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Lärmschutz: Eine Wand spaltet das Städtli Rheineck

Den Autobahnlärm einzudämmen, ist schon lange ein Wunsch der Rheinecker. Schallmessungen ergaben gar gesetzlich unzulässige Werte. Die derzeit montierten Wände kommen nur aber nicht gut an. Das Lärmproblem liege ganz woanders, sagen Kritiker.
Jolanda Riedener
Flüsterbelag und eine absorbierende, bis zu sechs Meter hohe Wand: Rheineck will sich gegen den Autobahnlärm schützen. Bis Ende Jahr dominiert aber noch der Baustellenlärm. (Bilder: Tino Dietsche)
Die Lärmschutzwände sollen sich dank nachempfundener Berglandschaften in die Umgebung einfügen.
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Eine Wand spaltet das Städtli

Langsam nimmt sie Form an, die Wand, die das Städtli Rheineck vom ewigen Autobahnlärm befreien soll. Gut einen Kilometer lang und fünf bis sechs Meter hoch erstreckt sie sich zwischen Autobahn und Bahngleisen. Auf Höhe der Raststätte St. Margrethen ist sie schon fertiggestellt, beim Bahnhof Rheineck stehen hingegen erst die Metallpfosten ohne Zwischenelemente.

«Also mir gefällt das überhaupt nicht», sagt Vasula Romano. Seit 22 Jahren lebt sie in Ruderbach bei Rheineck. Von ihrem Kleideränderungsatelier im Erdgeschoss führt der Blick unmittelbar an den Lärmschutzwall. Quelle des Lärms sei nicht die Autobahn, sondern der Güterzug und die stark befahrene Hauptstrasse, ist Romano überzeugt. «Manchmal vibriert es wie bei einem Erdbeben.» Sie habe das Gefühl, die Wand würde diese Geräusche sogar verstärken. «Als wir das Haus kauften, wussten wir, dass wir nahe an einer befahrenen Strasse leben werden», sagt sie. Allerdings sei, ihrer Meinung nach, der Wall das Geld nicht wert.

Die Lärmschutzwände hat das Bundesamt für Strassen (ASTRA) zusammen mit den Gemeinden Rheineck und St. Margrethen, dem Kanton St. Gallen und einem Landschaftsarchitekten entwickelt. Abstrakte Hügelformationen in Grün und Grau sind in der Nähe von Hauptstrasse und Grenzübergang Gaissau aufgemalt. Man habe die Elemente so gestaltet, dass sie ins Landschaftsbild der Umgebung passen «und eine symbolische Verbindung mit ihr eingehen», teilte die Stadt Rheineck im Vorfeld mit.

Wall passt sich farblich ein und wird mit Grünzeug bestückt

Auch das Farbkonzept nehme die Umgebung auf. Der Horizont mit Aussicht auf Bodensee, Lindau, Bregenzerwald, Pfänder, Hochgrat bis zu den Allgäuer Alpen seien anhand der Silhouetten nachempfunden. Die Struktur soll Lärm, sowohl von der Autobahn als auch von den Gleisen, schlucken. Weiter will die Stadt Rheineck gezielt Bäume und Sträucher anpflanzen, welche die Wahrnehmung der Lärmschutzwand entlang der Altstadt deutlich reduzieren. Auf Gemeindegebiet von St. Margrethen sei eine solche Anpflanzung aber nicht möglich, da zwischen der SBB-Linie und der Autobahn nicht genügend Platz dafür vorhanden sei.

Ein paar Meter vom Kleideränderungsatelier entfernt, heisst das Restaurant Rheinblick Gäste willkommen – so steht es auf Wirtstafeln vor der Beiz. An diesem Nachmittag befindet sich nur der Wirt in der Gaststube. Er habe den Betrieb erst vor gut einer Woche übernommen und habe keine Meinung zu den Wänden gegenüber seinem Restaurant. Mit dem Blick auf den Rhein ist es aber definitiv vorbei: «Ich habe den Namen bereits vor der Erstellung der Wand gewählt. Aber schon damals sah man von hier nicht zum Rhein.»

