Eine Passerelle für den Langsamverkehr in den St.Galler Güterbahnhof: Ein alter Wunsch geht in Erfüllung

Die Stadt will einen Fussgängersteg aus dem Gebiet Paradies/St.Otmar in den Güterbahnhof bauen. Die Idee dazu ist über 120 Jahre alt. Ein erstes Projekt ist 2007 im Rahmen einer Referendumsabstimmung über die Neuüberbauung des alten Güterbahnhofs gescheitert.

Reto Voneschen
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Etwa hierhin soll bis Ende 2021 die neue Passerelle von der Paradiesstrasse in den Güterbahnhof zu stehen kommen.

Etwa hierhin soll bis Ende 2021 die neue Passerelle von der Paradiesstrasse in den Güterbahnhof zu stehen kommen.

Bild: Ralph Ribi (1.7.2020)

Nachdem das Areal Platztor in den kommenden Jahren durch die Universität überbaut wird, ist der alte Güterbahnhof das letzte grosse und zentrumsnahe städtebauliche Entwicklungsgebiet von St.Gallen. Darin könnte ein ganzes Stadtquartier neu entstehen. 2007 wurde allerdings in einer Referendumsabstimmung ein pfannenfertiges Projekt für eine Überbauung gebodigt.

Bezüglich Neunutzung des Güterbahnhofs geht voraussichtlich bis Ende der 2030er-Jahre nichts mehr: Zuerst soll auf dem Areal im Rahmen der Engpassbeseitigung auf der Stadtautobahn ein neuer Autobahnanschluss mit weiterführendem Tunnel in die Liebegg versorgt werden. Erst danach ist an eine Überbauung zu denken

Wohnen zwischen zwei Starkstromleitungen?

Derzeit wird im Güterbahnhof bereits eine wichtige Voraussetzung für die spätere Neunutzung geschaffen. Die Gleise der Appenzeller Bahnen (AB) werden an den Nordrand des Areals verlegt. Ein Argument, das 2007 zum Absturz der Überbauungsvorlage mit beigetragen hatte, war nämlich, dass man vernünftigerweise keine Wohnhäuser zwischen die Fahrleitungen von SBB und AB klemmen sollte.

Entlang den alten Cargo-Domizil-Gebäuden (rechts) wird derzeit an der Verlegung der Gleise der Appenzeller Bahnen gearbeitet.

Entlang den alten Cargo-Domizil-Gebäuden (rechts) wird derzeit an der Verlegung der Gleise der Appenzeller Bahnen gearbeitet.

Bild: Ralph Ribi (1.7.2020)

In Zusammenhang mit der Verlegung der AB-Gleise entsteht westlich der alten Cargo-Domizil-Gebäude auch eine neue Bahnhaltestelle. Sie wiederum löst jetzt ein Bauprojekt der Stadt aus, das sich die Quartiere links und rechts der Bahngleise schon lange wünschen: Die Stadt will bis Ende 2021, wenn die neue AB-Haltestelle in Betrieb genommen wird, eine provisorische Fussgängerpasserelle hierhin aus dem Gebiet Paradies/St.Otmar bauen.

Zuschüsse von der Bahn und aus dem Agglo-Programm

Kostenpunkt des Fussgängerstegs: 1,685 Millionen Franken, wobei die Stadt Dank Beiträgen der Bahn und aus dem Agglomerationsprogramm davon mit rund 803'000 Franken nur etwa die Hälfte tragen muss. Die Vorlage für die Fussgängerpasserelle von der Paradiesstrasse in den Güterbahnhof liegt beim Stadtparlament, das sie nach den Ferien behandeln soll.

Die Passerelle wird rund 65 Meter lang und 2,5 Meter breit. Beidseits wird sie mit einer Treppe und einem Lift behindertengerecht erschlossen. Die Lifte sind gross genug für den Transport von Velos. Die Passerelle ist nicht überdacht. Sie ist auf eine Nutzungsdauer von 15 Jahren ausgelegt.

Erste Vereinbarung für eine Passerelle datiert von 1899

Der Wunsch nach einem Fussgängerübergang von der Paradies- an die Oberstrasse zwischen der St.-Leonhard- und der Vonwil-Brücke ist über 120 Jahre alt. Schon 1899 gab es eine Abmachung zwischen der Stadt und den Vereinigten Schweizerbahnen. 1923 kauften sich die SBB als Nachfolgerin der ersten Bahn mit 50'000 Franken aus der Pflicht, eine solche Verbindung zu erstellen.

Der nördliche Brückenkopf für den Fussgängersteg zur Oberstrasse wurde bereits in den 1920er-Jahren gebaut. Weiter kam das Projekt seither nicht.

Der nördliche Brückenkopf für den Fussgängersteg zur Oberstrasse wurde bereits in den 1920er-Jahren gebaut. Weiter kam das Projekt seither nicht.

Elina Grünert (1.9.2015)

Mit einem Teil des Geldes baute die Stadt den bis heute an der Zylistrasse existierenden nördlichen Brückenkopf für den Fussgängersteg, der Rest landete in einem Fonds. 2007 war ein konkretes Projekt des Stegs Teil der abgelehnten Vorlage für die Güterbahnhof-Überbauung. 2015 wurde der Fonds nach langer Diskussion im Stadtparlament aufgelöst; der Fussgängersteg wird jetzt aus dem normalen Haushalt der Stadt bezahlt.

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Seit über 100 Jahren warten die Quartiere beidseits des Güterbahnhofs auf einen Fussgängersteg, der sie miteinander verbindet. Der letzte Anlauf dafür ist 2007 gescheitert. Jetzt schlägt der Stadtrat dem Parlament vor, das Kässeli für das alte Projekt aufzuheben.