Einfache Anfrage
Gossauer Stadtrat will keine weiteren Massnahmen für die Förderung der Biodiversität erarbeiten: Vorstösser ist mit dieser Antwort nicht zufrieden

Stadtparlamentarier Florin Scherrer (CVP) will, dass der Gossauer Stadtrat einen Aktionsplan mit Massnahmen zur Förderung der Biodiversität erarbeitet. Der Stadtrat findet jedoch, Gossau mache schon genug. Er will aber ein neues Beratungsangebot für Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer einführen.

Perrine Woodtli
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Florin Scherrer will, dass der Gossauer Stadtrat die Biodiversität mehr fördert. Nur mit einer naturnahen Gestaltung könne diese im Siedlungsraum erhalten werden.

Florin Scherrer will, dass der Gossauer Stadtrat die Biodiversität mehr fördert. Nur mit einer naturnahen Gestaltung könne diese im Siedlungsraum erhalten werden.

Bild: Keystone/Arno Balzarini

Geht es nach Florin Scherrer, soll die Stadt Gossau mehr für die Biodiversität tun. Der CVP-Stadtparlamentarier hat im Sommer eine Einfache Anfrage eingereicht. Darin wollte er vom Stadtrat unter anderem wissen, ob dieser bereit ist, einen Aktionsplan mit Massnahmen zur Förderung der Biodiversität zu erarbeiten.

Florin Scherrer, Gossauer CVP-Stadtparlamentarier.

Florin Scherrer, Gossauer CVP-Stadtparlamentarier.

PD

Ein solcher Plan ist aus Scherrers Sicht dringend nötig. Mit der Bevölkerungszunahme und der damit verbundenen Verdichtung des Siedlungsgebietes nehme besonders der Nutzungsdruck auf die empfindlichen Grün- und Freiraumflächen stetig zu. Und das Potenzial, um die Biodiversität weiter zu fördern, sei immer noch riesig. Nun liegen die Antworten des Stadtrates vor.

Stadt nehme eine Vorreiterrolle ein

Dieser schreibt, die Stadt Gossau habe das kantonale Programm zur Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum zur Kenntnis genommen und prüfe dieses. Die Stadt unterstütze bereits heute diverse Massnahmen zur Förderung der Biodiversität, insbesondere auf städtischen Grundstücken sowie im Landwirtschaftsgebiet. So weise sie bei der Planung von Gewerbeneubauten die Bauherren auf biodiverse Anliegen hin und versuche, Vorschläge zu deren Umsetzung zu unterbreiten.

Der Aspekt der Biodiversität werde zudem in laufenden Planverfahren und Projekten so weit als möglich berücksichtigt und mache einen wichtigen Bestandteil der städtebaulichen Qualität aus. Betreffend Unterhalt und Pflege von öffentlichen Flächen nehme die Stadt Gossau seit längerer Zeit eine Vorreiterrolle ein, heisst es weiter. Zudem unterstütze die Stadt Gossau das Vernetzungsprojekt.

Auch die Schule befasst sich mit der Biodiversität

Die Schule Gossau setze sich ebenfalls mit der Biodiversität auseinander. Im Zusammenhang mit dem Projekt Klimaschule des OZ Rosenau seien während dieses Schuljahres verschiedene Projekte rund um das Schulhaus geplant, unter anderem Blumenwiesen und Trockenmauern. Im Schulhaus Hirschberg bauen Schülerinnen und Schüler im Verlauf des Winters mit Schreinern aus Gossau Insektenhotels.

Im OZ Buechenwald werden die Schülerinnen und Schüler während eines Jahres zudem Bäume im Jahreszyklus begleiten und so auf die Vielzahl einheimischer Bäume aufmerksam gemacht. Weiter besuchen zahlreiche Lehrpersonen mit ihren Klassen das Biotop Espel und zeigen den Kindern die Vielzahl an Insektenarten auf.

Beratungen sind erfolgversprechender als Aktionsplan

Er sei überzeugt, dass ein ergänzendes Beratungsangebot für Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer im Siedlungsgebiet erfolgversprechender sei als die Ausarbeitung eines Aktionsplans, schreibt der Stadtrat.

«Primär sollen die Grundeigentümer motiviert und angeleitet werden, ihre Umgebungsflächen ökologisch umzugestalten und entsprechend zu unterhalten.»

Der Stadtrat sei bereit, eine ausgewiesene, unabhängige Fachperson mit der Beratung privater Grundeigentümer zu beauftragen und auch die Kosten für die Erstberatung im Umfang von zwei Stunden und 300 Franken pro Fall zu übernehmen. Gehe man von maximal 50 Beratungen pro Jahr aus, würde die laufende Rechnung der Stadtentwicklung mit 15'000 Franken jährlich belastet.

Unabhängig vom Ausgang der Prüfung des kantonalen Förderprogramms erachte die Stadt Gossau ihre aktuelle Handhabe des Themas als pragmatisch und zweckmässig, schreibt der Stadtrat. «Das gewählte Vorgehen ist zudem kostenbewusst und effektiv.»

«Hätte mehr Tatendrang von der Stadt erwartet»

Mit den Antworten des Stadtrates ist Florin Scherrer nur teilweise zufrieden. Er hätte von der Stadt Gossau mehr Tatendrang erwartet, teilt er mit. Durch die sehr zurückhaltenden Antworten werde der Thematik Biodiversität aus Sicht einer modernen Stadt nicht genügend Rechnung getragen. Löblich sei, dass der Stadtrat ein Beratungsangebot für eine Erstberatung einführen möchte.

«Ernüchternd ist hingegen, dass der Stadtrat keinen Handlungsbedarf von stadteigenen Flächen erkennt», so Scherrer. So könnten beispielsweise eigene Grundstücke wie Teile der Bundwiese, Restflächen zwischen Dorfbach und Kantonsstrasse und viele weitere Flächen einfach biodivers erstellt werden.

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