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St.Galler Aktion zu «500 Jahre Reformation»: Ein Tisch für 1100 Gäste

Wein trinken und Brot essen: Das können Passantinnen und Passanten Ende August an einer langen Tafel mitten in der Altstadt. Auf dem Programm von Organisator «Stattkloster» steht dabei auch die Sprengung der alten Schiedmauer.
Christina Weder
Test in kleinerem Rahmen: Das Team um Kurt Pauli (vorne links) hat bereits an einem Tisch in der Marktgasse Platz genommen. (Bild: PD/Augustin Saleem)

Test in kleinerem Rahmen: Das Team um Kurt Pauli (vorne links) hat bereits an einem Tisch in der Marktgasse Platz genommen. (Bild: PD/Augustin Saleem)

Es soll ein langer Tisch werden, ein sehr langer sogar. Ab Dienstag, 28. August, wird er in der St. Galler Altstadt aufgebaut. Täglich soll er um 60 Meter wachsen, bis er sich vier Tage später aus 110 Einzeltischen zusammensetzt und in seiner ganzen Länge erstreckt.

Die Tafel wird vom Vadian-Denkmal bis zum Dom reichen. Anfangs- und Endpunkt sind nicht zufällig gewählt. Denn der Tisch wird anlässlich der Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum aufgebaut. Gastgeber ist «Stattkloster», ein Angebot des ökumenischen Vereins Wirkraum Kirche, das es in der Stadt St. Gallen seit einem Jahr gibt (siehe Zweittext).

Bis zu 1100 Gäste sollen am Tisch Platz finden. Rund 200 Freiwillige werden Wein ausschenken und Brot auftischen. Nicht umsonst heisst die Aktion «Brot und Wein an einem Tisch». Die Bäckerei Gschwend hat eigens für diesen Anlass ein «Vadian-Brot» entwickelt, das es bereits zu kaufen gibt.

Einladung zum Platznehmen

Kurt Pauli, Leiter von «Stattkloster», will einen Ort des Austausches schaffen. «Am Tisch sollen sich Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Konfession und Herkunft begegnen können und spontan Platz nehmen», sagt er. Die Aktion findet bei jedem Wetter statt. Bei Regen rücken die Gäste unter Pavillons zusammen.

«Die Tischdecke, die mit dem Bibeltext bedruckt wird, ist wetterbeständig.»
Kurt Pauli

Um den Tisch herum findet in der letzten Augustwoche ein vielfältiges kulturelles Programm statt. Zur Mittagszeit werden Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft, Politik und Kirche erwartet, die sich mit der Frage auseinandersetzen, was Reformation heute für sie bedeutet. Die Gespräche fokussieren laut Pauli nicht nur auf Kirche und Religion.

Kulturprogramm am Nachmittag und Abend

Nachmittags und abends werden die Gäste am Tisch mit Lesungen, kleinen Konzerten, Trinkliedern oder einem Tanztheater unterhalten. Das Programm gipfelt schliesslich am Freitag, 31. August, im Zusammentreffen von Kirchenratspräsident Martin Schmidt mit Bischof Markus Büchel. Gemeinsam werden sie sich an den langen Tisch setzen. Dies jedoch erst, nachdem die Organisatoren die alte Schiedmauer, die einst den Klosterbezirk von der reformierten Stadt trennte, symbolisch zum Einsturz gebracht haben.

Ein Reststück der Mauer, die im 16. Jahrhundert errichtet wurde, ist hinter der Laurenzen-Kirche bis heute stehen geblieben. Sie ist ein Sinnbild fürs damals spannungsgeladene Verhältnis zwischen Fürstabt und Bürgern. Mit Getränkeharassen wollen die Organisatoren ein zusätzliches Mauerstück wieder aufbauen und den Durchgang von der Marktgasse zum Klosterhof vorübergehend zusperren – wie das einst der Fall war. Noch am selben Abend soll die Mauer mit Wasserdruck symbolisch niedergerissen werden.

Ein versteckter Appell

«Die Trennung der Kirchen zur Reformationszeit wirkt bis heute nach», sagt Organisator Kurt Pauli. Er nimmt das Abendmahl oder die Kommunion als Beispiel. Aus diesem Grund habe man das Thema «Brot und Wein an einem Tisch» gewählt. Er will es als Appell an die beiden Kirchen verstehen, einen Schritt aufeinander zu zugehen.

Die Vorbereitungen für den langen Tisch sind gemäss Pauli bereits weit fortgeschritten. Das Programm steht. Nun sucht er vor allem noch freiwillige Helferinnen und Helfer, die Ende August die Gäste bewirten werden.

Ein etwas anderes Kloster

Das Projekt «Stattkloster» wurde vor einem Jahr unter dem Dach des ökumenischen Vereins Wirkraum Kirche lanciert. Mit seinem Namen bezieht es sich auf die klösterliche Tradition in der Gallusstadt und grenzt sich gleichzeitig davon ab.

Gemäss Projektleiter Kurt Pauli geht es nicht darum, sich hinter Klostermauern zurückzuziehen, sondern in der Stadt sichtbar zu werden. Projekte sollen auf Strassen und Plätzen stattfinden – wie die geplante Aktionswoche «Brot und Wein an einem Tisch» in der Altstadt. Hinzu kommen regelmässig stattfindende Angebote wie eine Kreuzgangmeditation oder ein Mittagsgebet.

Bis jetzt hat Pauli rund 20 Interessentinnen und Interessenten in seiner Adresskartei. Das Angebot richtet sich an Erwachsene zwischen 30 und 50 Jahren, «die sich in der traditionellen Kirchgemeinde nicht heimisch fühlen und neue Wege erproben wollen, den Glauben zu leben».

Das nächste Projekt ist bereits in Planung. Pauli will sein Ziel eines Gemeinschaftsortes für Wohnen, Glauben und Arbeit umsetzen. Ab 2019 werde es ein «Stattkloster-Haus» geben. Die Verträge dafür würden noch diese Woche unterzeichnet, sagt Pauli. (cw)

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