Eine Stadtsanktgallerin studiert als eine von wenigen Frauen Maschinenbau und baut Roboter: «Mir gefällt es in dieser Männerwelt»

Kira Erb ist eine von wenigen Maschinenbau-Studentinnen. Doch der Stadtsanktgallerin macht das nichts aus. Nun hat sie einen Roboter mitentwickelt. Nächstes Jahr soll er am Flughafen zum Einsatz kommen.

Marlen Hämmerli
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Der Lieferroboter Adero ist beinahe so hoch wie die sitzende Kira Erb. (Bild: Michel Canonica)

Der Lieferroboter Adero ist beinahe so hoch wie die sitzende Kira Erb. (Bild: Michel Canonica)

Kira Erb ist sichtlich stolz. Auf dem iPhone zeigt die angehende Maschinenbauingenieurin ein Bild von sich und Adero. So heisst der Lieferroboter, den Erb mit Ingenieur-Studenten der ETH und Design-Studenten der Zürcher Hochschule der Künste (ZhdK) entwickelt hat. Kürzlich wurde der Prototyp vorgestellt.

Ab dem nächsten Jahr soll Adero durch den Flughafen Zürich rollen. Der Roboter wird bestellte Waren selbstständig zu einem Abholpunkt transportieren. «Die Kunden sparen Zeit. Zudem ist es ein Erlebnis, die Bestellung von einem Roboter entgegenzunehmen», sagt Erb. Wer am Flughafen ist, kann zum Beispiel Geschenke online bestellen und muss sie nur noch in Empfang nehmen. Doch Adero könnte sich künftig auch in Spitälern nützlich machen. Etwa indem er Medikamente von der Spitalapotheke zur Station transportiert.

Der Lieferroboter Adero soll ab 2020 im Flughafen Zürich zum Einsatz kommen. Jelmoli hat das Projekt finanziell unterstützt und eröffnet dann im Flughafen eine Filiale. (Bild: PD)

Der Lieferroboter Adero soll ab 2020 im Flughafen Zürich zum Einsatz kommen. Jelmoli hat das Projekt finanziell unterstützt und eröffnet dann im Flughafen eine Filiale. (Bild: PD)

Aufgabe war auf Erb zugeschnitten

Adero war eines der Projekte, für die sich ETH-Studenten im fünften Semester und ZhdK-Designer melden konnten. Die Aufgabe, einen Roboter zu bauen, schien wie auf Erb zugeschnitten. Im Herbst will sie mit dem Robotik-Master beginnen. «Mein Traum ist ein eigenes Start-up. Ich möchte, Innovationen entwickeln, die die Menschheit weiterbringen», sagt die Stadtsanktgallerin.

Am Stadtpark aufgewachsen, lebt Erb heute in Zürich. «Die Stadt gefällt mir mega gut, auch wenn man das hier nicht gerne hört.» Nach dem Studium möchte sie vorerst in Zürich bleiben. «Dort sind meine Freunde und es gibt viele Möglichkeiten für Start-ups.»

Die 21-Jährige wuchs ohne Geschwister auf. Die Eltern hätten sie deshalb aber nicht verhätschelt. «Sie haben immer viel gearbeitet. Mein Vater als selbstständiger Architekt Zuhause. Ich habe früh gelernt, mich selbst zu beschäftigen.»

Kira Erb möchte ein Vorbild sein

Auf 100 Maschinenbau-Studenten kommen durchschnittlich zehn Studentinnen. Doch die Aussicht, eine Frau unter vielen Männern zu sein, schreckte Erb nicht ab.

«Mir gefällt es in dieser Männerwelt. Ich bin ein sehr offener und direkter Mensch und fühle mich nicht eingeschränkt.»

Trotzdem wünscht sich Erb, dass mehr Frauen Maschinenbau studieren. «Dafür braucht es weibliche Vorbilder, die den Mädchen aufzeigen, wie cool das Studium ist und wie viele Berufsmöglichkeiten es gibt.»

So ein Vorbild möchte Erb sein. Voller Faszination erklärt sie, wie breit das Studium eigentlich ist. «Oft wird geglaubt, Maschinenbau umfasst einzig das Entwerfen von Metallteilen», sagt die 21-Jährige. Dabei gehört beispielsweise auch das Programmieren von Algorithmen dazu. «Robotik ist eigentlich vor allem Programmieren.»

Sensoren verhindern, dass Adero in Passanten fährt

Saust ein Roboter autonom durch den Flughafen, sollte er nicht mit Personen oder Gegenständen zusammenstossen. Dass zu verhindern, war Erbs Aufgabe. Sie montierte Infrarotsensoren, und programmierte einen Algorithmus. Dieser ordnet die roten Punktwolken zu Informationen und teilt dem Roboter mit, wo er hinfahren darf.

Von der Idee bis zum Prototypen hatten die Studenten neun Monate Zeit. «Man lernt täglich Neues, aber es war auch sehr streng», sagt Erb. Zudem sei ein gewisser Druck da gewesen, nicht zu scheitern.

Immer wieder gab es kritische Momente. So stammt das Gehäuse aus dem 3D-Drucker. Ob die Hülle auf den Roboter und die Infrarotsensoren passt, war unklar. Ein anderes Mal brach die Kupplung, ausgerechnet vor einer Präsentation. Die Studenten verbrachten die halbe Nacht damit, sie auszutauschen und den Roboter neu auszutarieren. Doch am Ende kam es gut und Kira Erb wurde bestätigt. Ganz nach ihrem Motto: «Wer kämpft, erreicht sein Ziel.»

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