilienhäuser. Zum Vergleich: In der Stadt St.Gallen liegt dieser Wert bei 22,7 Prozent, in Muolen bei satten 66,7 Prozent. Das heisst: Je ländlicher, desto mehr Eigenheime.

Stadträtin Gaby Krapf-Gubser: «Einfamilienhäuser in Gossau sind begehrt.»

Stadträtin Gaby Krapf-Gubser: «Einfamilienhäuser in Gossau sind begehrt.»

Im Jahr 2016 wurden in Gossau 124 Wohneinheiten neu erstellt. Diese Zahl – sie umfasst Mietobjekte als auch Eigenheime – stützt sich gemäss Patrick Schnorf von Wüest Partner auf Erhebungen des Bundes und ist nicht aktueller erhältlich.

In Gossau gibt es fast kein freies Wohneigentum

Aktuell ist dafür dieser Gossauer Wert: Bei den Einfamilienhäusern auf Stadtgebiet beträgt die Angebotsziffer 0,9 Prozent.

Das heisst: Von 100 Einfamilienhäusern steht gegenwärtig lediglich eines zum Verkauf.

Gemäss Patrick Schnorf bedeutet das: Einfamilienhäuser in Gossau sind begehrt – und das bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis, der weit über dem kantonalen Mittelwert liegt. Stadträtin Gaby Krapf-Gubser, Vorsteherin des Departements Bau, Umwelt und Verkehr, sagt, das liege daran, dass die 18000-Einwohner-Stadt verkehrstechnisch sehr gut erschlossen sei und über ein gutes Schulangebot verfüge. Dem pflichtet Patrick Schnorf bei: «Gossau liegt günstig zu St.Gallen und Wil.»

Es fehlt an erschwinglichem Wohnraum

Gaby Krapf sagt, was in Gossau fehle, sei erschwinglicher Wohnraum. Diese Aussage kommt nicht von ungefähr. In Andwil beispielsweise, Gossaus 2000-Seelen-Nachbargemeinde, lag der durchschnittliche Preis für ein Einfamilienhaus gemäss Bericht der SGKB im dritten Quartal 2019 bei 1,039 Millionen Franken, also ziemlich genau 200000 Franken tiefer als in Gossau. Das ist gerade für junge Familien viel Geld, auch bei den aktuellen Tiefzinsen, die für Hypotheken bezahlt werden müssen.

In Häggenschwil, Waldkirch und Muolen sind Eigenheim ebenfalls Mangelware

Viele Einfamilienhäuser stehen allerdings auch in Andwil nicht zum Verkauf; die Angebotsziffer liegt wie in Gossau bei 0,9 Prozent. Noch weniger Einfamilienhäuser stehen gegenwärtig in Waldkirch und Häggenschwil zum Verkauf; die Angebotsziffer liegt in beiden Gemeinden bei tiefen 0,5 Prozent. Marginal besser sieht es in der Region Gossau bei den Eigentumswohnungen aus– was den Preis und das Angebot anbelangt. In Gossau liegt die Angebotsziffer bei 2,2 Prozent, in Andwil bei 1,6 Prozent, in Waldkirch bei 2,0 Prozent, in Häggenschwil bei 2,8 Prozent.

Auf dem Land ist es erschwinglicher

Die Preise, die im dritten Quartal 2019 für eine Eigentumswohnung bezahlt wurden, liegen in Gossaus Umland deutlich tiefer als in der Stadt selbst. In Andwil wechselte eine Eigentumswohnung im Durchschnitt für 696000 Franken in die Hand, in Häggenschwil wurden 630000 Franken bezahlt und in Waldkirch 585000 Franken, wobei in Waldkirch der Preis innerhalb eines Jahres um satte sieben nach oben schnellte. Dennoch: In Waldkirch kostet ein Eigenheim 200000 Franken weniger als in Gossau.