Panorama Baustelle: In die Beiz, um dem Bagger zuzuschauen

Die Grossbaustelle der neuen Olma Halle 1 ist ein Publikumsmagnet. Am Montag öffnet hier die «Olma–Beiz».

Viola Priss
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Kaffee trinken und den Fortschritt auf der Grossbaustelle beobachten: Das ist nun in der Olma-Beiz möglich.

Kaffee trinken und den Fortschritt auf der Grossbaustelle beobachten: Das ist nun in der Olma-Beiz möglich.

Bild: Benjamin Manser
In der Baustellenbeiz können Arbeiter auf Schaulustige, Quartierbewohner und Berufskollegen treffen.
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Täglich können Gäste in der Beiz die Fortschritte beim Bau der Autobahnüberdeckung, auf der die neue Olma-Halle entstehen wird, mitverfolgen. Für die Grossküche der Säntis Gastronomie ein Kinderspiel.
Bei der Baustelle zur Überdachung der Autobahn betreibt die Säntis Gastronomie eine öffentliche Beiz, am Montag, 17. August 2020, in St. Gallen. © Benjamin Manser
Die Grossbaustelle bei den Olma-Hallen aus der Vogelperspektive: Täglich können Gäste in der Beiz die Fortschritte beim Bau der Autobahnüberdeckung, auf der die neue Olma-Halle entstehen wird, mitverfolgen.
Impressionen aus der Küche der Säntis Gastronomie, die die Olma-Beiz betreibt.
Impressionen aus der Küche der Säntis Gastronomie, die die Olma-Beiz betreibt.
Impressionen aus der Küche der Säntis Gastronomie, die die Olma-Beiz betreibt.
Impressionen aus der Küche der Säntis Gastronomie, die die Olma-Beiz betreibt.
Impressionen aus der Küche der Säntis Gastronomie, die die Olma-Beiz betreibt.
Impressionen aus den Räumen der Säntis Gastronomie, die die Olma-Beiz betreibt.
Je grösser, desto besser: Baustellen faszinieren.

In der Baustellenbeiz können Arbeiter auf Schaulustige, Quartierbewohner und Berufskollegen treffen.

Bilder: Benjamin Manser

«Bagger! Anhalten, Papa!» Wer Kinder hat, weiss: Eine Grossbaustelle kann viele Minuten Umweg und Tränen beim Aufbrechen bedeuten. Den Tränen zugrunde liegt eine Faszination, die weit über das Kindesalter hinaus geht. Je grösser die Baustelle, je höher die Kräne, je mehr Maschinen, umso spannender. Das Baustellenareal der neuen Olma Halle 1 ist mit seiner Teilüberdeckung der Stadtautobahn A1 ein Hingucker – nicht nur für kleine Fans von Bagger und Kränen.

Sehenswürdigkeit Baustelle

Da stehen sie sich dann die Beine in den Bauch: Pensionäre, mit und ohne Hunde, Eltern, die den Junior geschultert staunen lassen, Touristen, die die Skelette einer Halle beobachten wie andernorts Wasserfälle. Rico Zindel, Geschäftsführer der Säntis Gastronomie, zeigt Richtung Bauzaun. Et voilà: Vater und Sohn, beide gedankenversunken mit in den Nacken gelegten Köpfen. Eine Beiz auf die Baustelle zu holen, plante Rico Zindel mit seinem Kollegen, Bereichsleiter Karl Metzger, bereits nach der Olma 2019. Der Gedanke hinter dem Baustellenrestaurant:

Karl Metzger, Bereichsleiter Säntis Gastronomie

Karl Metzger, Bereichsleiter Säntis Gastronomie

Bild: Benjamin Manser
«Wieso bietet man nicht genau hier Menschen einen Ort, an dem sie einkehren, sich beim Beobachten austauschen können?»

Auch Architekturstudenten zu Besuch «sollten nicht auf ihre Olma-Bratwurst verzichten müssen».

An der Ecke Rosenheim- und Splügenstrasse thront sie jetzt, die Olma-Beiz, ein wenig wie ein Adlerhorst auf einer Anhöhe. Rund 100 Sitzplätze bietet die Beiz drinnen und draussen auf der Terrasse. Von hier aus gibt es das beeindruckende Panorama über St.Fiden und seinem niemals zu enden scheinenden Autoverkehr. Der wird nach Abschluss der Bauarbeiten, gedeckelt unterhalb der neuen Halle 1 verschwinden – architektonisch eine Attraktion.

«Das Prinzip des Restaurants ist faszinierend einfach», sagt Metzger. Es besteht aus mehreren Containern, mit denen nach dem Lego-Steckprinzip eine improvisierte «Kantine auf Zeit» installiert wird. Mitarbeitende der Baufirmen sowie Anwohner aus dem Quartier sollen hier in erster Linie verpflegt werden. Ein Treffpunkt solle es werden, bei dem, ähnlich wie beim Sport, Alt mit Jung und Arbeiter mit Rentnern und Studenten ins Gespräch kommen sollen. Bei Kaffee und Kuchen sind sie dann alle für einen Moment gleich. Und gleichermassen begeistert am Fachsimpeln: Ein toller «Nebenbaustelleneffekt».

Betrieb herrscht neu auch im Untergrund: In der «Aorta», wie Metzger die zentrale Küche unter den Olma-Hallen nennt, fällt mit der Beizeröffnung wieder Arbeit an.

«Hier in unserer Produktionsküche war lange Zeit kein Trubel, so wie wir es gewohnt sind, oder Klaus?»

, sagt Rico Zindel in Richtung seines Kollegen. Der nickt und fügt hinzu: «Aber bald.» Fisch, Fleisch, Vegetarisch – das Menü im Baustellenrestaurant ist vielseitig. Braucht es eine solche Auswahl überhaupt auf einer Baustelle? «Wir gehen mit der Zeit. Auf Bauplätzen arbeiten längst nicht mehr nur Männer. Ausserdem trifft man hier alle Nationalitäten und dementsprechend auch verschiedene Esskulturen», sagt Rico Zindel.

Selfie mit der Kantine statt der Kuh

Andernorts seien Baustellen- Imbisse längst gewissermassen Kult. Man schicke 2020 dann eben nicht das Selfie mit Milchkuh nebst Hashtag «Grüezi von der Olma» heim. Dafür aber, so hofft Zindel, den Ausblick bei Sonnenaufgang auf das Baustellenareal mit seinen Kränen und der pulsierenden Autobahn darunter. Die Beiz habe durchaus das Potenzial zum Quartiersmagneten zu werden, sagt Zindel. 42 Monate wird die Beiz hier stehen, geöffnet von 7 bis 16 Uhr. «Oder auch länger», sagt Metzger.

»Wir sind selbst gespannt,
was passieren wird.»

Unten am Baustellenzaun weint ein Kind, der Abschied von den Baggern fällt schwer. Gut, dass es morgen weiter geht. Und dann zum täglichen Baustellenritual Kaffee und Gipfeli auf der Beizenterrasse gehören.