Im Städtli am Rhein wollte man schon vor vielen Jahren etwas gegen den Lärm von der nahe gelegenen Autobahn unternehmen. Erstmals hat sich der Rat 2002 an den Kanton gewandt. Messungen ergaben gar eine Überschreitung des gesetzlichen Lärmpegels. Stadtpräsident Hans Pfäffli richtete 2005 ein Schreiben an den damaligen Bundesrat und Verkehrsminister Moritz Leuenberger, mit der Bitte, der Bund solle sich dem Lärmproblem in Rheineck annehmen. Er habe umgehend eine Antwort erhalten, dass dies in naher Zukunft geschehen werde. Pfäffli liess nicht locker und ist immer wieder vorstellig geworden.

«Der Fünfer und das Weggli, das geht nicht» - Hans Pfäffli, Stadtpräsident Rheineck

Heute zeigt der Stadtpräsident aber auch Verständnis dafür, dass es so lange dauerte, bis die Lärmschutzwände nun montiert werden: «Es gibt viele Strassenbauprojekte, die Ressourcen sind begrenzt. Der Bund kann nur jährliche Tranchen sprechen, es gab schweizweit wohl noch dringendere Projekte.»

Im Thai-Restaurant Treff sitzt der Wirt mit seinen Gästen am Tisch und jasst. Vor dem Restaurant sind Festbänke aufgestellt. Noch sind die Lärmschutzelemente gegenüber der Beiz nicht eingesetzt worden. «98 Prozent meiner Gäste haben bereits reklamiert. Wenn sie draussen sitzen, wollen sie keine langweilige Wand anstarren müssen», sagt Hans Niederer. Seit zehn Jahren wirtet er im «Treff». Man fühle sich eingeengt. «In Berlin haben sie die Mauer abgerissen, bei uns wird eine aufgestellt», sagt Niederer kopfschüttelnd.

«Wir haben eine Mauer vor dem Kopf»

Seit dem neuen Belag auf der A1 – einem sogenannten Flüsterbelag – habe sich die Akustik stark verbessert. «Wir hören praktisch nichts von der Autobahn hier. Aber die da oben halt schon», sagt Niederer. Wer erhöht wohne, bekomme mehr vom Lärm ab, habe allerdings auch keine Mauer vor dem Kopf. «Die Wand ist tatsächlich relativ hoch. Ich kann jeden verstehen, der sagt, das gefalle ihm nicht und habe volles Verständnis», sagt Hans Pfäffli. Tatsache sei aber, dass die Höhe auf Berechnungen bezüglich des Lärmschutzes basiert. «Das ist die einzige wirksame Methode. Eine Scheinlösung bringt nichts, dann hätte man es genauso gut lassen können.» Pfäffli hat den Eindruck, der Flüsterbelag zeige seine Wirkung bereits. «Allerdings gibt es seither wegen der Baustelle eine Temporeduktion», sagt er. Das würde wohl auch zu weniger Lärm führen.

Ende der Bauarbeiten ist in Sicht

Täglich befahren 42000 Fahrzeuge die Autobahn-A1-Strecke zwischen Rheineck und St. Margrethen. Dem Autobahnabschnitt kommt im Dreiländereck seit jeher eine zentrale verkehrsstrategische Bedeutung zu. Das hohe Verkehrsaufkommen hat auf dem 50-jährigen, gut acht Kilometer langen Autobahnabschnitt deshalb seine Spuren hinterlassen. Seit 2017 wird der Streckenabschnitt generalsaniert, Vorarbeiten laufen seit 2016, Anfang 2019 sollen die letzten Feinarbeiten abgeschlossen sein. Mit freier Fahrt ist schon früher zu rechnen. Dazu werden 150000 Tonnen eines lärmarmen Deckbelags verwendet.


Die Zollbrücke St. Margrethen – Höchst wurde komplett neu gebaut, die Fahrbahn für Auto und Velo sowie ein Fussweg wurde entflochten und sorgt für mehr Sicherheit. Ende Juni wurde die Brücke für Velofahrer feierlich eröffnet. Es wurden 18 Havariebecken eingesetzt, sie sollen bei einem Unfall, zum Beispiel eines Tanklasters mit auslaufendem Benzin, Strassenabwasser auffangen und so den Alten Rhein und den Bodensee schützen. Die Erneuerung kostet total 190 Millionen Franken. (jor)

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