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In der Zeit vor Allerheiligen hat dieser Gossauer Bildhauer alle Hände voll zu tun

Vor Allerheiligen hat Steinbildhauer Roman Brunschwiler immer alle Hände voll zu tun. Heutzutage wollen zwar weniger Menschen einen Grabstein, dafür sind die Wünsche spezieller geworden.
Corinne Allenspach
Roman Brunschwiler in seiner Werkstatt in Gossau. (Bilder: Urs Bucher)

Roman Brunschwiler in seiner Werkstatt in Gossau. (Bilder: Urs Bucher)

Jedes Jahr an Allerheiligen, wenn viele Menschen die Gräber von lieben Verstorbenen besuchen, rückt der Tod auch in unserer Gesellschaft für einmal ins Zentrum. Für Roman Brunschwiler ist der 1. November ein Tag wie jeder andere. Seit er sich erinnern kann, war ihm der Tod nahe. «Er gehört zum Leben», sagt der 61-Jährige.

Als Sohn eines Steinbildhauers ist er direkt neben dem ehemaligen Friedhof bei der Gossauer Andreaskirche aufgewachsen. Früher habe es sogar beidseits des Andreasparks einen Bildhauer gegeben, erinnert sich Brunschwiler, der das Atelier 1992 übernommen hat. Er führt damit die Arbeit seines früh verstorbenen Vaters fort, der den Betrieb 1953 gekauft hatte. Im Haus an der Merkurstrasse 16 werden aber bereits seit über 100 Jahren Grabsteine gefertigt.

Wobei Roman Brunschwiler lieber von Grabzeichen als von Grabsteinen spricht. Einfach einen beliebigen Stein auf ein Grab zu setzen macht für ihn keinen Sinn.

«Wichtig ist, dass ein Grabmal persönlich wirkt und der verstorbenen Person entspricht.»

So wird das Grabzeichen zu einem eingemeisselten Dokument der Erinnerung. Meistens macht Brunschwiler zuerst ein handgrosses Modell, damit sich die Kunden besser vorstellen können, wie das Werk aussehen wird. Der Bildhauer greift nach einem Stein mit herausgemeisselter Weltkugel. Ein Werk für eine jung verstorbene Frau, die gerne gereist war. Auf einem anderen Modell ist eine Treppe zu sehen, die immer schmaler wird, bis sie sich auflöst: Der Verstorbene war ein Mensch, der nicht aufgegeben hat, bevor etwas fertig war.

Steine aus der Schweiz und Europa

Um den Charakter eines Menschen zu erspüren, sucht Brunschwiler das Gespräch mit den Angehörigen. Auch schon hat er es erlebt, dass Kinder eine Zeichnung gemacht haben, wie sie sich den Grabstein fürs Grosi vorstellen. «Zu überlegen, wie ein Grabmal aussehen soll, ist ein Teil des Abschiednehmens», weiss er.

Hat er denn in Zeiten, da sich die meisten Menschen kremieren und in einem Urnen- oder Gemeinschaftsgrab beisetzen lassen, überhaupt noch genug Arbeit? «Die Nachfrage wurde weniger, aber die Kunden, die zu mir kommen, haben speziellere Wünsche.»

Von daher könne er weiterarbeiten wie früher. Grabzeichen gestalten macht etwa 50 Prozent seiner Arbeit aus. In Gossau hat Brunschwiler, der als einer der letzten Betriebe in der Ostschweiz noch Steinbildhauer ausbildet, an jeder Ecke seine Spuren hinterlassen. Er gestaltete nebst unzähligen Grabsteinen auch das Sternenkindergrab im Friedhof Hofegg, die Steinkugeln im Gröblikreisel und die Steinsäulen für den Gossauer Preis, um nur einiges zu nennen. Für Letztere hat er Nagelfluh aus Degersheim gewählt.

Natürlich könne man auch Steine aus China oder Brasilien nehmen, die glänzen schön und lassen sich einfach polieren. «Aber Steine aus der Schweiz oder Europa passen besser zu unserem Charakter», ist der Bildhauer überzeugt. Ausserdem finde er es sinnlos, Steine um die halbe Welt zu transportieren.

Einige Arbeiten des Steinbildhauers.

Einige Arbeiten des Steinbildhauers.

Materialien, Formen, Strukturen, Bilder und Symbole von Grabzeichen sind so verschieden wie die Menschen, für die sie stehen. Und doch gibt es Gemeinsamkeiten. Früher etwa waren betende Hände beliebte Symbole auf Grabsteinen. «Heute sieht man sie nur noch selten», sagt Brunschwiler. Das Kreuz hingegen sei immer noch vielen Menschen wichtig. Eine zentrale Rolle spielt auch der Kulturkreis: «Südländer haben ganz klare Vorstellungen und wollen meist einen klassischen Grabstein.»

Familiengrab zügelt nach Zürich

Die Zeit vor Allerheiligen ist für Brunschwiler die strengste Zeit, weil die Grabzeichen pünktlich fertig sein sollen. So auch die Skulptur, die vor rund 30 Jahren für ein Familiengrab in Gossau gefertigt wurde und jetzt, neu überarbeitet, nach Zürich kommt.

Was er am Donnerstag machen wird, weiss Roman Brunschwiler noch nicht. Berufsbedingt ist er regelmässig auf Friedhöfen anzutreffen, in den Ferien besucht er sie gern auch in der Freizeit. Im Wissen darum, dass Grabstätten nicht nur eine Quelle der Kraft für Trauernde sind, sondern auch ein Ort der Stille. Oder wie es Pater Willi in einem Ferment-Band der Pallottiner schreibt: «Ein Grab ist so etwas wie ein Ort zwischen zwei Welten, ein Zeichen, dass die Würde des Menschen über den Tod hinausreicht.»

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