Eine Talentschülerin aus einer Aussengemeinde wird beinahe zum Bauernopfer

Die Stadt St.Gallen überlegte, eine talentierte Jugendliche nicht mehr fürs zweite Schuljahr zuzulassen. Der Grund: Ein Konflikt zwischen der Stadt und der Aussengemeinde um die Übernahme der Schulgelder.

David Grob
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Beinahe wäre eine talentierte Jugendliche von der Talentschule verwiesen worden.

Beinahe wäre eine talentierte Jugendliche von der Talentschule verwiesen worden.

Symbolbild: Hanspeter Schiess (20. August 2019)

Die junge Frau ist Talentschülerin in St.Gallen, wohnt aber in einer Aussengemeinde – und wäre beinahe zum Bauernopfer einer politischen Differenz geworden. Ob sie in Kunst, Sport oder Musik gefördert wird, ist irrelevant. Genauso ihr Wohnort. Ihre Mutter möchte nur anonymisiert über den Fall Auskunft geben.

Was ist passiert? Am Anfang des Konflikts steht die Frage, wer die Schulgelder für die Talentschülerin zahlt. Die Stadt St.Gallen wollte den vollen Betrag – also 21'500 Franken – der Gemeinde in Rechnung stellen. Diese wehrte sich und bestand darauf, nur den Tarif zu bezahlen, den der Kanton für Talentschüler festlegt, wie das Schulratspräsidium der entsprechenden Gemeinde mitteilt. Die Schulbehörde rekurrierte gegen den Entscheid der Stadt vor der städtischen Rekursstelle und bekam gemäss Schulpräsidium Recht. Die Stadt zog den Fall aber an die nächste Instanz weiter, wo der Fall derzeit noch hängig ist. Mit dem Bundesgerichtsurteil werde der Fall aber vermutlich obsolet, vermutet das Schulpräsidium der Aussengemeinde.

Die Stadt wollte die Jugendliche nach dem ersten Schuljahr nicht mehr an die Talentschule lassen

Doch damit nicht genug. Im Februar teilte die Stadt den Eltern der Talentschülerin und der Gemeinde in einem Schreiben mit, die Jugendliche könne die Talentschule ab dem neuen Schuljahr nicht mehr besuchen. Man hätte die Talentschülerin gerne weiterhin auf ihrem schulischen Weg begleitet, so die Stadt in ihrem Schreiben. «Dass dies nicht auf Kosten der St. Galler Steuerpflichtigen erfolgen darf, versteht sich von selbst.»

Die Eltern legten Beschwerde ein, diesmal beim Bildungsdepartement des Kantons, welches ihnen recht gab. Das Amt für Schule und Musik der Stadt entschied daraufhin im Juni, dass die Jugendliche an der städtischen Talentschule bleiben darf. «Zu diesem späten Zeitpunkt muss oberstes Ziel die Sicherung einer Beschulungsmöglichkeit sein», schreibt die Stadt in einem Brief an die Eltern.

«Wir wollen die Konflikte Erwachsener nicht auf dem Buckel Jugendlicher austragen»

Marlis Angehrn, Leiterin der Dienststelle Schule und Musik der Stadt St. Gallen, möchte nur generell Stellung beziehen, nicht aber auf den Einzelfall eingehen.

«Es kann nicht sein, dass eine Gemeinde für einen Schüler ohne Talentstatus den vollen Betrag zahlt, für ein Talent aber nur die Hälfte zahlen muss.»

2016 seien die Gemeinden deshalb aufgefordert worden, ihre Talente in eine andere Schule umzuplatzieren oder den kostendeckenden Betrag zu zahlen. Auf die Frage, warum auswärtige Talentschüler bleiben dürfen, sagt Angehrn: «Weil wir die Konflikte Erwachsener nicht auf dem Buckel uns anvertrauter Jugendlicher austragen.»

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