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Der Captain, der ohne laute Worte auskommt

Der FC Abtwil-Engelburg verlässt die kritische Tabellenregion dank eines 1:0-Siegs gegen Weinfelden-Bürglen. Captain Marc Koller wird dank dieses Erfolgs zum freundlichen Gesprächspartner.
Beni Bruggmann
Abtwils Marc Koller (links) spornt seine Mitspieler mit einer geballten Faust an. (Bild: Ralph Ribi)

Abtwils Marc Koller (links) spornt seine Mitspieler mit einer geballten Faust an. (Bild: Ralph Ribi)

«Ich will immer gewinnen. Das Verlieren hasse ich», sagt Marc Koller, der 28-jährige Captain des FC Abtwil-Engelburg nach dem Spiel, und ergänzt: «Nach einer Niederlage bin ich unzufrieden, mürrisch, nicht ansprechbar.» Ein Glück also, dass Mattias Gröli in der 27. Minute das einzige Tor für das Heimteam erzielt, indem er einen Abpraller aus kurzer Distanz ins Netz wuchtet. Jetzt ist Koller also ansprechbar, und es entwickelt sich ein kurzweiliges Gespräch mit dem defensiven Mittelfeldspieler, einem selbstbewussten Mann, der ein wenig anders tickt als viele andere.

«Ich brauche nicht im Mittelpunkt zu stehen»

Er ist 1, 80 m gross und kräftig. Möglicherweise hat er das eine oder andere Pfund zu viel auf den Rippen. Er spielt als «Sechser» im defensiven Mittelfeld, und er tut dies mit Ruhe und Übersicht. Er «liest» die gegnerischen Aktionen und steht immer genau dort, wo es brennt. So unterbindet er regelmässig Gegenangriffe, wenn es sein muss auch mit einem rustikalen «Spitzler» weit hinaus in die Frühlingswiese. «Abräumen» nennt er das.

Ist der Ball dann einmal erobert, folgt auf das «Abräumen» das «Aufbauen». Das überlässt er den andern. Er ist kein Spielmacher, keiner, der das Spiel an sich reisst. «Ich weiss, was ich kann», sagt er. Das heisst: Seine Mitspieler stürmen und konstruieren und kombinieren, und er rückt hinter der ersten Welle nach. Wenn er doch früh an den Ball kommt, gibt er ihn sicher weiter, notfalls auch nach hinten. Das ist nicht spektakulär, aber mannschaftsdienlich. «Ich bin ein ruhiger Mensch und brauche nicht im Mittelpunkt zu stehen», sagt er. Er meint sowohl den Fussballplatz als auch das Leben. Er ist ein stiller Captain. Dennoch ist er mit seinen Kollegen stets in Kontakt. Er macht das mit Gesten und zeigt an: Lauf nach vorne! Deck deinen Gegenspieler! Natürlich, im Notfall kann er auch laut werden, zum Beispiel als Sepp Peterer durch Ballwegspielen nach dem Pfiff eine gelbe Karte holt.

Ein Skiunfall prägt sein Spiel

Marc Koller ist stets in Bewegung, aber kaum einmal in Eile. Sprints braucht er heute nicht mehr zu machen, weil er das Auge für die Situation hat. Das war nicht immer so: «Als Junior war ich Stürmer, schnell und torgefährlich. Mit 13 hatte ich wegen eines Skiunfalls fast ein Jahr lang Zwangspause.» In dieser Zeit scheint die Schnelligkeit dem lockeren Trab Platz gemacht zu haben. Obwohl durchaus talentiert, hat er es nie im Nachwuchs des FC St. Gallen versucht, wie so mancher seiner Kollegen. Seine Aussage wiederholt sich: «Ich weiss, was ich kann.» Bei «seinem» Verein stimmt für ihn einfach alles: «Bei Abtwil-Engelburg haben wir ein Superteam mit guten Kollegen, und es gibt keinen Rappen zu verdienen.»

Ein Captain ohne Niederlage

Marc Koller ist in Abtwil und Untereggen aufgewachsen, wohnt in St. Gallen und arbeitet als Elektromonteur. «Der Beruf ist wichtig», sagt er, «und der Fussball, meine Leidenschaft, ist eine ideale Ergänzung dazu.» Seit einiger Zeit ist er wieder Single. Es passt zu ihm, wenn er sagt: «Ich habe es jetzt auch in dieser Beziehung wieder etwas ruhiger.»

Weil der Vorgänger wegen einer Verletzung ausfiel, wurde Koller nach der 0:7-Schlappe gegen Amriswil in diesem Frühling Captain. «Und seit ich Captain bin», sagt er mit einer Mischung aus Stolz und Schalk, «haben wir nicht mehr verloren: Sieben Spiele ohne Niederlage!» Nach diesem Satz streicht er mit der Hand die Haarsträhnen aus der Stirn. Eine Geste, die er im Spiel oft macht. Pro Halbzeit geschätzte 45 Mal.

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