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Zufallsfund im Kunstmuseum St.Gallen: Eine Büste schnuppert Kirchenluft

Bei Vorbereitungen für Vorträge des Evangelisch-reformierten Forums St.Gallen über den Theologen Karl Barth machte Andreas Schwendener einen Fund: Eine Büste von Karl Barth ruht seit 74 Jahren im Kunstmuseum St.Gallen.
Jonas Manser
Otto Roos, Bildnis des Professors Karl Barth, 1944, Bronze, Höhe 35,5 Zentimeter, Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1945. (Bild: Kunstmuseum St.Gallen)

Otto Roos, Bildnis des Professors Karl Barth, 1944, Bronze, Höhe 35,5 Zentimeter, Depositum der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1945. (Bild: Kunstmuseum St.Gallen)

Eine Büste vom Theologen Karl Barth ist zum Vorschein gekommen. Verloren gegangen ist sie eigentlich nie. Versteckt hat sie auch niemand. Doch seit 1945 verweilte die Skulptur eines der wichtigsten reformierten Theologen der Neuzeit gut aufbewahrt im Archiv des Kunstmuseums St.Gallen.

Aufmerksam auf die in Vergessenheit geratene Büste wurde Andreas Schwendener, Präsident des Evangelisch-reformierten Forums St. Gallen. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Vereins bereitete er für diesen Februar vier Vorträge zum Thema «Was hat uns Karl Barth heute noch zu sagen?» vor.

Dabei erfuhr er beiläufig vom ehemaligen Barth-Nachlassverwalter Anton Drewes, dass es in St.Gallen eine Büste des 1968 verstorbenen Baslers geben sollte. Schwendener fragte nach. Und tatsächlich: Roland Wäspe, Direktor des Kunstmuseums St. Gallen, bestätigte ihm, dass die Büste vorhanden sei und gerne zur Verfügung gestellt werde.

Auftragswerk der Kunstkommission

Schwendeners Interesse war geweckt. Weitere Nachforschungen zeigten ihm, dass es sich bei der Büste um ein Auftragswerk der Eidgenössischen Kunstkommission handelt. «Ich glaube nicht, dass die Büste aus einem speziellen Anlass angefertigt wurde», meint Schwendener. Der Bund hatte sie damals wohl in Auftrag gegeben, um den Künstler zu beschäftigen und so aus einer finanziellen Not zu helfen.

«Danach wusste man wahrscheinlich nicht, was mit der Büste anzufangen sei.» Aber das sei nur seine Vermutung, sagt Schwendener. Wie das Bildnis letztendlich im Archiv des Kunstmuseums landete, ist bisher nicht bekannt. Das Kunstmuseum forsche momentan danach.

Entzückt von seiner Entdeckung bat Andreas Schwendener darauf die Reformierte Kirchgemeinde Centrum, die 35,5 Zentimeter grosse Büste für einen Monat in der Kirche St.Mangen aufzustellen. Das Präsidium der Kirchenvorsteherschaft war von diesem Vorschlag nicht überzeugt: Die Pfarrer, die jeweils in St.Mangen predigen, seien beide nicht begeistert von der Idee, während des Gottesdienstes eine Büste vorne in der Kirche zu haben», lautete ihre Antwort.

Kritisch gegenüber Personenkult

Die Büste dürfe nur während der Dauer der Vorträge in der Kirche aufgestellt werden und muss anschliessend – als Vorsichtsmassnahme gegen Vandalismus – jeweils aus dem Kirchenraum entfernt werden.

Andreas Schwendener zeigt Verständnis: «Die Reformierten sind sehr ambivalent und kritisch gegenüber jeglichem Personenkult. Zudem ist man nahe bei der Assoziation zu Heiligengestalten, welche die Reformation aus der Kirche entfernt hat.»

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