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Ein würdiger Rahmen für den St.Galler Broderbrunnen: Diskussionen seit 1998

Einmal im Jahr berichtet der Stadtrat dem Parlament über hängige Vorstösse. Die Vorlage ist immer ein Rundgang über die politischen Baustellen der Gallusstadt. Diesmal stechen zwei "ewige" Themen heraus: der Wildnispark Goldachtobel und der lieblos gestaltete Platz rund um den Broderbrunnen.
Reto Voneschen
Der Broderbrunnen vor 1914. Auffällig sind die Blumenrabatten rund um den Brunnen. Und ebenfalls nicht mehr existent ist der überaus reichhaltige Baumbestand links und rechts des Oberen Grabens in Richtung Schibenertor. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Der Broderbrunnen vor 1914. Auffällig sind die Blumenrabatten rund um den Brunnen. Und ebenfalls nicht mehr existent ist der überaus reichhaltige Baumbestand links und rechts des Oberen Grabens in Richtung Schibenertor. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Der Bericht über Aufträge aus Motionen und Postulate, die das Parlament erteilt hat, die aber noch nicht erledigt sind, wird vom Parlament jeweils an der letzten Sitzung vor den Sommerferien behandelt. In diesem Jahr wird das am 3. Juli der Fall sein.

Diskussionen seit über zwanzig Jahren

Das zweitälteste Geschäft im Bericht über Motionen und Aufträge ist eines jener Beispiele, bei denen man den Eindruck erhält, dass die Mühlen der Verwaltung manchmal unendlich langsam mahlen. Seit Herbst 2008 ist nämlich der nicht wirklich komplizierte Auftrag hängig, das asphaltierte Umfeld des Broderbrunnens attraktiver zu gestalten. Die politische Diskussion über diese Umgebungsgestaltung ist allerdings viel älter. Sie begann nämlich schon Mitte der 1990er-Jahre.

Der alte Lindenplatz vor 20 Jahren: Die Brunnenfiguren sind in der Revision. Noch ist zudem im Umfeld des Brunnens die alte Verkehrsführung mit separatem Abzweiger hinter dem Brunnen vorbei zu erahnen. (Bild: Michel Canonica - 1. Juni 1999)

Der alte Lindenplatz vor 20 Jahren: Die Brunnenfiguren sind in der Revision. Noch ist zudem im Umfeld des Brunnens die alte Verkehrsführung mit separatem Abzweiger hinter dem Brunnen vorbei zu erahnen. (Bild: Michel Canonica - 1. Juni 1999)

Der Broderbrunnen auf dem ehemaligen Lindenplatz vor dem Multertor entstand 1896 zur Feier der neu eingerichteten Versorgung der Stadt mit Bodenseewasser. Angefertigt wurde der Brunnen von August Bösch (1857–1911). Die weitgehend nackten Figuren wurden in Galvanobronze ausgeführt. Sie stehen auf rotem, grobkörnigem Sandstein aus Meissen an der Elbe. Was eine für jene Zeit typische Materialwahl war. Auch der Ort und die monumentale Ausführung passen in die Zeit, zum Lebensgefühl und zum Selbstbewusstsein der Stickereimetropole St.Gallen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Erste Gestaltungsvorlage erlitt Schiffbruch

Seit er Ende der 1990er-Jahre saniert wurde, ist der Broderbrunnen selber wieder "voll in Schuss". Was von seiner Umgebung nicht wirklich gesagt werden kann. Ursprünglich sah die Stadt vor, diese möglichst freundlich und grün zu gestalten. Vorgesehen war auch ein Belag, der Regenwasser versickern lässt. Die Vorlage erlitt allerdings 1998 aufgrund der Kosten von 388'000 Franken im Parlament Schiffbruch. Worauf die städtische Baudirektion die heutige, mit 177'000 Franken günstigere "Asphaltwüste" anlegen liess.

Die heutige Gestaltung des alten Lindenplatzes: Die Blumenrabatten sind auf ein Minimum reduziert, Asphalt dominiert. (Bild: Hanspeter Schiess - 9. September 2012)

Die heutige Gestaltung des alten Lindenplatzes: Die Blumenrabatten sind auf ein Minimum reduziert, Asphalt dominiert. (Bild: Hanspeter Schiess - 9. September 2012)

2008 reichten Thomas Schwager (Grüne) und Christine Bölsterli (CVP) – beide sitzen seit längerer Zeit nicht mehr im Parlament – ein Postulat für einen "würdigen Platz" rund um den Broderbrunnen ein. Es wurde vom Stadtparlament erheblich erklärt. Und ist seither hängig. Die Neugestaltung des Umfelds des Broderbrunnens will der Stadtrat nun endlich zusammen mit der Aufwertung und Neugestaltung der St.Leonhard-Strasse angehen.

Einen neuen Platz gibt's frühestens 2021

Dieses Projekt wurde in drei Abschnitte unterteilt, wie dem Bericht über hängige Motionen und Postulate zu entnehmen ist. In erster Priorität soll schon 2018/19 der "Abschnitt West" von der Geltenwilen- bis zur Gäbrisstrasse saniert und neu gestaltet werden. Der "Abschnitt Zentrum" von der Gäbrisstrasse bis zur Schützengasse folgt voraussichtlich in den Jahren 2019/20.

Die attraktivere Gestaltung des alten Lindenplatzes rund um den Broderbrunnen gehört zum "Abschnitt Ost" des Umgestaltungsprojektes. Diese Etappe reicht von der Schützengasse bis zum Schibenertor. Dieser Teil der St.Leonhard-Strasse und des Oberen Grabens sollen voraussichtlich in den Jahren 2020/21 saniert und umgestaltet werden.

Wildnispark: Keine Priorität bei den Nachbarn

Das älteste Thema im aktuellen Bericht über hängige Motionen und Postulate des St.Galler Stadtrats geht aufs Jahr 2000 zurück und ist der Auftrag, im Goldachtobel einen Wildnispark einzurichten. Die Zusammenarbeit mit den anderen Gemeinden mit Tobelanstoss ist schon vor Jahren gescheitert. Angesichts des Desinteresses der potenziellen Partner hat sich die Stadt 2016 zum Alleingang für ihr Gebiet im Tobel entschieden.

Die entsprechende Schutzverordnung existiert im Entwurf. Drei von 16 Einsprachen dagegen wurden nach Gesprächen zurückgezogen. Derzeit ist die Stadt daran, «berechtigte Interessen» von Einsprechern in die Verordnung einzubauen. Das braucht Zeit, darum beantragt der Stadtrat dem Parlament, eine Verlängerung der Bearbeitungsfrist für dieses Postulat um ein weiteres Jahr. (vre)

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