Interview

«Eine Veränderung würde Gossau gut tun»

Alexa Maier
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Bereits seit 30 Jahren findet in Gossau jedes Jahr während der Adventszeit der «Gschenkli-Sunntig» statt. Damit könnte schon bald Schluss sein. Denn an der Vereinsversammlung der Fachgeschäfte Gossau hat Herbert Scheiwiler kürzlich vorgeschlagen, mit dieser Tradition zu brechen und ein Konzept für eine Adventsnacht zu erarbeiten, die den «Gschenkli-Sunntig» ersetzen würde. Der Antrag des Geschäftsführers und Inhabers von Kühnis Optik wurde angenommen, obwohl der Vorstand dagegen war. Noch handelt es sich dabei aber lediglich um einen Vorschlag. Dieses Jahr findet der «Gschenkli-Sunntig» noch wie gewohnt statt. Herbert Scheiwiler erklärt wieso er sich für die Adventsnacht einsetzt.

Herbert Scheiwiler ist Geschäftsführer von Kühnis Optik (Bild:PD)

Herbert Scheiwiler ist Geschäftsführer von Kühnis Optik (Bild:PD)

Warum wollen sie den «Gschenkli-Sunntig» abschaffen?

Herbert Scheiwiler: Gossau war eine der ersten Städte, in der ein Sonntagsverkauf eingeführt wurde. Mittlerweile ist diese Tradition veraltet. Wir tragen ja auch keine Kleider die 30 Jahre alt sind. Eine Veränderung würde Gossau gut tun. Schade am «Gschenkli-Sunntig» finde ich, dass um 17 Uhr, wenn die Stimmung festlich wird, alles schon zusammengeräumt wird. Das soll sich ändern.

Was können die Besucher an der Adventsnacht erwarten?

Die Adventsnacht soll von 17 bis 22 Uhr stattfinden. Das Prinzip ist ähnlich wie beim «Gschenkli-Sunntig», nur verschieben wir den Anlass in den Abend. Vor meinem geistigen Auge sehe ich ein belebtes Gossau, in dem die weihnachtliche Abendstimmung genossen wird. Auch die Fachgeschäfte in Gossau sind wieder daran beteiligt. Die Kirche spielt für mich ebenfalls eine zentrale Rolle und soll einbezogen werden.

Wie stellen Sie sich das genau vor?

Kindergärtner könnten einen Sternenumzug zur Kirche machen, Primarschüler ein Weihnachtskonzert geben oder man könnte die Stadtmusik integrieren. Bis jetzt handelt es sich bloss um Ideen. Im Oktober werde ich mich mit dem Präsidenten und einer Gruppe der Fachgeschäfte treffen und mit ihnen ein Konzept ausarbeiten.

Was würde die Umstellung für die Stadt Gossau bedeuten? Das Stadtzentrum müsste für die Adventsnacht verkehrsfrei sein. So eine Strassensperre wäre teuer und stellt die grösste Herausforderung dar. Viele Politiker befürworten jedoch das Projekt, deshalb denke ich, dass wir für die finanziellen Ausgaben von 8000 bis 10000 Franken Unterstützung bekommen.

Wie käme der Traditionsbruch wohl bei der Bevölkerung an?

Es wird bestimmt ältere Menschen geben, die dem «Geschenkli-Sunntig» nachtrauern. Wenn aber eine Stadt leben soll, dann muss sie für die jüngeren Bürger attraktiv sein. Das wollen wir mit einem Mix aus Kultur und Kommerz erreichen.