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Stattkloster: Eine WG für Spirituelle

In wenigen Wochen bekommt St.Gallen ein neues Kloster. Darin leben keine Ordensmitglieder, sondern Studenten und Flüchtlinge, die dem religiösen Dialog einen hohen Stellenwert beimessen.
Seraina Hess
Wer im Stattkloster wohnen will, muss nicht religiös sein – aber an Religion interessiert. (Bild: Urs Bucher)

Wer im Stattkloster wohnen will, muss nicht religiös sein – aber an Religion interessiert. (Bild: Urs Bucher)

Rebekka Weber ist eine von zwei Studentinnen, die Anfang Januar in ein Zimmer an der Kirchgasse 16 ziehen. Dort werden sich die beiden ein Stockwerk mit einem weiteren Mitbewohner teilen – und, so hofft die 22-Jährige, Gleichgesinnte aus unterschiedlichsten Kulturen treffen. Weber wird Mitglied der Hausgemeinschaft Stattkloster, dem neuen Wohnangebot des ökumenischen Vereins Wirkraum Kirche. Auf fünf Stockwerken sollen Bewohner «auf Augenhöhe Leben und Glauben miteinander erproben», heisst es in einem Communiqué des Vereins.

Rebekka Weber will das, obschon sie sich nicht als Christin bezeichnet. «Ich habe aber christliche Wurzeln und bin spirituell interessiert», sagt die Gossauer Zweitwegmaturandin. «Ausserdem finde ich alternative Lebensformen spannend.»

Getrennte Etagen für Schweizer und Flüchtlinge

Die Gemeinschaft stehe im Stattkloster im Vordergrund, sagt Initiant und Leiter Kurt Pauli, der die Idee für die glaubensgeprägte multikulturelle Wohngemeinschaft von einer Weiterbildung in Berlin mitbrachte. Der Verein hat jetzt im Gebäude gegenüber der Kirche St. Mangen fünf Etagen angemietet. Während die ehemalige Werkstatt zwischen Gewölbekeller und Erdgeschoss zu einem öffentlichen Kiosk-Kafi umgebaut wird, befinden sich im Parterre Büros der Wirkraum-Zweigstellen. In der ersten Etage gibt es Vereins-Gästezimmer. In der zweiten befindet sich eine Wohnung mit vier Räumen für Flüchtlinge, in der dritten eine mit drei Zimmern für Schweizerinnen und Schweizer.

Die fehlende Durchmischung auf den beiden Wohnstockwerken ist am Infoabend auf Unverständnis gestossen und brachte den Stattkloster-Leiter in die Bredouille. Weshalb unterteilt der Verein die beiden Wohnetagen in ein Schweizer- und ein Flüchtlings-Stockwerk, wo doch Begriffe wie Begegnung, Augenhöhe, Gemeinschaft und multikultureller Dialog gross geschrieben werden? Kurt Pauli verweist auf das Konfliktpotenzial, das entschärft werden soll. «Dass dieses besteht, wenn Kulturen aufeinandertreffen, hat sich am Beispiel des Projekts in Berlin gezeigt.» Das enge Zusammenleben in der Hausgemeinschaft biete bereits genug Reibungsfläche. Pauli kann sich aber vorstellen, je nach Konstellation irgendwann doch Schweizer und Flüchtlinge gemeinsam einzuquartieren. Zu rechnen sei ohnehin mit einer hohen Fluktuation: 12 bis 18 Monate darf ein Mieter im Stattkloster wohnen, bevor er einem neuem weichen muss. «Damit das Haus am Puls der Zeit bleibt», begründet Pauli.

Noch fehlt nicht nur Rebekka Webers dritter Schweizer Mitbewohner. Auch die vier Zimmer in der Wohnung für Asylsuchende sind noch frei. Der Verein hat das Angebot bisher noch nicht im grossen Stil publik gemacht. «Wir werden uns aber demnächst bei Fachstellen und Sozialämtern melden», sagt Kurt Pauli. Das Angebot dürfte sowohl für Flüchtlinge als auch für Studierende interessant sein: Wirkraum Kirche hat die Räume des Altbaus sanft renovieren lassen, die Zimmer sind möbliert und kosten zwischen 600 und 700 Franken monatlich.

Der Verein sammelt die letzten Gelder

Um die Möblierung zu finanzieren, ist der Verein auf private Spenden in der Höhe von 11000 Franken angewiesen. Stiftungen haben bereits Mittel zur Verfügung gestellt, 100000 Franken hat der Verein für die Umsetzung des Stattklosters selbst in die Hand genommen. Exakt 33333 Franken für den Aufbau des Cafés im Zwischengeschoss sammelt der Verein über die Crowd­funding-Plattform 100 Days.

www.stattkloster.ch

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