"Musik hören, reden und ein Bier trinken": Waldkircher Jugendliche wünschen sich eigenen Treffpunkt

Ältere Jugendliche in Waldkirch wünschen sich eigene Räume für Freizeitaktivitäten. Ein Austausch mit dem Gemeindepräsident zeigt, dass es nicht ganz einfach ist, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Manuela Bruhin
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Waldkirchs Gemeindepräsident Aurelio Zaccari hört sich die Sorgen und Bedürfnisse der Jugendlichen im Jugendtreff Silverstar an. (Bild: Michel Canonica)

Waldkirchs Gemeindepräsident Aurelio Zaccari hört sich die Sorgen und Bedürfnisse der Jugendlichen im Jugendtreff Silverstar an. (Bild: Michel Canonica)

Für Jugendarbeiterin Jenny Heeb ist es ein altbekanntes Anliegen. Immer wieder wird sie von älteren Jugendlichen darauf angesprochen, warum es in Waldkirch keine Räume für sie gibt. Im Prinzip ist dafür zwar der Jugendtreff Silverstar vorgesehen. Doch die Praxis zeige, dass die Ansprüche der Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren sehr unterschiedlich seien. «Die Älteren fühlen sich fehl am Platz, und den Jüngeren ist es auch nicht wohl», erklärte Heeb am Freitag an einer ersten Austauschveranstaltung im Waldkircher Jugendtreff.

Zusammen mit dem Gemeindepräsidenten Aurelio Zaccari konnten dabei die älteren Jugendlichen ihre Anliegen vorbringen. Was fehlt den älteren Oberstufenschülern in der Gemeinde? Was brauchen oder wünschen sie sich? Der Tenor war eindeutig: Die Älteren wollen einen Raum, in dem sie ihre Freizeit zusammen verbringen, Musik hören, reden und ein Bier trinken können.

Keine Ausweichmöglichkeiten

Wie gross der Wunsch nach einem solchen Raum ist, zeigte die Initiativbereitschaft der Jugendlichen. «Wir wären natürlich bereit, uns einzubringen», sagte einer der Anwesenden. Sie könnten sich vorstellen, den Raum selber einzurichten, einen Ämtliplan zu erstellen oder ein Entgelt zu leisten.

Viele Ausweichmöglichkeiten gäbe es für sie nicht, hielten die Jugendlichen fest. Für den Ausgang etwa nach St. Gallen zu gehen, kommt für die meisten nicht in Frage. «Es ist teuer, und wegen des Alters kommen nicht alle in einen Club», sagten einige. Auch wenn sie sich auf dem Klosterplatz aufhalten würden, würde man sie häufig vertreiben.

Dieses Szenario spielt sich auch in Waldkirch ab. Aufgrund des fehlenden Platzangebots weichen die Jugendlichen auf das Schulhausareal aus. Doch häufig treffe der Abwart am Montagmorgen keine schöne Situation an – Fälle von Littering oder Sachbeschädigungen haben sich gehäuft. Und genau diese Problematik erweise sich dann für eine Suche nach Räumen entsprechend als Hindernis, erklärte Aurelio Zaccari. 

«Es muss ein Miteinander sein, und die Regeln müssen eingehalten werden.»

Er verstehe das Bedürfnis der Jugendlichen, und es gäbe sicherlich Räume in der Gemeinde dafür. «Doch wenn die Bürger über Vandalismus und Littering lesen müssen, sind sie natürlich auch nicht bereit, Räume anzubieten.» Man wolle die Jugendlichen nicht vom öffentlichen Raum vertreiben oder Verbote aussprechen. Die Jugendlichen versicherten Zaccari, dass ein eigener Raum auch eine Art «Motivationshilfe» sei. Denn: «Wenn wir unser Chaos wieder selber beseitigen müssen oder einen schmutzigen Raum antreffen, gurkt uns das selber an.»

Weiterer Austausch erwünscht

Im Anschluss wurden Ansprechpersonen bestimmt, die künftig mit dem Gemeindepräsidenten in Kontakt bleiben. Für beide Seiten war klar, dass weitere solche Austauschveranstaltungen folgen sollen. «Ich möchte euch auch motivieren, euch in der Gemeinde einzubringen – sei dies in Vereinen, Organisationen oder in der Politik», sagte Zaccari zum Schluss. «Ihr könnt die Gemeinde so massgeblich mitgestalten.»