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Altlasten: Die Region Rorschach kämpft mit dem Erbe ihrer Industrie

Die Böden der Region Rorschach sind im kantonalen Vergleich besonders belastet. Am stärksten betroffen ist die Gemeinde Goldach, in über sechs Prozent ihres Gebietes stecken Bauschutt, Abfälle und Überbleibsel von Industrie. Die Entsorgung kostet oft Millionen.
Martin Rechsteiner

«Früher war vieles besser», pflegen manche zu sagen. Das mag in manchen Belangen vielleicht stimmen. Wer sich aber daran erinnert, dass es bis in die 1970er-Jahre gängige Praxis war, Abwasser ungefiltert in den Bodensee zu leiten und Abfall einfach im Boden zu vergraben, dem dürfte klar werden, dass heute auch nicht alles schlecht ist.

Fabriken, Tankstellen, Schiessstände

Umweltverschmutzung aus einer Zeit, die von Mitte 19. bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts reicht, beschäftigt heute die Behörden und Grundbesitzer. Kürzlich hat der Kanton St. Gallen in einer Medienmitteilung mit dem Titel «Abfälle von gestern sind Altlasten von heute» darauf hingewiesen, wie teuer und aufwendig die Beseitigung von Gift, Dreck und Müll aus dem vergangenen Jahrhundert ist. Der Kanton führt ein Kataster der belasteten Standorte – eine Online-Landkarte, auf der alle betroffenen Gebiete eingezeichnet sind. Dabei fällt auf: Die Region Rorschach ist mit Punkten und Flächen regelrecht gesprenkelt.

«Das Gebiet um Rorschach gehört zu den am meisten betroffenen im ganzen Kanton»

sagt Heinrich Adler, Fachspezialist Boden und Altlasten des kantonalen Baudepartements. «Denn in dieser Region hat es schon in der Zeit viel Industrie gegeben, als Umweltschutz noch kein Thema war – auch beim Gesetzgeber nicht.» Tatsächlich stechen auf der Karte Gebiete, die schon lange Industriestandorte sind, heraus. Zum Beispiel das Rietli in Goldach, das Feldmühle-Areal in Rorschach oder der Industriepark Altenrhein. «Ebenfalls zu finden sind Schiessstände, frühere Tankstellen und Mülldeponien», sagt Adler. Sie belasten mit Schwermetall aus Munition, Resten von Benzin und Diesel oder Abfällen aller Art die Böden.

Die meisten der verzeichneten Altlasten sind allerdings ungefährlich. «Grösstenteils geht es um Bauschutt und Aushubmaterial, das zur Aufschüttung von Seeufer oder in bestehende Kiesgruben gekippt wurde. Das ist unbedenklich», sagt Adler. «Nur wenn auf jenen Gebieten gebaut werden soll oder wenn sie anderweitig genutzt werden, muss man die Entsorgung planen.»

Sanierung dauert über zehn Jahre

Vereinzelt gibt es aber heiklere Fälle. Einer davon befindet sich im Goldacher Rietli, wo einst das Gaswerk für die Stadt St. Gallen stand. «Bis 1969 wurde dort aus Kohle Gas produziert. Rund 22000 Tonnen giftige Rückstände von Benzol und Teer wurden hier vor zehn Jahren ausgehoben und entsorgt», sagt Adler. Und Reste davon belasten heute immer noch den Untergrund. «Es laufen bis jetzt Sanierungsmassnahmen, die direkt im Untergrund die Schadstoffe chemisch abbauen, also ohne teuren Aushub und Entsorgung.»

In Goldach haftet St. Gallen

«Wenn wir Altlasten beseitigen müssen, haftet der Verursacher», sagt Adler. Manchmal ist dieser allerdings nicht auffindbar. Zum Beispiel wenn es sich um eine Firma handelt, die nicht mehr existiert. In dem Fall teilen sich die Gemeinde, der Kanton und der Bund, der dafür eigens einen Fonds eingerichtet hat, den Betrag.

Im Fall Goldach kommen die Behörden glimpflich davon: Die St. Galler Stadtwerke als ehemalige Betreiber des Gaswerks und die SBB als Grundeigentümerin müssen für die Kosten geradestehen. «Insgesamt rund 4,5 Millionen Franken hat die Entsorgung 2009 gekostet, die laufenden Massnahmen schlagen insgesamt mit etwa 300000 Franken zu Buche», sagt Markus Steiger auf Anfrage. Er ist Leiter Netz, Gas und Wasser der St. Galler Stadtwerke.

Abfalldeponie an der Gemeindegrenze

Ein anderes Projekt hat kürzlich an der Gemeindegrenze von Rorschach und Rorschacherberg stattgefunden: Der Bach beim Schulhaus Mühletobel plätschert seit kurzem wieder an der Oberfläche. Dem war nicht immer so. Die Stadt Rorschach hatte das Tobel von 1949 bis 1961 als Abfalldeponie genutzt und mit Müll und Erde gefüllt. Unter der Federführung der Bergler legten die Gemeinden den Bach in den Jahren 2017 und 2018 frei. Die Arbeiten sind weitgehend abgeschlossen, das Gebiet unterliegt im Moment noch den Beobachterstatus, wie Heinrich Adler vom Kanton sagt. Wie hoch die Entsorgungskosten hier sind und wer wofür aufkommt, ist noch nicht abschliessend bestimmt.

Klar ist hingegen: Rund zwei Millionen Franken kostet die Entfernung von Altlasten auf dem ehemaligen Scapa-Areal. Sie wird nötig, wenn die Strassenunterführung am Rorschacher Stadtbahnhof gebaut wird und stellt einen grösseren Posten in der im Januar bekannt gewordenen Verteuerung des Projekts dar.

Der Thurgau macht es anders

Ein Sonderfall in der Region bildet Horn. Denn der Kanton Thurgau geht anders vor als St. Gallen: Zwar führt auch er ein Kataster der belasteten Standorte, sie sind aber nur symbolisch auf der Karte eingezeichnet. Ihre Flächen sind somit nur grob bestimmbar. Hingegen sind im Thurgau bereits Altlasten auf dem Bodenseegrund erfasst.

Streit bis vors Bundesgericht

So zum Beispiel die Belastungen, die das Gaswerk in Goldach durch sein Abwasser im Thurgauer Teil des Sees hinterlassen hat. Sie sind jedoch mit dem Status «keine schädlichen oder lästigen Entwicklungen zu erwarten» gekennzeichnet. Als «sanierungsbedürftig» ist hingegen der westliche, bebaute Teil des Raduner-Areals markiert.

Der Kanton Thurgau befindet sich in dieser Angelegenheit in einem Rechtsstreit vor Bundesgericht. Für die nötige Sanierung fordert er die 8,3 Millionen Franken, welche die Firma Raduner vor ihrer Liquidation durch den Verkauf von Boden an eine Zürcher Baufirma erzielt und weitergegeben hat. Für die Sanierung des westlichen Teils des Areals rechnet der Kanton mit Kosten von Rund 10 Millionen Franken. Die Zürcher Baufirma ihrerseits hat ihren östlichen Teil, für rund 30 Millionen Franken bereits saniert – auf eigene Kosten.

Link zum Kataster

St. Galler Kataster hier klicken
Thurgauer Kataster hier klicken

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