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Einfach so reingeschlittert: Der Gossauer Erwin Schwizer ist ein Tausendsassa

Erwin Schwizer ist ein Getriebener, der sich im Leben auch viel hat treiben lassen. Vom Lackierermeister wurde er Segelschiff-Skipper, Reeder und Bauunternehmer auf Mallorca. Und holte das Gesangsfest nach Gossau.
Johannes Wey
Der Sextant war jahrelang Erwin Schwizers wichtigstes Arbeitsgerät. (Bild: Benjamin Manser)

Der Sextant war jahrelang Erwin Schwizers wichtigstes Arbeitsgerät. (Bild: Benjamin Manser)

Er wiegelt ab. «Ich weiss nicht, weshalb das spannend für Sie sein sollte», sagt Erwin Schwizer mehrmals. Und beginnt schliesslich doch zu erzählen, wie er zum Segeln fand. Sein erstes Boot kaufte er mit 17 mit einem Freund. «Ein steinalter Pirat, für den wir all unser Geld zusammenrafften.»

Nach zwei Minuten Fahrt seien sie im Wasser gelandet und der Kahn lag kieloben im Hallwilersee. Andere Segler seien ihnen dann zu Hilfe geeilt. «Danach wollte ich das Segeln richtig lernen», sagt der heute 68-Jährige.

Erfolgreich, auch im ungeliebten Beruf

Doch bevor die Schifffahrt zu seinem Broterwerb wurde, sollte noch viel passieren. Zunächst wurde Schwizer Lackierer und machte sich schon während der Lehre selbstständig – obwohl ihm der Beruf nie richtig gefiel.

«In dieser Hinsicht bin ich verrückt. Wenn ich etwas mache, dann richtig.»

Als er in die Rekrutenschule einrückte, war er bereits verheiratet und Familienvater. Doch noch vor seinem 40. Altersjahr machte sich eine Lösungsmittelallergie bemerkbar. Schwizer musste sich neu orientieren.

Ein Unternehmen nach dem anderen

Inzwischen hatte Schwizer seine zweite Frau gefunden. «Yvonne war die Erste, die mit meiner Verrücktheit umgehen konnte.» Als er sich an einer Messe nach einem neuen Boot umschaute, bekamen er und seine Frau ein Angebot, auf Mallorca als Skipper zu arbeiten. Die Leidenschaft fürs Segeln hatte die beiden zusammengebracht:

«Im Funkerkurs hat’s gefunkt.»

Auf Mallorca steuerten die beiden Segelschiffe mit Touristen. «Das war nichts für mich. Ich hatte noch nie als Angestellter gearbeitet», sagt Schwizer. Als er kündigen wollte, bekam er stattdessen die Gelegenheit, in Palma eine neue Niederlassung aufzubauen.

Wenige Jahre später machte er sich trotzdem selbstständig. Er fing an, die Yachten von Touristen zu warten und sie für deren Ankunft bereit zu machen. Schon bald kaufte er eigene Charterschiffe für Segeltörns. Und dann passierte, was in Erwin Schwizers Leben öfter passiert: «Ich schlitterte in allerlei rein.»

Um seine bis zu 24 Angestellten auch zu beschäftigen, wenn die Schiffe nicht im Hafen lagen, baute er ein Geschäft für Hauswartungen auf. Weil die Besitzer oftmals auch Umbauwünsche hatten, kam bald ein Bauunternehmen hinzu. Und als ihn Landsleute um Rat beim Yachtkauf fragten, hatte er ein neues Geschäftsfeld gefunden: Erwin und Yvonne Schwizer übernahmen die Vertretung einer Werft, die individuelle Luxusyachten anfertigt. Eine Aufgabe nach seinem Gusto:

«Man muss den Käufer studieren. Und vor allem seine Ehefrau. Und dann musste ich auf der Werft hin und wieder den bösen Mann spielen.»

Parallel dazu bot das Ehepaar mehrwöchige Segeltörns an: im Sommer durchs Mittelmeer, im Winter in die Karibik. Und «um ein Haar» hätte er auch Ketten mit Bäckereifilialen und Güggeliständen aufgebaut. «Eine verrückte Sache zum Laufen zu bringen, das macht mir die grösste Freude.»

Der Mann hinter dem Gesangsfest

Doch nach zwei Jahrzehnten hatte Schwizer immer mehr mit den negativen Seiten Mallorcas zu kämpfen. «Ich wurde mit der Korruption nicht mehr fertig.» Schlimmer als in Sizilien sei das gewesen, innovative Unternehmer wie er seien ausgepresst worden. Das habe ihn psychisch so belastet, dass er an einer hartnäckigen Schuppenflechte erkrankte.

Auch die Finca, in der zeitweilig auch drei der fünf erwachsenen Kinder des Ehepaars gelebt hatten, war zu gross geworden. «Sogar zu Hause waren wir ständig am Chrampfen.» Also kehrten sie zurück in die Schweiz, nach Gossau. Hier hatte Erwin Schwizer den ersten Teil seiner Kindheit verbracht, was man ihm heute nicht mehr anhört.

«Mein Cousin bot mir hier eine Stelle bei der Schwizer Immobilien AG an.» Mit 60 habe er sich darauf gefreut, die letzten Jahre als angestellter Hauswart zu arbeiten. Doch auch hier wollte er das Heft wieder selber in die Hand nehmen. «Wenn mich etwas stört, will ich das auch ändern.» So übernahm er nach einer Weiterbildung den Bereich Immobilienverwaltung.

Mittlerweile hat er das Pensionsalter erreicht, arbeitet aber noch immer in einem 65-Prozent-Pensum. Das Segeln vermisst er nicht. Denn so sehr sich Erwin Schwizer einer Sache mit vollem Einsatz verschreibt, so leicht fällt es ihm, mit einem Thema abzuschliessen.

Seine Frau hingegen gehe hin und wieder mit Schwizers Cousin auf den See. Für ihn wäre das nichts. «Ich fahre gerne weite Strecken, nicht im Kreis.»

Als echter Vereinsmeier – im Aargau war er Präsident des kantonalen Turnerverbands – fand er nach seiner Rückkehr nach Gossau Anschluss im Männerchor.

«Ich fühle mich am wohlsten, wenn ich unter 100 Leuten bin.»

Bald wurde er auch hier Vizepräsident im Kantonal-Gesangsverband. Und setzte seinen Kollegen im Männerchor den Floh ins Ohr, sich für das Schweizerische Gesangsfest 2022 zu bewerben. Im kommenden Jahr wird er voraussichtlich Präsident des Kantonalverbands. Also wieder viele Projekte für Schwizer, der es eben doch nicht ruhiger angehen kann. «Todlangweilig», wäre es ihm sonst.

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