Kommentar
Der Kommentar zum weiteren Kapitel in der langen Leidensgeschichte über die Erneuerung des St.Galler Kunstmuseums

Das Erneuerungsprojekt für das Kunstmuseum St.Gallen wird wegen Corona für die nächsten fünf Jahre auf Eis gelegt. Und damit ein weiteres Mal auf die lange Bank geschoben.

Christina Weder
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Christina Weder, Redaktorin Stadt St.Gallen.

Christina Weder, Redaktorin Stadt St.Gallen.

Bild: Hanspeter Schiess

Im Kunstmuseum St.Gallen fehlt eine Klimaanlage. Nur schon diese Tatsache müsste zu denken geben. Viele Kunstwerke sind empfindlich, was das Raumklima anbelangt. Damit nicht genug: Das Dach des historischen Kunklerbaus ist leck, an der Westseite setzt Schimmel an und die Räume im Untergeschoss sind für Kunstausstellungen praktisch ungeeignet. Seit über 20 Jahren ist eine Erweiterung oder Erneuerung der Räumlichkeiten ein Thema. Es ist eine leidige Geschichte.

Man muss nicht bis nach Zürich blicken, wo kommendes Jahr der repräsentative Erweiterungsbau des Kunsthauses des Architekten David Chipperfield eröffnet wird. Auch andere Kunstmuseen in der Region wurden in den vergangenen Jahren neu gebaut, erweitert oder saniert – etwa in Chur, Vaduz, Bregenz, Appenzell oder Winterthur. Dagegen ist das Kunstmuseum St.Gallen auf der Strecke geblieben. Mit dem Erneuerungsprojekt harzte es, und es harzt weiter. Dabei wäre eigentlich alles aufgegleist.

Der Architekturwettbewerb hat längst stattgefunden. Seit 2012 liegt das Siegerprojekt in der Schublade bereit. Man müsste es nur hervorholen. Auch die Finanzierung scheint geregelt. Stadt, Kanton und Private würden sich die Kosten von 40 Millionen Franken zu je einem Drittel teilen. Die Stadt müsste demnach rund 13 Millionen Franken aufbringen. Im September sollte der Planungskredit im Stadtparlament verhandelt werden.

Doch nun hat der Stadtrat ein Coronamassnahmenpaket geschnürt mit Folgen fürs Kunstmuseum. Das Erneuerungsprojekt wird für die nächsten fünf Jahre auf Eis gelegt und damit ein weiteres Mal auf die lange Bank geschoben. Der Unmut der Museumsdirektoren ist verständlich. Gewiss, die Zeiten mit Corona sind unsicher. Dennoch hat der Stadtrat die Notbremse vorschnell gezogen. Er riskiert, dass private Geldgeber, denen es zu lange dauert, abspringen.

Die Erneuerung des Kunstmuseums hätte zudem ein positives Signal sein können, dass es in der Stadt trotz Coronakrise vorwärtsgeht. Der Stadtrat hätte zeigen können, dass ihm ein attraktives Kunstmuseum im schützenswerten Kunklerbau am Herzen liegt. Er hätte damit einer langen Leidensgeschichte ein Ende gesetzt. Nun fügt er ihr ein weiteres Kapitel hinzu.