Eine neue Sperrgutmarke wegen Unterflurcontainern und Fälschern

Die A-Region ersetzt die Gebührenmarke durch eine Sperrgutmarke. 

David Grob
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Der Gebührensack bleibt, die orange Gebührenarke verschwindet.

Der Gebührensack bleibt, die orange Gebührenarke verschwindet.

Bild: Ralph Ribi (25. Mai 2012)

Man liebt sie nicht, die orange Gebührenmarke. Man braucht sie immer dann, wenn man eines alten sperrigen Schrankes überdrüssig geworden ist, eines Tisches, der jahrelang auf dem Estrich gestanden hat, oder sonst eines sperrigen Gegenstands, den man loswerden will. Und doch hat man sie meist nicht zu Hause vorrätig.

Die A-Region, die vom Bodensee bis ins Appenzellerland die Abfallentsorgung organisiert, schafft Anfang nächsten Jahres die Gebührenmarke ab. Brachte man diese an Sperrgut oder inoffiziellen Kehrichtsäcken an, so nahm die Abfuhr diese seit 2002 mit.

Schwierige Kontrolle und Fälschungen im grossen Stil

Der Grund für das neue System liegt in einer grundlegen Änderung in der Abfallentsorgung: In immer mehr Gemeinden kommen Unterflurcontainer zur Anwendung. Gemäss Thomas Huber, Geschäftsführer der A-Region, gibt es in allen Gemeinden der Abfallregion knapp 150 davon. Viele Gemeinden erwägen nachzuziehen oder das bereits bestehende System auszubauen.

Die Unterflurcontainer erschweren zunehmend die Kontrolle der Abfallsäcke. Denn das Durcheinander aus Kehrichtsäcken in den Behältern im Untergrund macht es für die Kehrichtabfuhr schwierig, zu überprüfen, ob eine Gebührenmarke an einem nicht offiziellen schwarzen Kehrichtsack klebt. Neu sind nur noch die offiziellen weiss-orangen-farbenen Säcke erlaubt. «Bei der Leerung von Unterflurbehältern sieht man sofort, wenn es andere Säcke als die Gebührensäcke der A-Region drinnen hat», sagt Geschäftsführer Thomas Huber.

Dies war nicht die einzige Schwierigkeit. Vor einigen Jahren sah sich die A-Region mit anderen Problemen konfrontiert: gefälschten Gebührenmarken. Huber spricht von «Fälschungen im grösseren Stil», die 2015 in mehren Ortschaften am Bodensee und im Appenzellerland vorgekommen seien. «Wir sprechen hier von mehr als nur zehn gefälschten Marken.» Es seien sicher einige Hundert gewesen, die vergünstigt verkauft worden sind. Die Polizei untersuchte die Vorfälle. Auch in anderen Regionen der Schweiz – etwa in den Kantonen Aargau und Luzern – waren gefälschte Gebührenmarken im Umlauf. Jedenfalls führten die Probleme mit den Fälschungen ebenfalls dazu, sich fürs neue System zu entscheiden. «Es ist schwieriger und aufwendiger, einen unserer Gebührensäcke zu fälschen als einzelne Gebührenmarken», sagt Huber

Die neuen Marken sind doppelt so teuer

Mit dem Jahreswechsel führt die A-Region aber eine neue Marke ein. Diese ist ausschliesslich für Sperrgüter zu verwenden und auf Kehrichtsäcken nicht mehr gültig, wie einer Medienmitteilung der A-Region zu entnehmen ist. Die neuen Marken kosten vier statt wie bisher zwei Franken.

Handelt es sich bei der neuen Marke also doch um eine versteckte Tariferhöhung? Huber verneint. Eine Tabelle auf der Website der A-Region legt dar, welches Sperrgut wie viele Gebührenmarken benötigt. Ein Beispiel: Möchte man einen Stuhl entsorgen, so musste man im alten System zwei Gebührenmarken anbringen. Soll der Stuhl auch im neuen Jahr mitgenommen werden, so reicht eine der neuen Sperrgutmarken. Der Wert der Marke hat sich also verdoppelt, die Tarife bleiben somit gleich.

Dies gilt auch für gebündeltes Sperrgut, an das bislang pro fünf Kilogramm eine Gebührenmarke angebracht werden musste. Das Gewicht wurde verdoppelt. Neu muss also eine Sperrgutmarke für zehn Kilogramm gebündeltes Sperrgut angebracht werden. Die alten Gebührenmarken können noch bis Ende Juni 2020 verwendet werden. Danach akzeptiert die A-Region diese nicht mehr.